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Lehrstuhl für Liturgiewissenschaft

Neue Veröffentlichungen

Rückblick: Theologie im Dialog – Liturgiewissenschaft der Universität Würzburg auf dem 104. Deutschen Katholikentag

Katholikentag 2026 in Würzburg: Liturgiewerkstätten und experimentelle Gottesdienste

Als der 104. Deutsche Katholikentag vom 13.-17. Mai 2026 erstmals seit mehr als einem Jahrhundert wieder nach Würzburg zurückkehrte, wurde die Stadt zu einem Ort theologischer Reflexion, kirchlicher Begegnung und liturgischer Erneuerung. Unter dem Leitwort „Hab Mut, steh auf!“ (Mk 10,49) kamen mehrere Zehntausend Menschen zusammen, um über die Zukunft von Kirche und Gesellschaft nachzudenken.

Die Katholisch-Theologische Fakultät der Julius-Maximilians-Universität Würzburg leistete hierzu mit einem vielfältigen Programm einen wesentlichen Beitrag. Besonders der Lehrstuhl für Liturgiewissenschaft unter der Leitung von Prof. Dr. Martin Stuflesser setzte in enger Zusammenarbeit mit Dr. Markus Münzel (Referat Verkündigung und Liturgie des Bistums Würzburg) mit den Liturgiewerkstätten und Werkstattgottesdiensten einen markanten Akzent und machte, dem Leitwort der Universität Würzburg „Wissenschaft für die Gesellschaft!“ folgend, deutlich, wie Liturgiewissenschaft unmittelbar in den pastoralen und gesellschaftlichen Dialog hineinwirken kann.

Dabei beschränkte sich der Beitrag der Fakultät nicht auf wissenschaftliche Vorträge. Vielmehr wurde ein Programm entwickelt, das theologische Forschung, kirchliche Praxis und die Erfahrungen der Teilnehmer*innen miteinander verband. In Werkstätten, Podiumsgesprächen und liturgischen Feiern wurden aktuelle Fragen der Liturgie, der Theologie und des kirchlichen Lebens gemeinsam reflektiert. Dieses dialogische Format entsprach dem Anliegen des Katholikentags, Theologie nicht nur zu vermitteln, sondern gemeinsam zu gestalten.

Ein besonderer Erfolg war die außerordentlich hohe Resonanz auf die liturgischen Angebote. Alle Liturgiewerkstätten waren mit jeweils rund 120 Teilnehmer*innen voll besetzt und stießen auf sehr großes Interesse. Teilweise – wie bei der Liturgiewerkstatt mit dem Mainzer Bischof Peter Kohlgraf – mussten fast noch einmal so viele interessierte Teilnehmer*innen des Katholikentags aus Gründen der begrenzten Raumkapazität abgewiesen werden.

Auch die experimentellen Werkstattgottesdienste gehörten zu den prägenden Veranstaltungen des Programms. Sie eröffneten Räume, in denen liturgische Praxis und wissenschaftliche Reflexion unmittelbar miteinander verbunden wurden und neue Formen des Feierns gemeinsam erprobt werden konnten. Dieses neue Konzept verband die theologischen Diskussionen unmittelbar mit den anschließenden liturgischen Feiern und machte deutlich, dass Liturgie nicht bei der theoretischen Reflexion stehen bleiben darf, sondern konkrete Wirkung im Leben der Kirche und ihrer Gemeinden entfalten muss.

Das Programm der Liturgiewerkstätten griff zentrale Herausforderungen auf, mit denen Ekklesiologie und Liturgie gegenwärtig konfrontiert sind. Diskutiert wurden die Leitungsverantwortung von Laien in der Liturgie, die Frage nach liturgischen Räumen für kleiner werdende Gottesdienstgemeinden, die Bedeutung der Schöpfungsthematik in der Liturgie unter dem Titel „Klimabedacht feiern?“, die pastoralen Konsequenzen größer werdender Pfarreien im Workshop „Wenn die Kirche nicht mehr im Dorf bleibt – (Liturgisch) heimatlos in Großgemeinden?“ sowie die Chancen und Grenzen digitaler Entwicklungen in „Liturgie 4.0 – Zielgruppengottesdienste mit KI und Social Media“. Gemeinsam zeigten diese Werkstätten, dass liturgische Fragen heute weit über die Gestaltung einzelner Gottesdienste hinausreichen und Themen wie Nachhaltigkeit, Digitalisierung, Kirchenentwicklung und Partizipation umfassen.

