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Lehrstuhl für Liturgiewissenschaft

"Ökumenischer Kirchentag war Hoffnungszeichen"

27.05.2010

Interview: Pfr.in Dr. Iris Kreile und Prof. Dr. Martin Stuflesser im Gespräch über ihren Eindruck vom Ökumenischen Kirchentag und zur Zukunft der Ökumene

Foto: Florian Kluger

Wie haben Sie den ÖKT erlebt? Was fanden Sie besonders eindrucksvoll?

Stuflesser: Der ÖKT war für mich ein wichtiges Hoffnungszeichen. Es war bewegend zu erleben, wie selbstverständlich evangelische Christen angesichts der Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche mit uns solidarisch waren, für uns und mit uns beteten, weil es doch um DIE Kirche Jesu Christi geht. Der ÖKT war kein „Halligalli“, sondern zeichnete sich durch eine große Ernsthaftigkeit aus, ja, was die Gottesdienste angeht würde ich sagen: durch eine große Frömmigkeit.

Kreile: Es war ein selbstverständliches Miteinander von Menschen unterschiedlicher christlicher Prägung spürbar. Auch das neue jüdische Zentrum am Jakobsplatz war beim ÖKT sehr aktiv und hat beispielsweise zum Mitfeiern eines Gottesdienstes zum Schabbat-Beginn in der neuen Synagoge eingeladen.

Was haben Sie in Sachen Ökumene gelernt?

Kreile: Dass Berührungsängste überwunden werden können wie beim Zeichen der Hoffnung, mit dem sich beim Eröffnungsgottesdienst auf der Theresienwiese auch Erzbischof Marx und Landesbischof Friedrich bezeichnet haben. Aufgefallen sind mir die vielfältigen Formen von Segenshandlungen. Eine ökumenische Theologie braucht demnach eine Theologie des Segens. 

Stuflesser: Allen Unkenrufen zum Trotz ist die Ökumene lebendig. Gerade die Beteiligung so vieler orthodoxer Christen oder auch von Christen aus Freikirchen war eine große Bereicherung. Insgesamt war eine Konzentration auf wesentliche Themen und Inhalte zu beobachten. Ganz zentral: Was bedeutet es für mich konkret als Christ in unserer Gesellschaft glaubwürdig zu leben?

Was erwarten Sie sich von der Ökumene der Zukunft?

Kreile: Das, was ich mir von Kirche überhaupt erwarte: Dass sie nahe an den Menschen bleibt, ihren Fragen und Zweifeln wie auch den Träumen und Visionen. Dass sie sich als weltumspannende Gemeinschaft der bedrohten Schöpfung annimmt und Umkehr aus zerstörerischen Strukturen und Beziehungen aufzeigt. Ich selbst möchte nicht nur auf große Lösungen wie ein gemeinsames Abendmahl warten, sondern konkret Ökumene im Kleinen vorantreiben. Da ich in der Religionslehrerausbildung tätig bin, denke ich an ökumenisches Lernen in Projekten und an die liturgische Gestaltung von Schulfesten.

Stuflesser: Wir durften erleben, dass uns viel mehr eint als trennt. Dennoch gilt es, sich nicht mit dem Erreichten genügsam zufrieden zu geben. Die noch fehlende Gemeinschaft bei Eucharistie und Abendmahl ist ein Stachel im Fleisch. Als Liturgiewissenschaftler werden wir versuchen noch stärker ökumenisch zu arbeiten. Daher wird im August 2013 die Societas Liturgica, eine weltweite Vereinigung von Liturgiewissenschaftlern aus allen christlichen Konfessionen, einen Kongress in Würzburg abhalten. Von dieser internationalen ökumenischen Begegnung erwarte ich mir wichtige Impulse für unsere gemeinsame Feier der Liturgie in der Zukunft.

Interview: Florian Kluger

Prof. Dr. Martin Stuflesser ist Lehrstuhlinhaber des Faches Liturgiewissenschaft an der Katholisch-Theologischen Fakultät Würzburg.

Dr. Iris Kreile ist als freigestellte evangelische Pfarrerin Lehrkraft für besondere Aufgaben am Institut für Evangelische Theologie der Philosophischen Fakultät II.

Von FK

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