Publikationen
(Zum vollständigen Schriftenverzeichnis von Dominik Burkard)
Ökumenisches Bewusstsein im Katholizismus wird gemeinhin eng verknüpft mit dem 2. Vatikanischen Konzil und dessen Konstitution Unitatis redintegratio. Meist vergessen wird, dass die ersten ökumenischen „Gehversuche“ und ausschlaggebenden Impulse bis in die Zwischenkriegszeit zurückreichen. Eine wichtige Scharnierfunktion nahmen jedoch die 1950er-Jahre ein. Im Klima der Nachkriegszeit kam es an vielen Orten zu ökumenischen Gesprächen, die der Annäherung, dem Abbau von Vorurteilen und der Verständigung dienen sollten, aber auch den theologischen Diskurs über zentrale Fragen des christlichen Glaubens suchten. Neben einzelne Initiativen traten schon bald Institutionen und Strukturen, um das Gespräch zwischen den Konfessionen zu verstetigen.
Die Beiträge des Bandes thematisieren diesen „Aufbruch zur Wiedervereinigung“ der 1950er-Jahre. – Weitere Aufsätze behandeln einen bemerkenswerten Ulmer Stadtpfarrer am Vorabend der Reformation, liturgische Praktiken in Horb im ausgehenden 18. Jahrhundert, die Ordensgemeinschaften in der NS-Zeit sowie das Echo, welches das 2. Vatikanische Konzil in der Diözese Rottenburg fand.
Neuere Forschungsliteratur zur Kirchengeschichte bietet wie gewohnt der umfangreiche Rezensionsteil des Jahrbuchs.
1821 errichtete Papst Pius VII. die Oberrheinische Kirchenprovinz. Ihr 200-jähriges Bestehen gibt Anlass für einen vergleichenden Blick auf die schwierigen Anfänge und die wechselvolle Geschichte der Bistümer, die zu dieser Kirchenprovinz gehören (Freiburg, Mainz, Rottenburg-Stuttgart) oder bis 1929 dazuzählten (Fulda, Limburg). Institutionelle Entwicklungen, Pastoralkonzepte und -praxis, die Formierung eines sozial-karitativen Katholizismus sowie die Kirchenmusik werden in den Fokus genommen. Als vergleichende Außenperspektive dient das »preußische« Bistum Trier.
Er galt bei den deutschen Konzilsteilnehmern als Außenseiter: Heribert Schauf (1910-1988), Kanonist, seit 1960 Konsultor der das II. Vatikanische Konzil vorbereitenden „Theologischen Kommission“ und ab 1962 Konzilsperitus verschiedener Kommissionen, repräsentierte auf dem Konzil die „Römische Schule“.
Seine Eindrücke, Gespräche und Urteile hielt er in einem umfangreichen Tagebuch fest, das einen detaillierten Einblick „hinter die Kulissen“ gewährt. Schauf erscheint hier als scharf analysierender Denker, der das markant konservative Profil seiner am Germanikum herausgebildeten Theologie in die Konzilstexte einzubringen suchte. Es gelang ihm, wesentlichen Einfluss vor allem auf die Konstitutionen Lumen Gentium und Dei Verbum zu nehmen. Ebenso entschieden wie pragmatisch trat er aber auch für eine Straffung des Kirchenrechts ein. In seinen Auseinandersetzungen mit den Theologen Joseph Ratzinger, Hans Küng, Karl Rahner und Walter Kasper profilierte er sich als streitbarer Exponent einer klerikal-hierarchischen Kirchlichkeit.
Für den frühneuzeitlichen Fundamentalvorgang der Konfessionalisierung, die Normierung religiösen Wissens und die Ausprägung von Mentalitäten waren Katechismen zentral. Der „Catechismus Romanus“ und die Glaubenslehren des Petrus Canisius markieren den Beginn einer vielgestaltigen Entwicklung im Spannungsfeld der Interessen kirchlicher und staatlicher Autoritäten, von divergierenden Funktionsbestimmungen und Adressaten sowie pädagogisch-didaktischen Vorstellungen: Katechismusgeschichte ist ein Brennglas von Vereinheitlichungs- und Rezeptionsvorgängen und eine wichtige Quelle für religiöse „Lebenswirklichkeiten“.
Der Band vereinigt die Beiträge einer Studientagung zum Themenschwerpunkt, ergänzt um weitere Aufsätze zum 19. Jahrhundert. Ein umfangreicher Rezensionsteil schließt den Band ab.