Die Werkstätten waren bewusst dialogisch angelegt. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Mitarbeiter*innen aus dem pastoralen Dienst und die Teilnehmer*innen des Katholikentags selbst diskutierten gemeinsam aktuelle Fragestellungen und entwickelten Perspektiven für die liturgische Praxis. Gerade diese Verbindung von wissenschaftlicher Reflexion und praktischer Erfahrung machte den besonderen Charakter der Veranstaltungen aus und entsprach dem synodalen Grundgedanken des Katholikentags.

Ebenso innovativ waren die Werkstattgottesdienste, in denen liturgietheologische Fragestellungen nicht nur diskutiert, sondern im liturgischen Vollzug erprobt wurden. Der Gottesdienst „Getauft – und dann?“ stellte die gemeinsame Berufung aller Getauften und die liturgische Verantwortung der Laien in den Mittelpunkt. Mit „GreenUp – Gottesdienst mit Zukunft“ wurde die Verbindung von Schöpfungsverantwortung und liturgischem Feiern erfahrbar gemacht, wobei Rituale der Māori aus Neuseeland als liturgischer Impuls in die Feier einbezogen wurden. Der experimentelle Gottesdienst „Click & Pray“ unter der eindrucksvollen musikalischen Gestaltung von Luis Weiß („Kirchenraummusik“) setzte sich mit den Möglichkeiten digitaler Kommunikation und neuer liturgischer Ausdrucksformen auseinander. Diese Gottesdienste verstanden sich nicht als Alternativen zur liturgischen Tradition, sondern als theologisch reflektierte Experimentierräume, in denen aktuelle pastorale Fragen im Licht der liturgischen Tradition bearbeitet wurden.

Die Verbindung von Werkstatt und Gottesdienst stellte dabei eine Besonderheit des Würzburger Katholikentags dar. Die Themen der vorausgehenden Diskussionen wurden in den anschließenden liturgischen Feiern aufgegriffen und in rituelle Praxis übersetzt. Dadurch blieb die Auseinandersetzung nicht auf der Ebene theologischer Theorie stehen, sondern wurde im gemeinsamen Feiern erfahrbar. Liturgie wurde so selbst zum Ort theologischer Erkenntnis und pastoralen Lernens.

Gerade diese Verbindung von Forschung und Praxis kennzeichnet die Arbeit des Würzburger Lehrstuhls für Liturgiewissenschaft. Liturgie wird hier nicht ausschließlich historisch oder systematisch untersucht, sondern zugleich in ihrer pastoralen, kulturellen und gesellschaftlichen Bedeutung reflektiert. Der Katholikentag bot dafür ein ideales Forum, weil wissenschaftliche Erkenntnisse unmittelbar mit den Erfahrungen von Seelsorgerinnen und Seelsorgern, Ehrenamtlichen und Gläubigen ins Gespräch gebracht werden konnten.

Auch das übrige Programm der Katholisch-Theologischen Fakultät zeichnete sich durch einen ausgeprägt interdisziplinären Charakter aus. Fragen der ökologischen Verantwortung wurden gemeinsam von Liturgiewissenschaft und Christlicher Sozialethik behandelt, Diskussionen über Künstliche Intelligenz verbanden Theologie mit Bildungs- und Medienfragen, während Themen kirchlicher Macht und Verantwortung unterschiedliche theologische Disziplinen miteinander ins Gespräch brachten. Damit wurde deutlich, dass die Herausforderungen der Gegenwart nur im Zusammenwirken der theologischen Fächer angemessen beantwortet werden können.

