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Intern
    Lehrstuhl für Pastoraltheologie

    Einladung zur Antrittsvorlesung von Prof. Dr. Johannes Först

     

     

    Christentum als Lebensform - Analytisches und Perspektivisches zum Modernisierungsprozess

    Musik: Emanuel Büttner, Bamberg

    am Donnerstag, 25. Okt. 2018 um 16.00 Uhr s.t.
    im Tagungsraum 3, Burkardushaus, Am Bruderhof 1, 97070 Würzburg

    Im Anschluß findet ein Umtrunk statt!

     


     

    38. Ökumenisch-theologischer Tag in Linz

     © Referat für Ökumene und Judentum

    Chancen der Säkularisierung

    Unter diesem Thema stand der 38. Ökumenisch-theologische Tag, der am 14. April 2018 im Linzer Priesterseminar stattfand. Das Hauptaugenmerk lag dabei auf den Herausforderungen von Säkularisierung und deren möglicher positiver Nutzung.

     Nach einem spirituellen Impuls und dem thematischen Auftakt von Bischof Dr. Manfred Scheuer, in dem er mit der Pastoralkonstitution Gaudium et spes des Zweiten Vatikanischen Konzils die „kritische Zeitgenossenschaft“ der Kirche herausstrich, präsentierte die Theologin und Religionsphilosophin Dr.in Annette Langner-Pitschmann philosophische und soziologische Theorie und half so den schillernden Begriff Säkularisierung differenziert in den Blick zu nehmen.

    Neben die klassischen Säkularisierungstheorien von M. Weber, Ch. Taylor und Th. Luckmann stellte sie die Gegenentwürfe von Desäkularisierung (Berger) und Postsäkularität (Habermas). Aufschlussreich attestierte Dr.in Langner-Pitschmann, dass Säkularisierungs-Diskurse kaum auf neutralem Boden stattfänden. Innerhalb wie außerhalb der Kirche stehen meist Vorannahmen von einer positiven oder besorgten/eher negativen Sicht auf die Welt und ihre Säkularisierungs-Phänomene im Hintergrund der Diskurse. Die Metapher der Kirche, die wie eine Eischolle im Eismeer „Säkulare Welt“ treibt, die Langner-Pitschmann einführte, fand in den nachfolgenden Diskussionen großen Anklang und gab Anlass weiter über die Zukunft der Kirchen in der heutigen Zeit nachzudenken.

    Der Würzburger Pastoraltheologe Univ.-Prof. Dr. Johannes Först zeigte in seinem Vortrag theologische Zugänge und pastorale Chancen von Säkularisierung auf. Vor dem Hintergrund rahner’scher Anthropologie präsentierte er als alternativen Blickwinkel zu gängigen Säkularisierungsthesen einen transformationstheoretischen Ansatz. Wird versucht Phänomene als Transformationsprozesse zu betrachten, gibt das die Chance „Christentum dort zu entdecken, wo auf den ersten Blick nur Säkularisierung“ ist. Theologisch bieten die Phänomene von Säkularisierung die Chance einer Neuausrichtung der Kirchen. Theologie und Kirchen sind, so Prof. Först in seinem engagierten Plädoyer, gefordert die Gottesfrage an die tiefen und existentiellen Erfahrungen und Fragen der Menschen zu heften und sich den Dramen des Lebens zuzuwenden.

     Im zweiten Teil des Vormittages gaben MitarbeiterInnen aus der pastoralen Praxis in OÖ Einblick in ihre Projekte und Arbeitsfelder und berichteten von ihren Erfahrungen mit Säkularisierung und deren Chancen.
    Der katholische Pastoralassistent MMag. Helmut Außerwöger und der evangelische Pfarrer Mag. Andreas Hochmeir erzählten von ihren gemeinsamen Erfahrungen aus dem Ökumene-Projekt im Dekanat Eferding und den Chancen, die sie in der ökumenischen Zusammenarbeit für die Kirchen in der heutigen Zeit sehen.
    Die katholische Theologin Mag.a Martina Resch stellte ihr Projekt Salon Raum_Zeit vor, in dem sie an säkularen Orten Raum für existentielles Fragen und tiefgründiges Nachdenken eröffnete.
    Mag.a Katharina Brandstetter, Projektassistentin für den Zukunftsweg der Katholischen Kirche in Oberösterreich, gab Einblicke in ihr Projekt „Erzähl mir was, ich hör dir zu“, bei dem sie sich mit KollegInnen mit Klappstühlen auf der Landstraße als Gesprächspartnerin für PassantInnen zur Verfügung stellte, und in das Projekt „Seelsorge auf SummerSplash“, in dem sie junge Menschen in kleineren und größeren Krisen während der Maturareise begleitete.
    Pfarrer Mag. Martin Eickhoff berichtete aus dem Alltag einer evangelischen Pfarrgemeinde und den Herausforderungen und Chancen theologischen Sprechens.
    Superintendent Dr. Gerold Lehner fasste am Ende des Theologischen Tages seine Erkenntnisse zusammen: Säkularisierung kann die Chancen eröffnen die Narrative unseres Glaubens wieder zu erzählen, Hörende zu werden, konfessionelle Unterschiede neu in den Blick zu nehmen, mutig zu sein und Grenzen zu überschreiten, und ebenso sich wieder bewusst zu werden, dass das Christentum immer auch das Fremde, das Andere sein wird und auch in einem Gegensatz zur Moderne steht. (Diözese Linz, publiziert am 17.04.2018)

