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    Katholisch-Theologische Fakultät

    Franziskus – Zwischenbilanz eines Pontifikats

    08.06.2018

    Studientag der Kath.-Theol. Fakultät

    Fünf Jahre sind inzwischen seit der Wahl von Papst Franziskus vergangen. Auch wenn noch nicht klar ist, wie dieses Pontifikat in der historischen Rückschau einmal zu bewerten sein wird, so viel dürfte bereits heute feststehen: Papst Franziskus polarisiert. Von euphorischem Jubel einerseits bis zu Vorwürfen des Traditionsabbruchs andererseits reichen die Stimmen. Mit einem öffentlichen Studientag am Mittwoch, 06.06.2018, versuchte die Kath.-Theol. Fakultät eine Zwischenbilanz dieses Pontifikats zu ziehen.

    In verschiedenen Impulsreferaten und Workshops unter der Leitung von Professorinnen und Professoren der Fakultät wurden zunächst die päpstlichen Dokumente Amoris laetitia, Laudato si‘ und Evangelii gaudium sowie die Frage nach der Ordnung der Liturgie durch Franziskus und die Frage nach dem symbolischen Handeln bei Franziskus in den Blick genommen. Einig waren sich die jeweiligen Referentinnen und Referenten dabei in Ihrem Eindruck, dass die Äußerungen von Papst Franziskus keineswegs frei von Widersprüchen sind – ein Eindruck, der ganz aktuell dadurch noch einmal unterstrichen wurde, dass erst am Tag zuvor die Glaubenskongregation der Deutschen Bischofskonferenz untersagt hatte, eine Handreichung zum Kommunionempfang von nicht-katholischen Ehepartnern zu veröffentlichen, nachdem Franziskus sich zunächst nicht zum sog. Kommunion-Streit geäußert und die Entscheidung scheinbar der Bischofskonferenz überlassen hatte.

    Den anschließenden Vortrag mit dem Titel „Hagamos lío – Macht Wirbel“ hielt FAZ-Redakteur Dr. Daniel Deckers, der mit Franziskus einen grundlegenden Perspektivwechsel in der Ausübung des Papstamtes feststellte. Demnach begreife Franziskus die Kirche in erster Linie nicht als Organisation, sondern (im Anschluss an das Zweite Vatikanische Konzil) als Volk Gottes. Für Franziskus sei nicht die Kirche selbst das Ziel des Handelns ihrer Mitglieder, vielmehr habe die Kirche eine dienende Rolle im Heilsplan Gottes für die Menschheit. Die Mitglieder der Kirche sollten sich nicht fragen „Was kannst Du für die Kirche tun?“ und „Wer ist mein Nächster?“, sondern „Was kannst Du als Kirche tun?“ und „Wem muss ich zum Nächsten werden?“. In diesem Sinne sei, so führte Deckers aus, für Papst Franziskus Barmherzigkeit die theologische und Synodalität die praktische Zentralperspektive.

    Diese Zentralperspektive, so Deckers, erscheine einerseits begrüßenswert: Im Vorfeld der Bischofssynode über das Evangelium von der Familie habe Franziskus erstmals in der Kirchengeschichte eine Befragung der Gläubigen durchführen lassen. Mit dem nachsynodalen Schreiben Amoris laetitia habe Franziskus erstmals Umstände angedeutet, die Geschiedenen nach neuerlicher Heirat eine Teilnahme an den Sakramenten erlauben könnten. Andererseits erscheine diese Zentralperspektive aber auch nicht unproblematisch: Synodalität habe z.B. im Falle der Familiensynode keine Beteiligung von Frauen impliziert (Vorwurf: Kirche nach wie vor als Klerikerkirche). Zudem sei unklar, wie bei Dissens innerhalb oder zwischen synodalen Gremien (z.B. unterschiedlichen nationalen Bischofskonferenzen) zu verfahren sei. Barmherzigkeit schlage sich bei Franziskus nicht auch in verbindlichen Entscheidungen bzw. rechtlichen Vorgaben nieder, seine Forderungen blieben oft vage und missverständlich. Irritationen und Missverständnisse sowie ein Verlust der Autorität des Papstamtes seien die Folge, befürchtete Deckers.

    Insgesamt gelangte Daniel Deckers somit zu einem ambivalenten Fazit über Franziskus: Zwar sei die Kirche unter der Leitung von Franziskus noch weit davon entfernt, Kriterien wie „good governance“, „rule of law“ oder accountability“ gerecht zu werden, dennoch weise Franziskus in die richtige Richtung. Man könne nur hoffen, dass diese Richtung, die Franziskus der Kirche weise, unumkehrbar sei.

    Ähnlich ambivalent fielen auch die Einschätzungen in der den Studientag abschließenden Podiumsdiskussion aus, an der neben Deckers weiterhin Prof. Dr. Barbara Schmitz, Domkapitular Dr. Helmut Gabel, Prof. Dr. Martin Stuflesser, Dr. Rainer Dvorak und Prof. Dr. Matthias Remenyi teilnahmen. Kritik fanden wurden wiederum v.a. die Missverständlichkeit und Unverbindlichkeit vieler Äußerungen des Papstes. Ausdrücklich gewürdigt wurde dagegen v.a. die ungekannte Offenheit, mit der unter Franziskus über kontroverse kirchlich-theologische Themen diskutiert werden könne.

    Mit dem Studientag verfolgt die Kath.-Theol. Fakultät v.a. das Ziel, Theologie, Kirche und Gesellschaft in Dialog zu bringen. Der Studientag soll in Zukunft jährlich zu wechselnden, aktuellen und relevanten Themen stattfinden.

     

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