Band zwei des Speculum universale des Radulfus Ardens liegt vor
14.09.2026Der vorliegende Zweite Band einer Teilübersetzung des Speculum universale des Radulfus Ardens (gest. um 1200), der umfangreichsten theologischen Ethik des 12. Jahrhunderts, bietet einen Durchblick durch die in den Büchern VII bis XIV entfaltete spezielle Tugendlehre dieses Werks.
Die systematische Aufgliederung der einzelnen Tugenden mit ihren zahllosen Untertugenden übernimmt Radulfus Ardens nicht einfach von antiken Vorbildern, sondern begründet sie eigenständig in der Anthropologie, nämlich in den verschiedenen Fähigkeiten der Seele, die er in Buch I dargestellt hat. Eine in der Theologie- und Philosophiegeschichte singuläre Besonderheit des Speculum universale besteht darin, dass zu praktisch allen Haupttugenden, aber auch zu zahlreichen Untertugenden sog. Komplementärtugenden (virtutes collaterales) angeführt werden. Leitend ist die Einsicht, dass erst in der wechselseitigen ausbalancierten Mäßigung der Tugend und ihrer Komplementärtugend die Mitte zwischen zwei Lastern gewahrt werden kann.
Bereits 2017 war der Erste Band der Teilübersetzung aus den Büchern I und V des Speculum universale unter dem Titel „Radulfus Ardens, Wie entstehen Tugenden und Laster?“ erschienen (Lateinisch – Deutsch. Herausgegeben, übersetzt und eingeleitet von Stephan Ernst, HBPhMA Bd. 41). Die Textauswahl in diesem ersten Band konzentrierte sich auf die Allgemeine Tugendlehre des Speculum, auf die wissenschaftstheoretische Einordnung der Ethik, auf grundlegende ethische Begriffe sowie auf den Entstehungsprozess, in dem sich Tugenden und Laster ausgehend von den Gedanken und ersten Regungen der Seelenvermögen über die Zustimmung und die Gewöhnung entwickeln.
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