Sexueller Missbrauch an Minderjährigen sowie schutz- oder Hilfebedürftigen Erwachsenen und dessen Begünstigung durch systemimmanente Strukturen und Machtkonstellationen im Bistum Würzburg (1945-2019)
Seit Frühjahr 2023 beschäftigt sich ein wissenschaftliches Forschungsprojekt an der Universität Würzburg mit sexualisierter Gewalt von Klerikern, Ordensleuten und Laien an Minderjährigen und schutzbefohlenen Erwachsenen im Bistum Würzburg seit 1945. Aus historischer Perspektive untersuchen wir in Erweiterung der bereits erschienenen juristischen Studie, wie es zur Ausübung von sexueller Gewalt durch Geistliche im Bistum Würzburg kommen konnte. Die Ergebnisse werden in Buchform veröffentlicht. Eine Einflussnahme auf die Forschung und die Publikation von Ergebnissen durch das Bistum Würzburg besteht nicht.
Zu den Forschungsfragen gehören:
- Wie hoch ist das Ausmaß sexualisierter Gewalthandlungen gegen Minderjährige und schutzbefohlene Erwachsene?
- Wie war der Umgang mit Beschuldigten und Betroffenen?
- Weshalb wurden Betroffene allein gelassen und erhielten keinen Schutz?
- Was verhindert(e) Aufklärung?
- Welche Rolle spielten Mittwissende in kirchlichen wie weltlichen Gremien und Institutionen?
- Was beeinflusste das Handeln von Verantwortungsträgern?
- Kam es zu Veränderungen im Umgang mit Beschuldigten oder Betroffenen von Seiten des Bistums und innerhalb der Gesellschaft?
Vorgehen:
Zur Beantwortung dieser Fragen sichten wir Akten des Bistums Würzburg und aus weiteren Archiven. Die Perspektive und die Erfahrungen von Betroffenen fanden in diese Quellen jedoch nur selten Eingang. Daher führen wir ebenso Interviews mit Betroffenen und Mitwissenden (etwa Eltern, Geschwister, Freundinnen und Freunden von Betroffenen, Mitarbeitenden des Bistums, Ehrenamtlichen und Gemeindemitgliedern durch.
Aufruf
Unverzichtbar für unsere Forschung sind die Berichte von Betroffenen und Mitwissenden über ihre Lebenswelt und ihre Erfahrungen mit der Institution Kirche.
Alle Informationen werden streng vertraulich behandelt und nur in anonymisierter Form nach mit Ihrer ausdrücklichen Erlaubnis für unsere Forschung verwendet.
Deshalb suchen wir Zeitzeuginnen und Zeitzeugen, die sexuelle Gewalt selbst erlebt haben oder davon Kenntnis erhielten – etwa Eltern, Geschwister, Freundinnen und Freunde von Betroffenen, Mitarbeitende des Bistums, Ehrenamtliche und Gemeindemitglieder). Nicht die Schwere der Tat ist für uns ausschlaggebend, sondern was Sie als sexuelle oder sexualisierte Handlungen einordnen.
Uns ist bewusst, dass Sie uns mit einem Gespräch großes Vertrauen entgegenbringen. Gemeinsam können wir klären, welche Form der Mitwirkung für Sie passend und möglich ist.
Flyer zum Download.
Falls Sie darüber nachdenken, mit uns sprechen zu wollen, freuen wir uns über eine Kontaktaufnahme. Sie können dies per Mail, postalisch oder telefonisch tun.
Prof. Dr. Dominik Burkard
Professor für Kirchengeschichte des Mittelalters und der Neuzeit an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Julius Maximilians-Universität Würzburg und Leiter des Forschungsprojekt.
Dr. Amelie Bieg
Seit 2023 Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt. Studium der Geschichte und Politikwissenschaft an der Universität Stuttgart, Promotion zu Katholischer Aufklärung und Staatskirchentum im Königreich Württemberg.
Dr. des. Christine Hartig
Seit 2026 Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt. Studium der Mittleren und Neueren Geschichte, Soziologie und Pädagogik Promotion zu Familie- und Generationsbeziehungen in deutsch-jüdischen Familien während des Nationalsozialismus. Weitere Forschungen zu Gewalterfahrungen von Minderjährigen in Institutionen.
Neuigkeiten aus dem Projekt
Teilnahme Bieg/Hartig an der Tagung des Schwerter Arbeitskreises für Katholizismusforschung vom 20.–22.11.2026 mit einem Vortrag zu: "Sexualisierte Gewalt von Priestern an Minderjährigen. Wechselbeziehungen zwischen Aufarbeitung, Katholitismus- und Zeitgeschichtsforschung"
Publikationen zum Thema
Dominik Burkard:
- Vertuschung – Verantwortung – Wiederverwendung? Weshalb sich einfache Antworten verbieten. Ein Beispiel aus dem Erzbistum Freiburg (1924-1936), in: Birgit ASCHMANN (Hg.), Katholische Dunkelräume. Die Kirche und der sexuelle Missbrauch, Paderborn u.a. 2022, 185-207 (digital: https://brill.com/view/book/edcoll/9783657791217/BP000018.xml).
- Kirchlicher Umgang mit sexuellem Missbrauch durch Kleriker. Fragen, Probleme und Überlegungen aus kirchenhistorischer Sicht, in: Clemens BRODKORB/Dominik BURKARD (Hg.), Neue Aspekte einer Geschichte des kirchlichen Lebens. Zum 10. Todestag von Erwin Gatz (1933-2011), Regensburg 2021, 283-331.
Christine Hartig:
- Publikationen zum Thema Sexuelle Gewalt von Priestern im Erzbistum Paderborn finden Sie hier.
