piwik-script

Intern
    Katholisch-Theologische Fakultät

    Radulfus Ardens und sein Speculum universale - Zugänge zum Denken des Mittelalters

    31.03.2021

    Neue Publikation von Prof. Dr. Stephan Ernst erschienen

    Im November 2020 konnte – gefördert durch die DFG – am Lehrstuhl „Theologische Ethik – Moraltheologie“ der 2. Band der kritischen Edition des Speculum universale des Radulfus Ardens (gest. um 1200) erscheinen. Nun folgt in der Reihe „Zugänge zum Denken des Mittelalters“ eine Einführung in das Werk des Radulfus.

    Nach Einleitungsfragen zum Text des Speculum universale und einer Überprüfung der gängigen Angaben zur Biographie seines Autors, gibt das Buch – immer vor dem Hintergrund der zeitgenössischen Entwicklungen in Theologie und Ethik – einen kompakten Überblick über die zentralen Themen dieser umfassendsten und differenziertesten systematischen Gesamtdarstellung der theologischen Ethik im 12. Jahrhundert. Zunächst werden das Wissenschaftsverständnis, das Radulfus seinem Werk zu Grunde legt, und sein Bemühen um vollständige Erfassung des Stoffs dargestellt. Es folgt eine Erläuterung der ethischen Grundbegriffe Gut und Böse, wobei für Radulfus gerade die differenzierende Abwägung von besser und schlechter eine zentrale Rolle spielt.

    Anschließend wird seine Konzeption von Tugend und Laster sowie seine moralpsychologische Analyse ihrer Entstehung in der Seele des Menschen, einschließlich der dabei förderlichen und hinderlichen Bedingungen, dargestellt. Radulfus bezieht hier das Wissen seiner Zeit um die Eigenwirklichkeit des Menschen mit ein und erweist sich als Kenner der menschlichen Psyche. Erstmals im 12. Jahrhundert integriert Radulfus in den Rahmen einer Tugendethik eine ausführliche Lehre der Seelenkräfte, die als Grundlage für die Systematik der anschließend entfalteten Einzeltugenden dient.

    Bemerkenswert ist seine einzigartige und völlig eigenständige – vor der vollständigen Rezeption der Nikomachischen Ethik im 13. Jahrhundert noch mögliche – Lehre von den Komplementärtugenden, wonach nicht nur eine Tugend in der Mitte zwischen zwei Lastern steht, sondern jeweils zwei sich ergänzende und ermöglichende Tugend, eine Konzeption, die er dann durchgängig in der Entfaltung seiner speziellen Tugendlehre konsequent anwendet. Letztlich geht es ihm darum, eine innere Balance der ambivalenten und sich widerstreitenden Anteile und Strebungen im Menschen zu finden.

    Zurück