Am 8. Mai 2021 jährte sich zum zehnten Mal der Todestag von Prälat Prof. Dr. Erwin Gatz (1933–2011). Als langjähriger Rektor des Campo Santo Teutonico und Direktor des Römischen Instituts der Görres-Gesellschaft schuf er ein publizistisches Werk von hohem wissenschaftlichem Wert und großer Nachhaltigkeit.
Aus Anlass seines Todestages war für Mai 2021 im römischen Collegio Teutonico eine Tagung geplant, die unter dem Titel „Neue Aspekte einer Geschichte des kirchlichen Lebens“ eines seiner zentralen Forschungsanliegen aufgreifen und weiterdenken wollte. Hier sollten Themen behandelt werden, die seinerzeit nur gestreift worden waren oder überhaupt noch nicht auf der Agenda kirchenhistorischer Forschung standen, weil sich die entsprechende Forschungsproblematik noch nicht oder nicht in dem Ausmaß wie heute stellte.
Die Tagung musste wegen der anhaltenden Pandemielage im Frühjahr 2021 abgesagt werden. Vorliegender Band bietet die für den Druck überarbeiteten Vorträge. Sie sind dem dankbaren Gedenken eines inspirierenden Kirchenhistorikers, begnadeten Wissenschaftsorganisators und nicht zuletzt Freundes gewidmet.
Neben Beiträgen etwa über „Amerikanische Priester am Campo Santo“ und „Studienkurse für Religionslehrer“, die zwischen 1959 und 1970 in Rom stattfanden, enthält der Band auch ganz aktuelle Bestandsaufnahmen über „Neuere Entwicklungen“ der Kirche in der Schweiz und in Österreich, Untersuchungen zum „Priesterbild“ und zum Thema „Macht und Frömmigkeit“ sowie Überlegungen zum „Umgang mit sexuellem Missbrauch durch Kleriker“ aus kirchenhistorischer Perspektive.
Siehe auch: https://www.youtube.com/watch?v=N4gZmPqFu20
Um Haltung und Verhalten des Freiburger Erzbischofs Conrad Gröber während der NS-Zeit entstanden in jüngster Zeit erneut kontroverse Diskussionen. Sie entzündeten sich vor allem an den Orten seines Lebens und Wirkens (Meßkirch, Konstanz, Freiburg) im Kontext von erinnerungspolitischen Initiativen, die den Entzug von Ehrenbürgerwürde und Umbenennung von Straßen zum Ziel haben. Die beiden Texte in diesem Band greifen spezifische Themen der aktuell um Conrad Gröber geführten Diskussion auf. Sie sind dem Anliegen verbunden, in einer politisch motivierten Debatte um die Würde Conrad Gröbers das historische Argument als Chance zu nehmen, noch einmal genauer hinzuschauen.
Einen Wendepunkt der katholischen Reformationsgeschichtsschreibung markiert das Erscheinen des zweibändigen Werkes „Die Reformation in Deutschland“ aus der Feder des Münsteraner Kirchenhistorikers Joseph Lortz im Jahr 1939/40. An dem Versuch, eine grundsätzlich positive Würdigung Luthers und ein gerechtes Verständnis der Reformation mit der dogmatischen „Korrektheit“ des katholischen Standpunkts zu vermitteln, entzündete sich in der Folge eine außergewöhnlich dichte und langanhaltende Diskussion quer durch alle Konfessionen. War das Werk selbst in aller Munde, so blieb den Augen der Öffentlichkeit die verwickelte Entstehungsgeschichte ebenso verborgen wie der Zwang der höheren (Kirchen-) Politik, unter dem das Werk bis 1962 stand.
Anhand der archivalischen Überlieferung, vor allem mit Hilfe des hier erstmals ausgewerteten Nachlasses von Lortz wird die spannende Entstehungs- und Rezeptionsgeschichte der „Reformation in Deutschland“ von ihrer ersten Auflage in der Zeit des Nationalsozialismus über die grundlegend veränderten Bedingungen der Nachkriegszeit bis hin zur vierten Auflage am Vorabend des Zweiten Vatikanischen Konzils rekonstruiert. Es eröffnen sich entlarvende Einblicke in das zähe Ringen mit der kirchlichen Zensur um ein Werk, das inmitten aller konfessionellen, weltanschaulichen und politischen Kontroversen zu einem fruchtbaren „Gespräch zwischen den Konfessionen“ beitrug.
