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    Katholisch-Theologische Fakultät

    Von Dan bis Beerscheba

    17.04.2010

    Sechste Exkursion des Lehrstuhls für Altes Testament führte 45 Studierende und Mitarbeiter nach Israel/Palästina

    Vom 27. Februar bis 13. März 2010 machten sich 33 Theologie- und acht Seniorenstudierende, zwei Mitarbeiterinnen der Fakultät und zwei Gäste nach Israel auf, um dort unter der Leitung und Organisation von Professor Dr. Theodor Seidl, Dr. Stephanie Ernst und Heidrun Leisner ein bibelwissenschaftlich-archäologisches und politisch-historisches Programm zu absolvieren.

    Die Exkursion hatte v.a. drei Schwerpunkte:

    • Die mittel- und spätbronzezeitlichen Zentren des 2. Jahrtausends in Palästina, die von Ägypten kontrolliert wurden.
    • Die eisenzeitlichen Tells, die für die Geschichte der Königreiche Israel und Juda von Bedeutung sind.Herodes der Große und seine Bauleistungen.
    • Herodes d.Gr. und seine Bauleistungen.

    Dem ersten Schwerpunkt waren in Galiläa die Besuche und Recherchen auf den bronzezeitlichen Tells von Hazor, Dan, Megiddo und Bet Shean gewidmet. Dazu kamen in der Schefela, fernab aller Touristenstraßen, die Begehungen von Tell Gezer und Tell Lakisch. Die  Südroute der Exkursion führte zum Tell Es-Sultan in Jericho und auf den Tell Arad im Negev. In die Periode des 2. Jahrtausends gehören auch noch die Kupferminen von Timna sowie das dortige ägyptische Hathorheiligtum und das midianitische Zeltheiligtum an den „Säulen Salomos“, dem südlichsten Punkt der Exkursion in unmittelbarer Nähe von Eilat.

    Für die Periode der beiden Monarchien Israel und Juda in der 1. Hälfte des 1. Jahrtausends, für ihre Geschichte und Kultur ergaben sich tiefe Einblicke beim Besuch der Tells von Dan, Arad, Hazor, Megiddo und vor allem in Lakisch, wo die Spuren der assyrischen (8.Jh.) und neubabylonischen (6.Jh.) Eroberungszüge, und damit des Endes der beiden Königreiche noch dramatisch greifbar sind.

    In Jerusalem war für diesen Schwerpunkt der Besuch in der Davidstadt, auf dem Südosthügel der Altstadt (Ophel), einschlägig. Die Gruppe erhielt Zutritt sowohl zu den klassischen Ausgrabungen Kathleen Kenyons und Lord Warrens; sie konnte den Warrenshaft durchsteigen und den Gichonkanal bis zum Schiloachteich durchwaten. 

    Auf  jeden Besucher Israels und Palästinas üben die Großbauten Herodes I. eine faszinierende Wirkung aus. Die Gruppe konnte von diesen immensen Bauleistungen in Augenschein nehmen: die Hafenanlagen von Caesarea Maritima, den Dreistufenpalst auf Massada, das Herodeion mit dem 2007 wiedergefundenen Herodesgrab und schließlich das gigantische Plateau des Jerusalemer Tempelplatzes mit seinen Bogenzugängen und dem erhaltenen herodianischen Mauerwerk am Tempelgelände  (u.a. auch an der „Klagemauer“).

    Weitere hellenistisch-römische Bauzeugnissen wurden in Bet Shean, Caesarea Maritima, Caesarea Philippi (Banias), Sepphoris sowie an den Bethesda-Teichen in Jerusalem besichtigt.

    Selbstverständlich gehörten auch die konstantinischen Basiliken der Geburts- und Grabeskirche zum Exkursionsprogramm.

    Dokumente der für Palästina und Jerusalem bedeutsamen Byzantinische Epoche stellten für die Gruppe außer den beiden genannten Basiliken der justinianische Cardo und die Reste der Maria-Nea-Kirche in der Jerusalem Altstadt dar.

    Trotz der fachlich bedingten Ausrichtung der Exkursion auf die kulturellen Zeugnisse der Bronze- und Eisenzeit erhielt die Gruppe gute Einblicke sowohl in die Kultur des frühen (Qumran und „Schrein des Buches“)  und mischnischen Judentums (Sepphoris, Tiberias) als auch bestimmter Spielarten der Kabbala in Safed. Einprägsam verlief die Begegnung mit den aktuellen Formen und Riten der heutigen jüdischen Destinationen in Jerusalem bei Bar-Mizwa-Feiern und der Sabbateröffnung an der „Klagemauer“.

    Die überwältigenden Monumente des frühen Islam auf dem Tempelplatz, Felsendom und El-Aqsa-Moschee, kann der nichtmoslemische Jerusalembesucher leider seit Jahren nur mehr von außen bewundern.

    Schließlich galt auch der Kreuzfahrerarchitektur des 10.-13.Jh. die Aufmerksamkeit: Die unterirdischen Säle und Gewölbe der Festung Akko und die noblen spätromanischen Formen der Jerusalemer St. Anna-Kirche repräsentieren diese Zeugnisse eines kurzen, aber düsteren Gastspiels europäischer Kunst und Kultur in Palästina.

    Außer den Denkmälern menschlicher Kultur war für die Teilnehmer der Exkursion, die größtenteils Erstreisende waren, das Kennenlernen und Erleben der Naturelemente in den „biblischen Landschaften“ von größtem Wert; dabei hinterließen Wüste und Gebirge, die bizarren Formationen um das Tote Meer, die Jordanquellen und das gerade frühlingsgrüne galiläische Bergland um den See Genesaret einen besonders nachhaltigen Eindruck.

    Am Anfang des Jerusalemaufenthalts stand der Besuch der Holocaustgedenkstätte Yad-wa-Shem: Das neu errichtete Dokumentationszentrum führt mit der Wucht multimedialen Einsatzes Wurzeln, Terror und Ende des menschenverachtenden Genozids der Nazis an den Juden vor Augen und hinterlässt beim Besucher tiefe Spuren.

    Die rundum gelungene Israelexkursion 2010 fand dankenswerter Weise finanzielle Unterstützung durch Exkursionsmittel der Katholisch-Theologischen Fakultät, durch den Unibund und die Diözese Würzburg; so blieben die Kosten für die Studierenden in einem noch erträglichen Rahmen.

    Ein ausführlicherer Bericht findet sich auf den Seiten des Lehrstuhls für Altes Testament und biblisch-orientalische Sprachen.

    Zu den Bildern (von oben nach unten, Fotos von Martina Tollkühn):

    • Toreingang Tel Dan
    • Gruppenbild
    • Hathortempel in Timna
    • 4-Kammer-Tor Tel Meggiddo
    • Hiskija-Tunnel in Jerusalem

    Weitere Bilder

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