     


    Zwei Herzen in der Brust

    Professor Johannes Först - Entdeckt Religionsbegriffe auch außerhalb von kirchlichen Strukturen (Foto: Corinna Russow)

    (EINBLICK, 10.04.2018) Johannes Först ist Lehrstuhlinhaber für Pastoraltheologie und Homiletik an der Katholischen Fakultät der Universität Würzburg. Er arbeitet daran, dass sich Kirche weiterentwickelt und den Kontakt zu den Menschen nicht verliert.

    Wer denkt, dass Kirche und moderne Gesellschaft nicht zusammenpassen, der sollte Professor Johannes Först kennenlernen. Der katholische Theologe ist neu an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) und hat beides im Blick. „Ich schaue auf das, was sich in Kirche und Gesellschaft entwickelt“, sagt Först. „Und dabei arbeite ich sehr alltagsbezogen.“

    Först ist Professor für Pastoraltheologie und Homiletik. Was sich kompliziert anhört, packt Först in einfache Worte: In der Homiletik, der Predigtlehre lernen die Studierenden – teilweise auch in praktischen Übungen – wie sie eine Predigt halten. „Man sollte die Chancen einer Predigt nicht unterschätzen. Gerade bei Festen wie Taufe, Trauung, Beerdigung hat man in den zehn Minuten Predigt die Möglichkeit, Menschen auf existentieller Ebene zu erreichen“, erklärt Först.

    „Pastoraltheologie ist wissenschaftliche Reflexion der Seelsorge. Seelsorge ist die Handlungsseite der Kirche, also alles, was Kirche macht oder unterlässt.“ Deshalb sieht sich Först als Handlungstheoretiker. Wichtig sei ihm, nach vorne zu denken und Vorschläge zu erarbeiten, damit Religion nicht als verstaubt gesehen wird.

    Das Christentum sei eine absolut relevante Größe in der Gesellschaft und würde dies auch bleiben, sagt der Professor. Aber Kirche und Religion verändern sich und kommen an anderen Orten zum Vorschein. „Ich entdecke Religion und christlichen Glauben auch außerhalb von kirchlichen Strukturen“, sagt der Theologe. Ein Beispiel seien Transzendenzerfahrungen in Beziehungen. Partner, Partnerin oder Kinder bekommen einen transzendenzartigen Status und werden sozusagen zum Glaubensinhalt. „Oder nehmen wir das, was auch viele andere als Religionsphänomen sehen: Fußball“, sagt Först. „Es spricht nichts dagegen, das Leben religiös zu sehen.“ Die direkte Erfahrungswelt zu überschreiten und auf weitere Erfahrungen hin zu durchforsten, sei eine menschliche Eigenschaft, um die sich alles ranke. An dieser Stelle setzt auch der christliche Glaube an.

