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    Katholisch-Theologische Fakultät

    Zurück in den Alltag

    21.03.2013

    Professor Dr. Barbara Schmitz hält im Kiliansdom Fastenpredigt zum Thema „…der gesprochen hat durch die Propheten“

    Das Zerrbild eines rachsüchtigen und bösen Gottes des Alten Testaments ist falsch. Vielmehr offenbare sich Gott in diesen Texten als „ein die Menschen liebender, sie gütig annehmender Gott, ein Gott, der Gerechtigkeit liebt.“ Das hat Professor Dr. Barbara Schmitz, Inhaberin des Würzburger Lehrstuhls für Altes Testament und biblisch-orientalische Sprachen, in ihrer Fastenpredigt betont. Im Würzburger Kiliansdom sprach sie unter der Überschrift „…der gesprochen hat durch die Propheten“.

    Besonders beleuchtete Schmitz die biblische Erzählung über den Propheten Elija. Ausgebrannt geht er in die Wüste hinein und will sterben. Als er unter einem Ginsterstrauch liegt, vernimmt er einen Boten, der sagt: „Steht auf, iss!“ Er isst und trinkt – „ohne zu fragen, wer zu ihm gesprochen hat und woher die unerwartete, aber überlebensnotwendige Stärkung kommt“. Beim zweiten Aufruf stärkt Elija sich erneut, macht sich dann aber auf den Weg zum Berg Horeb, also dem Sinai. „Elija will das selbst am Sinai erleben, was Mose erfahren hat: Gott ist an Mose vorbeigezogen. Nach dieser geradezu körperlichen Gotteserfahrung hat Gott sich Mose anschließend in einzigartiger Weise im Wort offenbart“, sagte Schmitz.

    Was Elija am Gottesberg widerfährt, ist anders als bei Mose. „Gott ist nicht da. Nicht im Wind, nicht im Erdbeben, nicht im Feuer.“ In keinem der drei Phänomene, die das Erscheinen Gottes an anderer Stelle begleiten, zeigt er sich. Dafür kommt ein viertes: „die Stimme einer feinen Stille“, wie die Wissenschaftlerin den hebräischen Originaltext übersetzt. „Solche paradoxe Beschreibungen werden in der biblischen Literatur häufig dann verwendet, wenn man etwas beschreiben möchte, was nicht zu beschreiben ist, wo die Sprache und mit ihr die Vorstellungskraft versagt.“ Anschließend weist Gott im Bibeltext Elija an, aus der Stille der Wüste zurückzugehen „in den lauten, hektischen, politisch aufgeheizten Alltag“.

    Für Schmitz zeigt die biblische Geschichte des Elija drei wesentliche Gotteserfahrungen auf: „Hilfe und Unterstützung kann auf einmal da sein, auch dann, wenn Gott gar nicht danach gefragt wurde und seine Hilfe nicht erwartet wurde.“ Es komme mitunter auch vor, dass man nicht bemerke, wenn sich gerade etwas Wunderbares ereigne „wie Wasser und Brot, Stärkung in der Wüste“.

    Zweitens bezeichnete sie es als ganz legitimes Bedürfnis, Gott erfahren zu wollen. „Es kann aber sein, dass Gott sich bewusst entzieht und nicht zu erkennen gibt. Und das kann gerade an den Orten passieren, wo wir Gott eigentlich erwarten und wo wir ihn vielleicht schon einmal erfahren haben“, erklärte Schmitz. Diese Erfahrung sei hart und unerbittlich. Eine dritte Erfahrung sei es, dahin zurück geschickt zu werden, woher man geflohen sei. „Geh zurück in deinen Alltag. Dort ist dein Platz!“

     (Text: POW Pressedienst Nr. 11, 13.03.13)

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