Bemerkenswert war schließlich die Wahl des Formats der Werkstatt. Anders als klassische Vorträge lebt dieses Format von Beteiligung, Austausch und gemeinsamer Reflexion. Es entspricht damit einer synodalen Grundhaltung, in der Theologie nicht nur Wissen vermittelt, sondern Räume eröffnet, in denen Kirche gemeinsam lernt, fragt und Zukunft gestaltet. Gerade diese Offenheit machte die Veranstaltungen zu Orten intensiver Begegnung zwischen Universität, pastoraler Praxis und den Besucherinnen und Besuchern des Katholikentags.

Der Beitrag des Lehrstuhls für Liturgiewissenschaft zeigte eindrucksvoll, dass Liturgie weit mehr ist als die Feier bestehender Traditionen. Sie ist ein theologischer Lernort, an dem sich Fragen nach Schöpfungsverantwortung, Partizipation, Digitalisierung und kirchlicher Entwicklung konkret stellen und gemeinsam bearbeitet werden können. Die voll besetzten Liturgiewerkstätten und die gut besuchten Werkstattgottesdienste machten deutlich, dass das Interesse an einer wissenschaftlich fundierten und zugleich praxisnahen Liturgiewissenschaft groß ist.

Mit seinem Programm hat der Lehrstuhl für Liturgiewissenschaft – gemeinsam mit dem Referat Verkündigung und Liturgie des Bistums Würzburg – gezeigt, wie fruchtbar die Zusammenarbeit zwischen Universität und Diözese sein kann. Die Liturgiewerkstätten und Werkstattgottesdienste waren nicht nur ein erfolgreicher Beitrag zum Katholikentag, sondern auch ein überzeugendes Beispiel dafür, wie akademische Theologie, pastorale Erfahrung und liturgische Praxis einander bereichern können. Sie machten den Katholikentag zu einem Ort, an dem Liturgie nicht nur gefeiert, sondern zugleich reflektiert, weiterentwickelt und als lebendige Quelle kirchlicher Erneuerung erfahrbar wurde.

Für den nächsten Katholikentag, der für 2028 in Paderborn geplant ist, wäre zu wünschen, dass das Format der Liturgiewerkstätten, wie auch der experimentellen Gottesdienste auch dort eine Fortsetzung findet.

Joseph Grayland / Martin Stuflesser (07/2026)


Catholic Days: Die Katholikentage. Only in Germany?

From Ascension Thursday, May 14, to Sunday, May 17, the city of Würzburg was full of Catholics. The Catholic Days (Katholikentage) are a biennial gathering of thousands of people from across the German-speaking world and beyond. 

With hundreds of discussions, workshops, liturgies, and a Church Mile lined with tents representing organisations, movements, and groups promoting their particular “church perspective,” it is a huge undertaking that is rarely, if ever, seen elsewhere....

Lesen Sie den vollständigen Artikel bei Substack.

 

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Liturgie und Ekklesiologie: Reform des Gottesdienstes als Reform der Kirche

Welche Liturgie vermittelt welches Kirchenbild? Wenn Liturgie und Kirche in Wechselwirkung stehen, trägt die Liturgie möglicherweise zu all den Krisen bei, die die römisch-katholische Kirche derzeit erschüttern. Und umgekehrt: Beschädigt der Zustand der Kirche - Missbrauchs- und Finanzskandale, Vertuschung und Klerikalismus - nicht auch die Liturgie?

Vor dem Hintergrund dieses Spannungsverhältnisses erörtern die Autorinnen und Autoren eine Vielzahl relevanter Aspekte: Kirchenbilder in Literatur, Kirchenlied, bildender Kunst, Kirchenraumgestaltung und Medien; ekklesiologische Implikationen in liturgischen "Inszenierungen" und unterschwellig wirksame Machtverhältnisse im Gottesdienst. Aber auch die Impulse aus der Liturgie für eine Erneuerung der Kirche werden aufmerksam wahrgenommen. In welche Richtung und auf welches Ziel hin muss sich Liturgie verändern, und wie kann sie das angesichts des unbestreitbaren Plausibilitätsverlusts und ihrer Übernormierung?