    Immer in Bewegung

    Sein Rat an junge Menschen, die Theologie studieren wollen? „Der Glaube bleibt nicht immer gleich, er verändert sich“, sagt er. „Da schlagen zwei Herzen in meiner Brust. Das Idealistenherz, das sagt, das Fach ist unter den heutigen Herausforderungen unglaublich interessant“, erklärt er. Und ein Realistenherz: Junge Menschen wollen eine berufliche Perspektive, und die biete die Kirche auch, aber außerhalb der klassischen Felder der Theologie muss man suchen, um seinen Platz zu finden. „Solange man in Bewegung bleibt, bleibt es spannend.“

    Das gilt auch für Johannes Först. Der 46-jährige Theologe ist in Forchheim geboren und in Höchstadt an der Aisch aufgewachsen. Er studierte Theologie an der Universität Bamberg und promovierte an der Universität Tübingen. Nach verschiedenen Stationen, unter anderem für seine Habilitation in Bamberg, zog Först mit seiner Frau und seinen drei Kindern in die Niederlande. Dort arbeitete er als Professor für Practical Theology an der Tilburg School of Catholic Theology. „Die Vorlesungen fanden alle auf Niederländisch statt, also habe ich erst einmal Niederländisch gelernt“, erzählt er. Einige Promovenden aus den Niederlanden betreut Först weiter. „Dadurch wird es auch noch Kontakte nach Tilburg geben, das finde ich gut.“

    Christentum als Lebensform

    An der Universität Würzburg ist Först verantwortlich für die Forschung und Lehre in der Pastoraltheologie und Homiletik. „In meinen Vorlesungen werde ich aktuelle Bezüge zwischen Kirche und Welt in den Blick nehmen und den Studierenden aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen aus dem Blickwinkel des christlichen Glaubens erklären“, sagt der Professor. Er schaue aber auch darauf, wie Christentum als Lebensform gelingen könne oder wie das Christentum dazu beitragen könne, zu einer guten Lebensform zu finden.

    Dem wird Johannes Först auch in seiner Forschung nachgehen. „Ich möchte moderne Lebensformen und das Christentum in ihren Beziehungen verstehen und empirisch, perspektivisch und theologisch-hermeneutisch schauen, wie Christentum zukünftig aussehen könnte“, sagt er. Seinen Kontakt zum Bistum Würzburg möchte er auf- und ausbauen. „Ich möchte Kirche wissenschaftlich begleiten, bei Problemen und Herausforderungen, die aktuell bestehen.“ 

     

     


     

    Österreichische Pastoraltagung am 11.1.2018 in Salzburg

    (Würzburger Theologe Först eröffnet Österreichische Pastoraltagung in Salzburg/St.Virgil mit Appell zur Abkehr permanenter Kirchenkrisendiagnose im Sinne von "nur noch..." und "nicht mehr" - Gott auch in säkularer Lebenswelt: "Es liegt an uns, ihn zu finden" [Text u. Foto: Österr. Pastoraltagung])

     

    In Seelsorge Gelegenheiten nutzen statt Krise beschwören

    Im Leben jedes Menschen bieten grundlegende existenzielle Erfahrungen wie Geburt und Tod, Krisen und Krankheit Ansatzpunkte für Seelsorge; solche Anlässe gelte es für eine "okkasionale Pastoral" zu nutzen statt sich in permanenter Kirchenkrisendiagnostik zu verlieren. Dazu rief der Würzburger Pastoraltheologe Johannes Först im Eröffnungsvortrag der diesjährigen Österreichischen Pastoraltagung im Salzburger Bildungszentrum St. Virgil die rund 320 Teilnehmer auf. Wer im Blick auf Kirche und Glaubensleben ständig "nur noch..." und "nicht mehr" sagt - "eine kommunikationstheoretische Katastrophe!" -, verpasse Chancen zur Weitergabe des auch in der Säkularisierung relevanten Gottes, so Först.

    Das Plädoyer des deutschen Theologen für eine "Pastoral existenzieller Herausforderungen" verfolgten am Donnerstag rund 320 Teilnehmende mit, darunter die Bischöfe Franz Lackner (Salzburg), Alois Schwarz (Gurk), Wilhelm Krautwaschl (Graz) und Manfred Scheuer (Linz), weiters Altbischof Maximilian Aichern (Linz) und der Generalsekretär der Bischofskonferenz, Peter Schipka. Thema der größten, bis Samstag andauernden Seelsorge-Fortbildungsveranstaltung in Österreich, ist diesmal "Der Hoffnung Räume öffnen".

    Die Geburt eines Kindes habe für jedes Elternpaar "existenzielle Wucht", der Tod eines geliebten Menschen löse Fragen aus wie "Kann das alles gewesen sein?", wies Först hin. Es sei schlichtweg falsch, dem Wunsch nach kirchlicher Präsenz bei solchen Lebenswenden, der auch bei sonst Kirchendistanzierten aufkommt, mit Abwertungen zu begegnen wie "Die wollen ja nur ein schönes Fest" oder eine liturgische Verbrämung. "Hier geht es um viel mehr", hielt Först fest.

