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Lehrstuhl für Liturgiewissenschaft

Heiligenverehrung: deutschsprachige Liturgiewissenschaftler tagten in Helfta

12.09.2010

Christliche Mystik, Volksfrömmigkeit, Spiritualität und die liturgietheologische Grundlegung der Heiligenverehrung wurden vom 6. bis 10. September in Helfta/Eisleben beleuchtet. Der Tagungsort in der Nähe des Geburtsortes von Martin Luther (Sachsen-Anhalt) wurde mit Bedacht gewählt. Er ist heute wieder geprägt von einem Zisterzienserinnenkonvent und steht in der Tradition der deutschen Frauenmystik: Mechtild von Magdeburg (1207-1282), Mechtild von Hakeborn (1231-1291) und Gertrud (die Große) von Helfta (1256-1302). Auf Einladung der Arbeitsgemeinschaft der katholischen LiturgiewissenschaftlerInnen e.V. beschäftigten sich rund 90 LiturgiewissenschaftlerInnen und Interessierte mit dem Forschungsfeld Heiligenverehrung zwischen tradierter religiöser Praxis und der säkularen Gesellschaft.

Prof. Dr. Saskia Wendel (Köln) setzte sich mit dem Verständnis christlicher Mystik und ihrer Bedeutung für die spirituelle Praxis auseinander. Liturgiehistorische Aspekte der Heiligenverehrung zwischen Liturgie und Volksfrömmigkeit beleuchtete Prof. Dr. Jürgen Bärsch (Eichstätt). Aus evangelischer Perspektive legte Prof. Dr. Corinna Dahlgrün die Bedeutung der Heiligen für den Glauben des einzelnen dar. Der Kirchengeschichtler Prof. Dr. Josef Pilvousek (Erfurt) gewährte Einblicke in die politische Bedeutung der Heiligenverehrung in der DDR während einer totalitären Diktatur. Eine theologische Umschau der Heiligenverehrung im Gegenwartsmedium Film leistete Prof. Dr. Reinhold Zwick (Münster).

In die liturgietheologischen Implikationen der Heiligenverehrung heute führte Prof. Dr. Martin Stuflesser (Würzburg) ein und fundierte deren Verehrung im Kontext der Rede vom Pascha-Mysterium. Mit dem römischen Direktorium über die Volksfrömmigkeit und Liturgie aus dem Jahr 2001 stellte Prof. Dr. Stefan Böntert (Bochum) die jüngsten lehramtlichen Äußerungen zur Heiligenverehrung vor und stellte sie zur liturgiewissenschaftlichen Diskussion. Einen methodologischen Beitrag lieferte Prof. Dr. Birgit Jeggle-Merz und zeigte die Heiligenverehrung in den Texturen gottesdienstlicher Feiern auf. Heiligenverehrung international beschrieb Prof. Dr. Susan Roll (Ottawa) und hob die interkulturelle Bedeutung des Themas hervor.

Neben einer Reihe weiterer Kurzvorträge bzw. Casestudies standen zwei Exkursionen in nahe gelegene alte Domstädte auf dem Programm: Merseburg und Halberstadt. Die Jahresversammlung der AKL wählte Prof. Dr. Benedikt Kranemann (Erfurt) für eine weitere Periode zu ihrem Vorsitzenden und Sprecher.

www.liturgiewissenschaft.de

Von Florian Kluger

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