Der Band eröffnet die zweite Sektion des Werkes „Katholische Theologie im Nationalsozialismus“, in der die theologischen Fachdisziplinen und ihre Vertreter fokussiert in den Blick genommen werden.
Durch die theoretischen Ideen wie durch die praktische Politik des Nationalsozialismus mussten sich die traditionellen katholischen Gesellschafts- und Moralvorstellungen in besonderer Weise herausgefordert sehen. Der totalitäre Anspruch von Staat und Partei, die Gleichschaltung nahezu aller Lebensbereiche, die Schmähung christlicher Wertvorstellungen als „schwächlich“ und die Propagierung eines germanischen Sittlichkeitsideals des „Rechts des Stärkeren“, nicht zuletzt die Forcierung eugenischer Maßnahmen zur „Volksgesundung“ und die Ingangsetzung der Euthanasiemorde bedeuteten eine offene Konfrontation mit den Werten des Christentums. Wie also reagierten katholische Moraltheologen und Sozialethiker? Inwieweit boten sie für die nationalsozialistische Weltanschauung und die Maßnahmen des Regimes einen „Echo-Raum“? Welche Fragen griffen sie auf und welche Antworten formulierten sie?
Im Zentrum des Bandes stehen 22 ausführliche bio-bibliographische Abhandlungen und 20 kürzere Skizzen zu den führenden deutschsprachigen Theologischen Ethikern jener Epoche. Daneben werden Sonderaspekte behandelt – etwa die Frage nach Thomas von Aquin als Autorität für das Recht des Staates auf Tötung oder die vatikanische Haltung zum „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“. Ein „Tableau der Fachvertreter“ sowie ein „Verzeichnis des moraltheologischen Fachangebots“ runden den Band ab.
Augustin Bea gehört zweifellos zu den prägendsten Persönlichkeiten der Kirche des 20. Jahrhunderts. Der Band versammelt 16 Beiträge zu Leben und Werk des Jesuitenkardinals. Sie befassen sich mit Herkunft, Wirken und Bedeutung Beas, zunächst im Dienst des Jesuitenordens als akademischer Lehrer im niederländischen Valkenburg und in Rom sowie als erster Provinzial der Oberdeutschen Ordensprovinz, dann im Dienst der Weltkirche als Mitglied der Päpstlichen Bibelkommission und Rektor des Päpstlichen Bibelinstituts, als Exeget im Spagat zwischen Tradition und Moderne, als Konsultor des Heiligen Offiziums (heute: Kongregation für die Glaubenslehre), als erster Leiter des durch Papst Johannes XXIII. errichteten Sekretariats für die Einheit der Christen und schließlich als „Schlüsselfigur“ auf dem II. Vatikanischen Konzil und für die Textgestaltung grundlegender Konzilsdokumente. Nicht zuletzt durch seinen Einsatz für den theologischen Dialog mit den anderen Kirchen und Religionen sowie durch die Überführung des Einheitssekretariats in eine ständige Einrichtung der römischen Kurie (heute: Päpstlicher Rat für die Förderung der Einheit der Christen) hat Bea entscheidend die Wege zur Öffnung der Kirche und ihrer durch das Konzil angestoßenen Reform bereitet.
Traditionelle Formen von Ehe und Familie sind mehr denn je vom gesellschaftlichen Wandel betroffen. Angesichts vielfältiger alternativer Lebensmodelle drängen sich Fragen auf: Hat sich „das“ christliche, katholische Modell des Zusammenlebens überlebt, weil es nicht mehr „passt“? Gilt es „nachzusteuern“, „anzupassen“, zu ergänzen, gar zu ersetzen? Und: Geht das überhaupt? Kann heute für wahr und richtig erklärt werden, was noch gestern als falsch erkannt war? Vertreter der unterschiedlichen theologischen Disziplinen sowie ein Jurist und ein Soziologe nehmen Stellung – weil es um Wesentliches geht.
Der Band präsentiert eine – einmalig zu nennende – Sammlung von „Malbriefen“ aus der Feder des Rottenburger Diözesanpriesters Josef Schuster. Es geht um Charaktere, Erfahrungen und Befindlichkeiten dreier Neupriester, die – 1932 geweiht – als Hilfsgeistliche auf ihnen zugewiesene Seelsorgsstellen „hinaus“ müssen und nun ihren je eigenen Weg zu finden haben.
