Intern
Katholisch-Theologische Fakultät

Prof. Dr. Dr. Gerhard Droesser verstorben

18.05.2026

Nachruf der Katholisch-Theologischen Fakultät

Prof. Dr. Dr. Gerhard Droesser bei seiner Abschiedsvorlesung 2015

 

Die Katholisch-Theologische Fakultät
der Julius-Maximilians-Universität Würzburg
trauert um

Prof. Dr. Dr. Gerhard Droesser

geboren am 6. Dezember 1948
gestorben am 3. Mai 2026

 

Gerhard Droesser wurde am 6. Dezember 1948 in Augsburg geboren. Nach einem Studium der Germanistik, Geschichte und Philosophie von 1968 bis 1974 an der Ludwig-Maximilians-Universität München begann er dort auch seine Promotionsstudien. Mit der Dissertationsschrift „Konstruktion und Rekonstruktion. Über den Zusammenhang von geschichtlichem Handeln und historischem Verstehen“ wurde er 1977 zum Dr. phil. promoviert. Von 1978 bis 1981 studierte Droesser dann Katholische Theologie an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen. Seine Diplomarbeit zum Thema „Ernst Troeltsch. Theologie unter den Bedingungen des Historismus“ verfasste er bei Prof. Dr. Walter Kasper, dem späteren Kurienkardinal und Präsidenten des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen. An der Universität Tübingen erfolgten 1988 auch die Promotion zum Dr. theol. aufgrund der Dissertationsschrift „Freiheitspraxis im Prozess. Zur geschichtsanthropologischen Grundlegung einer Theologie des Ethischen“ sowie 1989 die Habilitation aufgrund der Studie „Die Ethoskonsequenz der Religion“.

In den folgenden Jahren nahm Droesser nach einer kurzen pastoralen Tätigkeit verschiedene Lehraufträge und Lehrstuhlvertretungen wahr, bevor er 1996 den Ruf auf den Lehrstuhl für Christliche Sozialwissenschaft an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg erhielt, den er bis 2014 innehatte. Nach dem Ende seiner regulären Dienstzeit übernahm er ebendort für ein weiteres Jahr eine Seniorprofessur, bis er 2015 endgültig in den Ruhestand trat. Droesser war mehrfach Vorstand des Instituts für Praktische Theologie sowie zweimal, von 1999 bis 2001 und von 2005 bis 2007, Dekan der Katholisch-Theologischen Fakultät. Ein besonderes Anliegen war ihm, der selbst oft in französischen und spanischen Bibliotheken arbeitete, über viele Jahre der Ausbau der Erasmus-Partnerschaften und die Werbung für das Programm. Zahlreiche vor allem afrikanische Promovierende fanden in ihm einen klugen, verständnisvollen Ratgeber.

In seiner Forschung bearbeitete Droesser zentrale aktuelle Fragestellungen im Schnittfeld von Identität,  Freiheit, Institutionen und Demokratie aus christlich-sozialethischer Perspektive. Er war als akademischer Forscher und Lehrer ein wacher und im besten Sinn ruheloser Geist, der sich mit dem Stand der Wissenschaft und der eigenen Erkenntnis nie zufriedengeben wollte. Stets aufs Neue stellte er sich der Aufgabe, den Gegenstand seines Faches vertiefend zu erfassen – um sowohl das Wissen um das Verstehen selbst wie auch um das zu Verstehende zu ergründen und weiterzugeben. Auswendig Gelerntes und schablonenhaftes Denken waren ihm zutiefst fremd. Stets ermutigte er dazu, sich seines Verstandes zu bedienen, um zu einem eigenen, gegründeten Standpunkt zu finden. Noch einmal richtungsweisend in diesem Sinn war seine Abschiedsvorlesung mit dem sprechenden Titel „Non Scholae!“.

Die Katholisch-Theologische Fakultät ist Prof. Dr. Dr. Gerhard Droesser für seinen engagierten Einsatz in Forschung und Lehre zu großem Dank verpflichtet. Wir verlieren mit ihm einen kenntnisreichen Wissenschaftler und Forscher sowie eine von Studierenden und Lehrenden gleichermaßen geschätzte Persönlichkeit.

Die Trauerfeier mit anschließender Urnenbeisetzung findet am 27.05.2026 um 14.15 Uhr auf dem Würzburger Hauptfriedhof (Martin-Luther-Straße 20, 97082 Würzburg) statt, das Requiem am selben Tag um 18.00 Uhr in St. Bruno (Steinbachtal 2A, 97082 Würzburg).

 

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