    Menschen sind transzendenzoffen

    Und den Grund dafür sieht der Theologe in der Anthropologie, näherhin einer grundlegenden Transzendenzoffenheit des Menschen, der sich als einziges Lebewesen seiner Endlichkeit bewusst ist. Nicht umsonst habe der große Theologe Karl Rahner formuliert: "Aber eigentlich existiert der Mensch nur, wo er wenigstens als Frage, wenigstens als verneinende Frage 'Gott' sagt." Das bestätige der US-amerikanische Psychoanalytiker und Schriftsteller ("Und Nietzsche weinte") Irvin D. Yalom, wenn er das Menschsein im "Bewusstsein der letzten Angelegenheiten" verorte und die Auseinandersetzung mit der eigenen Sterblichkeit als "schmerzhaft, aber heilsam" beschreibe.

    Freilich sei Erlebbarkeit und existenzielle Relevanz heute das wichtigste Qualitätskriterium von Religion, abgehobene Lehrsätze, die erst auf die Lebenspraxis "herunterzubrechen" seien, sind laut Först obsolet. Der Glaube dürfe heutzutage nicht "formelhaft" begegnen, er müsse konkret und spürbar werden.

    Leichter als in "XXX-Large-Pfarren", die in Reaktion auf den Priestermangel zunehmend gebildet werden, kann das nach Einschätzung des Pastoraltheologen in kleinen Gemeinden, die neben der Kompetenz des Priesters auch auf jene von Laienmitarbeitern setzen. Först sähe hier, wie er in der Diskussion sagte, auch einen Ansatzpunkt für ein ausdifferenziertes Amtsverständnis in der Kirche, das auch die Begabungen von Pfarrgemeinderatsmitgliedern oder Pastoralassistentinnen stärker wahrnimmt.

    Von einer "Gotteskrise" in der gegenwärtigen Gesellschaft wollte der Referent nichts wissen. Der Gott der Exoduserzählung, der befreit und rettet, sei auch in der säkularen Lebenswirklichkeit präsent: "Es liegt an uns, ihn zu finden."

    Schwarz: Seid "Türöffner für Hoffnungsräume"

    Der in der Bischofskonferenz für das veranstaltende Österreichische Pastoralinstitut (ÖPI) zuständige Kärntner Bischof Schwarz nahm in der liturgischen Eröffnung auf das zentrale Tagungsthema Hoffnung als menschliches Konstitutivum Bezug. Der Philosoph Ernst Bloch habe nach dem Weltkrieg dieses "Prinzip" ebenso beschworen wie das Zweite Vatikanische Konzil mit dem so gar nicht geplanten und vorbereiteten "Hoffnungsdokument" "Gaudium et spes". Und auch die beiden letzten Päpste hätten um die zentrale Bedeutung der Hoffnung gewusst, so Schwarz: Benedikt XVI. setzte in einer Enzyklika Glaube mit Hoffnung gleich, Franziskus habe in der ihm eigenen bildhaften Sprache gemeint: "Hoffnung ist nichts für Menschen mit vollem Magen", sondern - so die Deutung des Kärntner Bischofs - für solche, die Sehnsüchte haben und "noch zu träumen wagen". Die Teilnehmer der Pastoraltagung rief Schwarz auf, als "Türöffner für neue Hoffnungsräume" zu fungieren.

    Als Referenten sind bei der noch bis 13. Jänner währenden Pastoraltagung u.a. die Direktorin des Katholischen Bibelwerks Österreich, Elisabeth Birnbaum ("Hoffnung in der Bibel"), der Bioethiker und Moraltheologe Matthias Beck ("Hoffnung - eine Tugend für den aufgeklärten Menschen?") und der Weihbischof von Erfurt, Reinhard Hauke, im Einsatz: Letzterer berichtet über "innovative liturgische Projekte", die sich auch an Nichtchristen richten.

    Ein methodisches Novum der Pastoraltagung 2018 sind "Ateliers" zu ausgewählten Themenbereichen: Schwerpunkte sind Hoffnungsräume in gesellschaftlichen Brennpunkten, die Schöpfung als "Welt ist voller Lösungen", das Alter sowie der Hoffnungsraum "missionarische Kirche". Dabei begleiten Fachleute wie die Politologin Margit Appel, der Caritas-Flüchtlingsexperte Rainald Tippow, Moraltheologe Michael Rosenberger und Pastoraltheologin Hildegard Wustmans. (Quelle/Info: www.pastoral.at/pastoraltagung)

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