Die Zeit der ersten praktischen Tätigkeit führt in die Anfangsjahre des Nationalsozialismus. Während Karl Hermann Schelkle einen ausgesprochen dornenreichen Weg ins akademische Lehramt geht, hat Josef Schuster mit den Problemen der Pfarrseelsorge zu kämpfen. Der Dritte des „Kleeblatts“ ist der Bekannteste: Hanssler geht früh einen Sonderweg, als Jugend- und später Studentenseelsorger, als Intellektueller und „Ästhet“, um schließlich als erster Leiter des Cusanuswerkes und Geistlicher Direktor beim Zentralkomitee der deutschen Katholiken gestaltend am geistigen Aufbau der jungen Bundesrepublik mitzuwirken.
Das Buch handelt von einem „Männerbund“, der in brüchigen Zeiten Rückhalt zu geben versteht. Die Bilder und Skizzen erlauben durch ihre sorgfältige historische Einbettung und Analyse nicht nur faszinierende Einblicke in die Charaktere der Protagonisten, sondern auch in Strategien der Lebensbewältigung in einer schwierigen Zeit des Übergangs.
Otto Weiß hat sich unter den Historikern einen Namen als Spezialist für die Theologie-, Kultur- und Geistesgeschichte des Katholizismus vor allem im 19. und 20. Jahrhundert gemacht. Die Autoren greifen dieses Themengebiet auf und schließen an die Forschungen von Otto Weiß an, indem sie Akteure des "langen 19. Jahrhunderts" in den Blick nehmen – z.B. John Henry Newman, Alfred von Reumont, Clemens Maria Hofbauer und Michael Sailer – oder kultur-, geistes- und kirchengeschichtliche Entwicklungen und Mentalitäten beleuchten, wie z.B. den Ultramontanismus als Sozialidee, die französische Pascal-Rezeption, die Vorgänge um die Nonnen von Sant'Ambrogio oder das Indexverfahren gegen Franz X. Kraus. Mit einem Blick auf die Moralsysteme des 18. Jahrhunderts sowie auf das kirchliche Zeitgeschehen im 20. Jahrhundert werden weitere Forschungsschwerpunkte von Otto Weiß einbezogen.
Die Frage nach der Determination des Menschen – und damit nach der Freiheit seines Willens – gehört zu den alten Fragen der Menschheitsgeschichte. Im Kontext der Christentumsgeschichte fand sie vor allem in der Kontroverse des Augustinus von Hippo mit Pelagius zu Beginn des 5. Jahrhunderts ihren Austrag – und ihre grundsätzliche theologisch-kirchliche Klärung. Doch gab das Problem von göttlicher Gnade und menschlicher Freiheit auch später immer wieder Anlass zu heftigen theologischen Debatten. Nicht zuletzt die durch die Reformation fokussierte Frage nach der „Rechtfertigung“ des Menschen wirkte als Katalysator. Zwischen den sich herausbildenden Konfessionen entbrannte im Gefolge dieser Debatten auch ein Kampf um das „Erbe“ Augustins. Die gnadentheologischen Probleme führten zu heftigen innerkatholischen Kontroversen, die schließlich Mitte des 17. Jahrhunderts im Konflikt um den Augustinus des Cornelius Jansenius (1585-1638) kulminierten. Das Werk, das den Anspruch authentischer Interpretation des Kirchenvaters erhob, gelangte unmittelbar nach seinem Erscheinen auf den römischen Index der verbotenen Bücher. 1653 wurden durch die päpstliche Bulle Cum occasione zudem fünf (angeblich) dem Augustinus entnommene Propositionen als häretisch verdammt. Die Brisanz dieses Aktes war offenkundig: Hatte das Lehramt damit die gnadentheologische Position des Kirchenvaters Augustinus selbst verurteilt?
Der Band trägt dem komplexen, vielschichtigen Gesamtphänomen „Jansenismus“ Rechnung, rückt dabei aber dezidiert die theologische Ausgangsfrage sowie die Bedeutung Augustins in den Blick – eine forschungsgeschichtlich weitgehend vernachlässigte Seite des „Jansenismus“.
