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    Katholisch-Theologische Fakultät

    Frühwald: Europäischer Islam ist „Lebensnotwendigkeit Europas“

    05.02.2010

    Früherer Präsident der DFG und der Humboldt-Stiftung sprach im Rahmen der Ringvorlesung zum Thema "Theologie im Spannungsfeld von Universität und Gesellschaft heute"

    v.l.n.r. Bischof em. Dr. Paul-Werner Scheele, Dekan Prof. Garhammer, Prof. Frühwald, Bischof Dr. Friedhelm Hofmann (Foto: A. Schilling)

    In der Debatte um den Aufbau von Islam-Instituten und die Imam-Ausbildung an deutschen Universitäten hat der ehemalige Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Wolfgang Frühwald, die Etablierung einer islamischen Theologie an deutschen Universitäten ausdrücklich begrüßt. Dies wäre ein Integrationsschritt, „der die von beiden Seiten betriebene oder zumindest geduldete Ghettoisierung der Muslime in Deutschland endlich wirklich aufbrechen könnte“, sagte Frühwald in seinem Vortrag im Rahmen der Ringvorlesung "Was treibt die Theologie" am 4. Februar.
     
    Wichtiger Schritt in Richtung eines europäischen Islam

    Frühwald äußerte sich jedoch zurückhaltend über die Erfolgsaussichten eines solchen Projektes, das er als „fast utopisch“ bezeichnete. Weder kenne der Islam eine kirchliche Verfassung noch sei absehbar, wie innerhalb seiner unterschiedlichen Gruppen und Formen ein möglicher Vertragspartner des Staates gefunden werde könne. Mit der Integration islamischer Theologie an europäischen Universitäten werde dieses Problem zwar nicht gelöst, aber endlich als gesellschaftliches Bedürfnis ersten Ranges sichtbar gemacht.

    Die Etablierung einer bekenntnisgebundenen islamischen Theologie an deutschen Universitäten und die ihr folgende Einführung eines islamischen Religionsunterrichts an staatlichen Schulen wäre nach Ansicht Frühwalds ein großer Schritt in Richtung eines europäischen Islam. Dessen Entwicklung nannte er „eine Lebensnotwendigkeit Europas, an der wir um der gemeinsamen Zukunft in der globalen und multikulturellen Welt willen interessiert sein müssen.“

    Theologische Fakultäten kein Steinbruch

    Frühwald warnte zugleich davor, dass die notwendige Integration islamischer Theologie an deutschen Universitäten zu Lasten der christlichen Theologie erfolgen könnte. Wer christliche theologische Fakultäten als einen „Steinbruch“ betrachte, „aus dem beliebig und planlos Stellen und Mittel abgezogen werden können, um anderswo aufgetretene Löcher zu stopfen“, zerstöre nicht nur ein gesellschaftlich bedeutsames Fach, sondern auch die Basis der modernen Universität.

    Gedächtniskultur als Aufgabe heutiger Theologie

    Zentrales Thema von Frühwalds Vortrag war die Bedeutung christlicher Theologie für Gesellschaft und Wissenschaft heute. Die zunehmende Ökonomisierung der Welt, so Frühwald, erliege dem Irrglauben einer vollständigen wissenschaftlichen Erklärbarkeit der Welt. Die Folge sei ein „Trend zur kulturellen Nivellierung“, der letztlich das freiheitliche Fundament der Gesellschaft gefährde.  

    Der christlichen Theologie komme in diesem Kontext die Aufgabe zu, „der geschichts- und gedächtnislosen Moderne ihr scheinbar an Maschinen delegiertes kulturelles Gedächtnis zurückzugeben“. Theologie heute stehe vor der Aufgabe, „eine Gedächtniskultur zu erzeugen und zu bewahren, die Kontinuität schenkt“, so der langjährige Präsident der Humboldt-Stiftung. Voraussetzung dafür sei ein Strukturdialog der Theologie mit der von Naturwissenschaften und Ökonomie geprägten Welt.

    Würzburger Missionswissenschaft als Chance

    In seinem Schlusswort verwies der Dekan der Katholisch-Theologischen Fakultät, Professor Erich Garhammer, auf die jüngsten Empfehlungen des Wissenschaftsrats, der ausdrücklich die Profilbildung der theologischen Fakultäten anmahne. Ein Beispiel dafür sei die Missionswissenschaft, die als Lehrstuhl für außereuropäische Theologien ganz neue Bedeutung bekommen könne. Gerade diese oft als Randprofessuren bezeichneten Fächer seien für die Kooperation mit anderen Disziplinen hervorragend geeignet. Leider, so der Wissenschaftsrat, nähmen Hochschulleitungen die theologischen Fakultäten oft nur begrenzt als Partner für die gesamtuniversitäre Strategieplanung wahr. Auf diesem Hintergrund formulierte der Dekan an den anwesenden Bischof Dr. Friedhelm Hofmann, die Hochschulleitung sowie an die Stifter der an der Würzburger Fakultät geplanten Professur „Missionswissenschaft und Dialog der Religionen“ den Wunsch, bald zu einem zukunftsfähigen Ergebnis zu kommen.


    Von CE

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