Deutsch Intern
    Ostkirchliches Institut

    Geschichte der Ostkirchlichen Studien

    ZUR GESCHICHTE DER "OSTKIRCHLICHEN STUDIEN"

    Coelestin Patock OSA und Hannelore Tretter

    Als der Leiter des Ostkirchlichen Instituts, Prof. Dr. Hermenegild M. Biedermann OSA, 1952 die Zeitschrift "Ostkirchliche Studien" gründete, gab man ihr keine lange Lebenszeit. Zu abgelegen schienen im damaligen Nachkriegsdeutschland die Traditionen östlicher Kirchen, um entsprechend kundige Autoren, geschweige denn eine interessierte Leserschaft zu gewinnen.

    Doch das Wagnis gelang. Schon am 1. Heft beteiligten sich international renommierte Wissenschaftler und taten es auch in der Folgezeit. Es sei erlaubt, hier einige der "Altväter" zu nennen: A.M. Ammann SJ, W. Szylkarski, A. MicheL H.-G. Beck, W. de Vries SJ, I. Smolitsch, B. Schultze SJ, P. Ioannou, E. Hammerschmidt, J. v. Gardner, R. Stupperich, D. Savramis, H. Engberding OSB, K. Onasch.

    Drei Pfeiler waren es, auf denen die "Ostkirchlichen Studien" stehen sollten: Artikel - Rezensionen - Bibliographie. V.a. letztere erwies sich bald als wahre Fundgrube für die internationale Fachwelt, so daß die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) von 1956 bis 1997 einen nam­haften Druckkostenzuschuß gewährte. Dennoch war man weiterhin auf die Förderung durch die Deutsche Augustinerprovinz angewiesen, die von Anfang an geistig und finanziell hinter dem Projekt stand.

    Nach den ersten Mitarbeitern in Bibliographie und Redaktion u.a. Maria Bayer (f 2001) und P. Dr. Bernhard Plank OSA wurden dem Schriftleiter ab 1960 zwei ständige Assistenten, P. Coelestin Patock OSA und Hannelore Tretter, zur Seite gestellt; Stabilisierung trat ein mit festen Aufgabenbereichen. Nach 15 Jahren, in denen er andere Aufgaben im Orden wahrgenommen hatte, kehrte P. Bernhard Plank 1975 wieder ins Ostkirchliche Institut zurück, bis er 1998 krankheitsbedingt ausscheiden mußte. Von Anfang an bis zu ihrem Tode 1993 unterstützte uns die Sekretärin des Provinzialats, Emma Halbig (Sr. Philo) durch Schreibarbeiten (Manuskripte, Korrespondenz); seit 1989 erstellt Christel Schindler den hauseigenen Computersatz. Die Ostkirchlichen Studien erscheinen seit 1962 auf 384 Seiten mit Autorenregister. Von 1957-1989 gab es eine Zeitschriftenschau (H. Rohling) über das "Zurnal Moskovskoj Patriarchii", dazu kamen bald die bulgarische "Duchovna Kultura" und der serbische "Glasnik".

    Da die 1. Auflage der ersten Bände der Zeitschrift bald vergriffen war, konnte der Verlag A.M. Hakkert/Amsterdam gewonnen werden, die Jahrgänge 1-9/1952-1960 auf photomechanischem Wege neu zu verlegen.

    Einen Mangel an Beiträgen gab es nicht und sie erstreckten sich auf das gesamte theologische, geschichtliche wie geographische Gebiet der orientalischen und orthodoxen Kirchen. Bei mittlerweile (2006) über 700 Artikeln (eine Reihe davon noch mit Fortsetzungen) ist ein Eingehen auf einzelne unmöglich. Einige dürfen aber vielleicht doch genannt werden, z.B. ab 1960 eine Diskographie zum russischen Kirchengesang (J. v. Gardner); in den 1970er Jahren eine Serie über die russischen Altgläubigen (P. Dr. Johannes Chrysostomus OSB); ab 1967 immer wieder ausführliche Darstellungen der Hierarchen und Eparchien der ROK (P. Coelestin Patock OSA. - Für seine diesbezüglichen Forschungen erhielt er 1985 von der Universität Gießen die Ehrendoktorwürde). - Themenschwerpunkte, die eigentlich nicht vorgesehen waren, wurden Heft 3/4 (1981), Festgabe für H.M. Biedermann, das der Autokephalieproblematik (mit der sich der Jubilar besonders befaßte) gewidmet war, ferner sechs Doppelhefte der Jahre 2001-2006 mit den Referaten der Würzburger ökumenisch-ekklesiologischen Studientagungen, organisiert von Prof. Dr. Jakob Speigl, u.a. zum Problem der Doppelhierarchien aus orthodoxer, lutherischer und katholischer Perspektive.