Der Band dokumentiert die Tagung der Arbeitsgemeinschaft Katholischer Liturgiedozent*innen, die vom Lehrstuhl für Liturgiewissenschaft der Universität Würzburg organisiert und durchgeführt wurde, und die vom 29. August bis 2. September 2022 in Tagungshaus Himmelspforten in Würzburg stattgefunden hat. 

ISBN: 978-3-7917-3399-9

Preis: 54,00 €


Die Kirche auf dem Weg zur Einheit - Das gesungene Hochgebet des Katholikentages Stuttgart 2022

Im Wunsch eine möglichst partizipative Liturgie zu gestalten, wurde beim Schlussgottesdienst des Stuttgarter Katholikentags 2022 erstmals ein komplett gesungenes Hochgebet verwendet, das sich durch eine intensive Beteiligung der Gemeinde auszeichnet. Das hier vorgelegte Heft bietet das gesungene Hochgebet des Stuttgarter Katholikentags in einer gemeindetauglichen Form. Je nach den konkreten Möglichkeiten vor Ort bietet das Heft verschiedene Varianten: mit Kantor*in, Chor, Band.

ISBN: 978-3-7365-0484-4

Preis: 24,00 €


Großgottesdienste als Thema der Liturgiewissenschaft

Großgottesdienste mit ihrem speziellen Anlass und ihren vielen Mitfeiernden stellen in Vorbereitung und Durchführung für alle Beteiligten eine besondere Herausforderung dar, zumal dann, wenn sie medial übertragen werden. Diese Herausforderung gezielt als Gestaltungsaufgabe wahrzunehmen, lohnt aber für die Kirchen deshalb, weil sich hier Glaubensgemeinschaft weit über ansonsten meist viel engere Begrenzungen hinaus bilden und in eine große Öffentlichkeit hineinwirken kann.

Erstmals liegt hier ein Buch vor, das den entsprechenden Fragestellungen aus liturgiewissenschaftlicher Sicht nachgeht. Die Basis bilden dabei empirisch erhobene Rückmeldungen zu zwei Großgottesdiensten des 101. Katholikentags, der 2018 in Münster stattgefunden hat. Ausgehend von diesen Daten werden rezeptionsästhetische, liturgietheologische und -praktische Überlegungen dazu angestellt, wie solche außergewöhnlichen Liturgien auf Mitfeiernde vor Ort wirken bzw. idealiter wirken sollen, und welche Gestaltungsfaktoren dafür maßgeblich sind.
Weitere Zugänge zum Phänomen Großgottesdienste aus soziologischer, historischer und theologischer Perspektive ergänzen den Band.
 

ISBN: 978-3-402-24785-3

Preis: 29,00 €


Gottesdienst und Macht

Im Kontext des Synodalen Wegs initiierte die Liturgiekommission der Deutschen Bischofskonferenz im Oktober 2020 eine Fachtagung zum Thema Klerikalismus in der Liturgie, die pandemiebedingt online, aber mit einigen Hundert Teilnehmer*innen stattfand. Debatten und Ergebnisse werden hier dokumentiert. Im Blick sind Formen unangemessener Machtausübung und Herausstellung des priesterlichen Amtes, wie sie in der gottesdienstlichen Praxis vorkommen, aber auch Asymmetrien und Hierarchien, die durch die liturgischen Ordnungen selbst vorgesehen sind. Diese können, derart legitimiert, verschiedene Formen von Klerikalismus befördern. In vier großen Themenblöcken handeln Beiträge aus Theologie und Kulturwissenschaften über "Symbole der Macht und ihre Inszenierung", "Reden und Tun - Performanz des Gottesdienstes", die "Symbolik des Unterschieds" und über"Männer an der Macht - Liturgie und Geschlecht".

ISBN: 9783791732862

Preis: 24,95 €