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    Lehrstuhl für Religionspädagogik

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    Von Würzburger Theologen koordiniertes internationales Forschungsprojekt tagt zu Political Rights and Religion

    17.12.2015

    Was kann eine Gesellschaft heute zusammen halten? Mit Blick auf gegenwärtige Konflikte und Krisen wie der Flüchtlingsproblematik und dem internationalen Terrorismus gewinnt diese Frage zunehmend an Brisanz. Grundlegende Menschenrechte wie das Recht auf Asyl, die Versammlungsfreiheit und das Recht auf freie Meinungsäußerung geraten zunehmend unter Druck. Religionen und religiöse Institutionen sind hierbei oftmals direkt oder indirekt als Akteure beteiligt.

    Was kann eine Gesellschaft  heute zusammen halten? Mit Blick auf gegenwärtige Konflikte und Krisen wie der Flüchtlingsproblematik und dem internationalen Terrorismus gewinnt diese Frage zunehmend an Brisanz. Grundlegende Menschenrechte wie das Recht auf Asyl, die Versammlungsfreiheit und das Recht auf freie Meinungsäußerung geraten zunehmend unter Druck. Religionen und religiöse Institutionen sind hierbei oftmals direkt oder indirekt als Akteure beteiligt. Der Einladung des Würzburger Theologen, Professor Hans-Georg Ziebertz, diese Fragen zu diskutieren, folgten Soziologen, Juristen und Theologen aus 30 Ländern. (Fotos and Report here)

     

    Internationale Forschergruppe diskutiert ihre Ergebnisse

    Vom 9. bis zum 12. Dezember 2015 kam die vom Würzburger Lehrstuhl für Religionspädagogik koordinierte Forschergruppe „Religion and Human Rights“ an der Catholic University of Croatia in Zagreb zusammen, um Ergebnisse ihrer internationalen empirischen Studie zu diskutieren. Im Zentrum standen die Fragen: Welchen Stellenwert geben junge Menschen aus verschiedenen Ländern politischen Rechten? Wie beurteilen sie den Schutz ihrer politischen Rechte durch die demokratischen Institutionen in ihrem Land? Welchen Einfluss hat ihre Religiosität auf diese Einschätzungen?

    Die Tagung würde eröffnet mit eine länder-vergleichenden Analyse, die von Prof. Hans-Georg Ziebertz sowie seinen Mitarbeitern Susanne Döhnert und Alexander Unser von der Universität Würzburg vorgestellt wurde. Die Würzburger Forscher konnten darin aufzeigen, dass die Zustimmung zu Rechten von Flüchtlingen stark von gesellschaftlichen Bedingungen abhängt und sich bestimmte Individualmerkmale – wie etwa die Offenheit für andere Kulturen – unter diesen Bedingungen unterschiedlich auswirken. Menschen, die offen sind für andere Kulturen, brauchen zusätzlich stabile demokratische und ökonomische Verhältnisse, sodass sich ihre Offenheit in eine Zustimmung zu Flüchtlingsrechten wandeln kann – so das Ergebnis der Studie.

    Wie ambivalent die Rolle der Religionen mit Blick auf politische Menschenrechte sein kann, wurde in mehreren Vorträgen deutlich: Dr. Sahar Hamid von der Glyndŵr University in Wales etwa präsentierte Ergebnisse ihrer Forschung in Pakistan. Ein dort existierendes Blasphemiegesetz, das die Leugnung bestimmter religiöser Inhalte unter Strafe stellt, schränke massiv Menschenrechte wie etwa die Meinungsfreiheit ein und öffne einer Willkürjustiz Tür und Tor. Dass Religion auch zu einer treibenden Kraft der Menschenrechtspolitik werden kann, zeigte hingegen Prof. Dr. Jorge Manzi von der Catholic University of Chile. Während der Diktatur Augusto Pinochets, sei die katholische Kirche in Chile massiv für die Einhaltung von Menschenrechten eingetreten und habe dafür Anerkennung erfahren. Derzeit sei die Demokratie in Chile jedoch erneut geschwächt, da die Menschen zunehmend Vertrauen in politische und religiöse Institutionen verlieren. Gerade mit Blick auf den Schutz von Minderheiten fragte Manzi, wer heute wohl glaubwürdig für Menschenrechte eintreten könne.  

    Einen zunehmenden Vorbehalt gegenüber Religion im öffentlichen Raum stellte Dr. Pål Botvar vom Center for Church Research in Oslo fest. Jugendlichen aus Norwegen begegneten Religion in der Öffentlichkeit vermehrt mit Ablehnung. Als Motive identifizierte er eine zunehmende Angst vor fremden Religionen, aber auch die Einschätzung, dass Religion etwas Vormodernes, nicht mehr Zeitgemäßes sei. Wie eng diese Einschätzungen von Religion mit Einstellungen zu Flüchtlingen und ihren Menschenrechten zusammenhängen zeigten Dr. Carl Sterkens von der Radboud University Nijmegen, Dr. Francesco Zaccaria von der Apulian Theological Faculty und Prof. Dr. Francis-Vincent Anthony von der University Pontificia Salesiana sowohl für Italien als auch für Indien. Die Furcht vor fremden Religionen schlage sich etwa in einer Ablehnung des Rechts auf Asyl nieder, da die Flüchtlinge oftmals als Sicherheitsrisiko wahrgenommen würden.

    Die Ergebnisse der Tagung wurden einer breiteren Öffentlichkeit während eines Empfangs der Konrad-Adenauer-Stiftung in Zagreb zugänglich gemacht, die die Tagung maßgeblich finanzierte. Professor Hans-Georg Ziebertz sprach dort vor Gästen aus Politik und Gesellschaft über die Bedeutung der Menschenrechte für das Zusammenleben in einer pluralen Welt. Mit Verweis auf die Ergebnisse des Forschungsprojektes legte er da, dass kein ideologisches System und auch keine Religion heute mehr eine von allen zu akzeptierenden Grundlage des Zusammenlebens darstellen können. Was eine Gesellschaft heute zusammen halten könne, sei die Zustimmung zu grundlegenden Menschenrechte, die jeder und jedem qua Menschsein zukommen. Dafür brauche es aber die Unterstützung zivilgesellschaftlicher Kräfte, zu denen auch maßgeblich die Religionen gehörten.

     

    Internationales Projekt wird von Würzburg aus geleitet

    Prof. Dr. Dr. Hans-Georg Ziebertz, Inhaber des Lehrstuhls für Religionspädagogik an der Universität Würzburg ist Leiter und Initiator der internationalen Forschergruppe „Religion and Human Rights“. Am Projekt sind rund 30 Länder aus Europa, Afrika, Asien und Südamerika beteiligt (detaillierte Informationen finden sie unter: http://www.rhr.theologie.uni-wuerzburg.de/). Das Projekt hat eine Laufzeit bis 2019. In jährlichen Tagungen, die ein spezifisches menschenrechtsbezogenes Thema in den Blick nehmen, werden die Ergebnisse der Studie systematisch ausgewertet.

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