    Natürlich schlugen sich auch die Aufbrüche nieder, die der westlichen Welt die Ostkirchen näher brachten: das 2. Vatikanische Konzil, der Beitritt östlicher Kirchen in den ÖRK, mannigfache bilaterale Kontakte und Kongresse, nicht zuletzt der offizielle theologische orthodox-katholische Dialog, die Vorbereitungen zum "Großen Konzil" der Orthodoxie, angefangen von den Rhodos-Konferenzen u.s.w. Sie alle waren wieder eine Bestätigung der Weitsicht über das Gründungswagnis hinaus. In der zusätzlichen Sparte "Dokumentation", aber auch in vielen Artikeln und Rezensionen der wachsenden Literatur wurden sie abgehandelt.

    Nach den ersten Pionieren wuchs eine zweite Generation junger Wissenschaftler heran, denen die Ostkirchlichen Studien eine Plattform bo­ten. Die guten Beziehungen des Ostkirchlichen Instituts auch zu den ent­sprechenden Lehrstühlen in Würzburg, Erlangen, Rom, Wien u.a., seine gut ausgestattete Bibliothek, die zu Forschungen einlud, ebneten qualifizierten Doktoranden diesen Weg. Immer wieder aber suchten auch internationale Autoren ihre Arbeiten bei uns publik zu machen: aus Westeuropa, Amerika, Indien, Australien - besonders erfreulich solche hinter dem "Eisernen Vorhang". Gerade diese sollten durch die Ostkirchlichen Studien gefördert werden, was allerdings zu Mehrarbeit der Redaktion führte, denn oft mangelte es ihnen am sprachlichen Ausdruck und - verständlicherweise - an den nötigen Quellen, die durch uns recherchiert und ergänzt werden mußten.

    International waren und sind bis heute die Autoren wie die Abonnenten der Zeitschrift. Es gibt einen Zeitschriftentausch mit 60 ähnlichen Institutionen, der Abonnentenkreis rekrutiert sich in etwa zu einem Drittel aus Deutschland, einem zweiten aus West- und Osteuropa und einem weiteren aus dem ferneren Osten (u.a. Indien, Japan, Australien) und USA/Kanada zusammen.

    Nach dem Tode von Prof. Biedermann im Jahr 1994 war die Weiterführung der "Ostkirchlichen Studien" ernsthaft bedroht, v.a. auch durch die Ungewißheit über die Existenz des Ostkirchlichen Instituts. Durch den Einsatz des Würzburger Bischofs, von Professoren und Politikern gelang 1999 die rechtliche Angliederung an die Universität Würzburg. Das Institut verblieb dabei in der Trägerschaft der Deutschen Augustinerprovinz; die Bayerische Bischofskonferenz trägt die Personalkosten und das bayerische Kultusministerium den Sach- und Bücheretat. Ein Gremium namhafter Universitätsprofessoren übernahm die Schriftleitung, die Mitarbeiter werden zur Verantwortung und Planung in regelmäßigen Redaktionssitzungen zusammengerufen. Die Reihe "Das Östliche Christentum" und die "Ostkirchlichen Studien" werden im Augustinus-Verlag publiziert, ab 2006 erscheinen sie beim Echter-Verlag Würzburg unter dem Namen "Augustinus-Verlag bei Echter".

    Seit 1996 verfügt das Institut über zwei neue kompetente wissen­schaftliche Fachkräfte, Carolina Lutzka und p.Martinos Petzolt. Sie bilden mit einer Reihe von Nachwuchsautoren - oft auch durch die Schriftleiter, Prof. Dr. Christian Hannick, Prof. Dr. Rudolf Prokschi und Prof. Dr. Ernst Chr. Suttner, vermittelt - sozusagen die dritte Generation seit 1952. Mit ihnen dürfen die "Ostkirchlichen Studien" - gewiß auch im Geiste ihres Begründers - doch hoffnungsvoll in die Zukunft gehen.