Seine Edition der Diarien zum Trienter Konzil war eine Sensation und setzte Maßstäbe. Seine unvoreingenommene Sicht auf Luther und die unbestechliche Wahrheitsliebe, mit der er heiße Eisen anpackte, trugen ihm die Feindschaft weiter Kreise ein. Seine Haltung im berüchtigten „Beyhl-Berlichingen-Prozess“ oder im Streit um die „Katholische Aufklärung“ brachte den katholischen Blätterwald zum Rauschen. Zeitlebens führte er einen Kampf gegen jene „Richtung innerhalb der Kirche, die sich mit der Kirche selbst verwechselt“, aber auch gegen alle, die den Verbleib der Theologie an den Universitäten in Frage stellten.
Sebastian Merkle (1862-1945) gilt als Nestor einer kritischen Kirchengeschichtsschreibung, die sich von apriorischen dogmatischen Vorgaben befreite. Wie sahen ihn Freund und Feind? Der Band vereinigt Erinnerungen und biographische Würdigungen, ausgewählte Rezensionen zu seinen Werken sowie eine stattliche Anzahl Porträts und photographischer Aufnahmen. Im Zentrum steht ein vom Herausgeber entdecktes und sorgfältig erschlossenes „Dossier Merkle“, das sich im Nachlass seines schwäbischen Landsmanns August Hagen (1889-1963) fand. Die Aufzeichnungen Hagens, der als Professor für Kirchenrecht Merkle zwischen 1935 und 1945 in Würzburg aus nächster Nähe erlebte, sich aber gleichwohl eine kritische Distanz bewahrte, bieten intime Informationen und überraschende Einblicke.
Er war der einzige deutsche Bioschof, der im Dritten Reich verfolgt und schließlich des Lands verwiesen wurde. Seine freimütigen Predigten auf Bischofs- und Jugendtagen brachten jeweils Tausende auf die Straße, bei den nationalsozialistischen Machthabern waren seine klaren Worte gefürchtet. Als Sproll 1938 der Volksabstimmung über den Anschluss Österreichs demonstrativ fernblieb, begann eine Serie gewalttätiger Demonstrationen gegen den "Volksverräter". Der Volkszorn musste inszeniert werden. Die Eskalationen fanden im erzwungenen Abtransport Sprolls ein vorläufiges Ende. Erst 1945 konnte der Bischof aus seinem Exil zurückkehren.
(cet) Am 9. November jährt sich die Reichspogromnacht zum 73. Mal. Im Vorfeld dieses Jahrestages ist im Würzburger Echter-Verlag vor Kurzem der Sammelband „Christlich-jüdisches Gespräch – erneut in der Krise?“ erschienen. Ein Beitrag dieser Publikation der Würzburger Katholisch-Theologischen Fakultät bietet eine Untersuchung über die Ereignisse der Reichspogromnacht in Unterfranken; darüber hinaus wendet sich die Publikation grundlegenden Fragestellungen und aktuellen Problemen des christlich-jüdischen Dialogs zu.
Der von den Würzburger Professoren Dominik Burkard (Kirchengeschichte) und Erich Garhammer (Pastoraltheologie) in der Reihe „Würzburger Theologie“ herausgegebene Band geht auf eine Vorlesungsreihe an der Universität Würzburg im Winter 2008/2009 zurück. Diese war vor dem Hintergrund des 70. Jahrestages der Reichspogromnacht sowie der Turbulenzen, die der Vatikan 2008 mit einer neuen Fassung der Karfreitagsbitte „Für die Juden“ im außerordentlichen Ritus ausgelöst hatte, veranstaltet worden. Zusätzliche Aktualität erhielt das Thema durch die Diskussionen um das Verhältnis von Papst Pius XII. zum Judentum und die öffentliche Empörung über die Aufhebung der Exkommunikation gegen den Holocaust-Leugner Richard Williamson.
Für die Veröffentlichung wurden die Vorträge der Ringvorlesung um Beiträge von Wolfgang Frühwald, Heinz-Günther Schöttler und Erich Zenger ergänzt. So entstand ein Sammelband, der das komplexe und sensible Thema des jüdisch-christlichen Dialogs aus unterschiedlichen theologischen Perspektiven beleuchtet.
