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    Nachwuchsgruppe „Herrschaft“ (Dr. Katharina Ebner)

    Lehre

    im Sommersemester 2021

    Sebastian Dietz, Dr. Katharina Ebner, Dr. Benedict Schöning

    Seminar: Schöne Neue Welt nach Corona - Was macht die Gesellschaft mit Krisen und Katastrophen?

    Termine: Mo, 12.00 – 14:00 Uhr

    Beschreibung:

    Die COVID-19-Pandemie ist ein Realitätsschock. Was bisher als sicher und verlässlich galt, kann auf einmal tödlich sein. Nicht nur, weil ein Virus um die Welt reist, werden Routinen, gesellschaftliche Praktiken und Normen radikal in Frage gestellt. Auch weil Daten und Informationen, Nachrichten und Geschichten über das Virus Wirkung entfalten, verändert die Pandemie, was wir für normal halten.
    Es entsteht ein Zwischenzustand der Krise, ein Moment, in dem Entscheidungen möglich werden, weil vieles Unumstößliche in Frage gestellt wird. Darin liegt eine Ambivalenz von Drohung und Verheißung: Kippt die Gesellschaft nach der Krise in die katastrophale Dystopie oder besteht die Hoffnung, in eine bessere neue Normalität überzugehen?

    Die Antwort auf diese Fragen kann nicht eindeutig sein, denn sie ist davon abhängig, für wen und auf welche Weise das Neue eine Verheißung sein soll. An dieser Stelle setzt dieses Seminar an: Wir erzählen die bessere Welt nach Corona. In theologisch fundierten Utopien einer besseren Welt formulieren wir Impulse aus unserer wissenschaftlichen Analyse der Krise und den Ressourcen, die unsere Tradition bereitstellt. Mittels narrativer, theologischer Ethik formuliert dieses Seminar somit Antworten auf die Frage: Wie wollen wir gelebt haben? Dabei reflektieren wir, wie solche Utopien glaubwürdig und wirksam werden können. Ziel ist es dabei, das neue Normal unserer Gesellschaft nicht einfach zu beschreiben, sondern theologisch-ethische Perspektiven für die Transformation der Gegenwart furchtbar zu machen und diese engagiert mitzugestalten.

    Dr. Katharina Ebner

    Seminar: Normative Ordnungslogiken des Sozialen

    Termine: Di, 10:00 – 12:00 Uhr

    Beschreibung:

    Menschen leben in Gemeinschaft. Dabei fanden und finden sie sich in ganz verschiedenen Formen von Gemeinschaften wieder, die wiederum auch ihr eigenes Leben in unterschiedlichem Maß bestimmen, beschränken und ermöglichen. Denn es macht einen Unterschied, ob wir annehmen, dass das Gemeinwesen wohlgeordnet in Ständen ist oder alle Menschen gleiche Rechte haben, und auch ob es natürliche Rechte gibt oder ob Rechte über Verträge oder Vereinbarungen festgeschrieben werden, und wer wiederum darüber entscheidet.
    Im Seminar werden wir deshalb in einem ersten Schritt soziologischen Wirklichkeiten auf die Spur kommen, indem wir fragen, wie sich Formen des Sozialen beschreiben und analysieren lassen. In einem zweiten Schritt fragen wir nach den normativen Dimensionen. Wie sollen wir leben? Welche Gesellschaftsformen sind gerecht? Welche ermöglichen ein gelingendes Leben? Dabei werden wir uns sowohl mit philosophischen als auch theologisch-ethischen Ansätzen beschäftigen.

    Seminar: Der autonome Mensch als Ideal

    Termine: Do, 08:00-10:00 Uhr

    Beschreibung:

    Autonomie ist für viele ein ganz zentraler Begriff ihres Selbstverständnisses. Damit sind aber oft ganz unterschiedliche Dinge bezeichnet, beispielsweise eigenständig Entscheidungen zu treffen, sich nicht abhängig von anderen zu machen, selbstbestimmt zu handeln, sich frei entfalten zu können oder nicht Objekt von Zwang zu werden. Was unter Autonomie jeweils verstanden wird, hängt dabei sowohl von den zugrunde liegenden Annahmen über den Menschen ab als auch richtet es sich nach dem Feld, in dem sie wirksam werden soll. Diesen Dimensionen möchte das Seminar auf die Spur kommen. Im Seminar werden deshalb unterschiedliche Modelle individueller Autonomie untersucht und verschiedene Praxisfelder (Medizinethik, Beziehungsethik) erarbeitet.

     

    Dr. Benedict Schöning

    Vorlesung: Alttestamentliche Prophetie – eine Methode für die Fragen der Gegenwart

    Termine: Di, 12:00 – 14:00 Uhr

    Beschreibung:

    Was alttestamentliche Prophet*innen angekündigt haben, scheint Jahrhunderte später von der Zeit überholt. Was bleibt von der Prophetie der Bibel, sodass sie für gegenwärtige Leser*innen Sinn stiften und in der Welt etwas verändern kann?

    Die Vorlesung betrachtet Prophetie als ein wesentliches Phänomen des Alten Testaments, dessen Konzeption und Theologie heute anschlussfähig sind. Anhand von ausgewählten prophetischen Texten stellt sie die Grundzüge der Prophetie im Alten Testament dar und gibt Anregung zu einer pragmatischen Analyse der Texte in der beruflichen Praxis. Sie erarbeitet dazu im Dialog mit Studierenden hermeneutisch verantwortete Aktualisierungen der Bibeltexte für die Gegenwart. Zur Sprache kommen dabei u.a. gegenwärtige postkoloniale, feministische und gewaltkritische Perspektiven.

    Sebastian Dietz

    Seminar: Von Wutbürger:innen und Weltverbesserern – Emotionen im politischen Prozess

    Termine: Do, 12:00 – 14:00 Uhr

    Beschreibung:

    Obwohl viele Theorien von Demokratie ihren Fokus auf die Rationalität der Abläufe und Diskurse legen, ist nicht zu leugnen, dass Emotionen in (vor)politischen Prozessen relevant sind. Das beginnt bei leidenschaftlichen Diskussionen mit dem Onkel bei der Familienfeier und reicht über Protestbewegungen bis hin zu großen symbolischen Gesten von Spitzenpolitiker*innen. Als Reflexion der Praxis muss Christliche Sozialethik auch Emotionen berücksichtigen, wenn diese für politische und gesellschaftliche Prozesse relevant werden.
    Emotionalität und Rationalität stehen dabei nicht grundsätzlich im Widerspruch zueinander, sind aber auch nicht deckungsgleich. In welchen Bezügen werden Emotionen also relevant für die politische Praxis? Sind sie dabei für demokratische Prozesse tendenziell hinderlich und sollten bestmöglich aus dem politischen Bereich herausgehalten werden? Oder: Unter welchen Umständen können sie als wertvolle Ressource für ein demokratisches Miteinander verstanden werden?

    Das Seminar möchte diesen Fragen nachgehen und dabei verschiedene Konstellationen als Fallstudien für verschiedene Funktionen oder auch Dysfunktionen von Emotionalität in politischen Prozessen heranziehen.