Den Auftakt bilden historische Beiträge zu Papst Pius XII. und seinem Verhältnis zum Judentum (Dominik Burkard) und zur Reichspogromnacht in Unterfranken (Wolfgang Weiß). Es folgen Studien über Saul Friedländers Werk „Das Dritte Reich und die Juden 1933–1945“ (Wolfgang Frühwald) und zum „Kulturbruch Auschwitz“ (Erich Garhammer). Drei weitere Beiträge beschäftigen sich mit einschlägigen kirchlichen Dokumenten, u.a. dem Konzilsdokument „Nostra Aetate“ (Wolfgang Klausnitzer) und dem Dokument der Päpstlichen Bibelkommission „Das jüdische Volk und seine Heilige Schrift in der christlichen Bibel“ (Theodor Seidl, Franz Dünzl). Konkrete Vorschläge zu den umstrittenen Karfreitagsbitten (Erich Zenger) und Beobachtungen zum aktuellen Verhältnis zwischen Judentum und Katholizismus unter Papst Benedikt XVI. (Heinz-Günther Schöttler) runden den 317 Seiten umfassenden Band ab.
Das Verhältnis zwischen Judentum und Katholizismus gilt als belastet. Der nun vorliegende Band der Würzburger Theologischen Fakultät stellt sich dieser Herausforderung. Er reflektiert dabei nicht nur Geschichte, Themen und aktuelle Herausforderungen des christlich-jüdischen Gesprächs, sondern zeigt zugleich Wege aus der Krise auf.
Bibliographische Notiz:
Dominik Burkard / Erich Garhammer (Herausgeber), Christlich-jüdisches Gespräch – erneut in der Krise? (Würzburger Theologie, Band 5), Würzburg: Echter 2011, € 24,80.
ISBN 978-3-429-03423-8.
Der zweite Teilband der Reihe "Katholische Theologie im Nationalsozialismus" enthält Beiträge zu den theologischen Einrichtungen in Braunsberg, Breslau, Brixen, Frankfurt-Sankt Georgen, Fulda, Gurk-Klagenfurt, Linz, Paderborn, Prag/Olmütz/Leitmeritz und St. Pölten.
Das Werk enthält außerdem Beiträge über die mit Romano Guardini besetzte Weltanschauungsprofessur in Berlin, die philosophisch-theologischen Ausbildungsstätten der Orden und Kongregationen sowie über die nationalsozialistische "Fachabteilung Römisch-Katholische Kirche" in Eisenach.
Die Entwicklungsprozesse und Schwierigkeiten der einzelnen Institutionen werden auf archivalischer Grundlage erarbeitet beziehungsweise spiegeln den aktuellen Forschungsstand wieder. Enthalten ist auch ein Gesamtregister für beide Teilbände.
Der erste Band der Reihe "Katholische Theologie im Nationalsozialismus" behandelt unter den Stichworten "Institutionen und Strukturen" die bestimmenden Koordinaten der theologischen Wissenschaftsgeschichte zwischen 1933 und 1945.
Untersucht werden die staatskirchenrechtlichen Grundlagen, die Rechtsstrukturen und Ziele der nationalsozialistischen Hochschulverwaltung, die Akteure und Faktoren der nationalsozialistischen Wissenschaftspolitik hinsichtlich der Theologie sowie die römische Sicht auf die Vorgänge in Deutschland.
Anhand archivalischer Forschungen werden die jeweiligen Entwicklungsprozesse und Schwierigkeiten der einzelnen theologischen Ausbildungsstätten in Deutschland und Österreich (teilweise bis hin zur Schließung) erarbeitet. Zur Darstellung kommen in diesem ersten Teilband die Fakultäten von Bonn, Freiburg, Graz, Innsbruck, München, Münster, Salzburg, Tübingen, Wien und Würzburg, die Theologischen Hochschulen von Bamberg, Dillingen, Eichstätt, Freising, Passau und Regensburg, die theologischen Lehranstalten in den Priesterseminaren von Mainz und Trier sowie die Ordensstudien in Limburg und Mönchengladbach.
Im zweiten Teilband folgen Untersuchungen zu weiteren theologischen Einrichtungen, auswertende tabellarische Überblicke über die Professoren und das Gesamtregister.
Ansicht (und mehr) in der TB Theologie unter der Signatur 205/KG 10/317-1,1.
Hitler nannte Alfred Rosenberg den „Kirchenvater des Nationalsozialismus“. Sein Hauptwerk, der „Mythus des 20. Jahrhunderts“, war im Dritten Reich Pflichtlektüre bei jeder politischen Unterweisung. Doch schon 1934 setzte die römische Kurie diese wichtigste nationalsozialistische Programmschrift auf den Index der verbotenen Bücher. Ein heftiger weltanschaulicher Kampf zwischen Kirche, Partei und Regierungsbehörden entbrannte. Erst 2003 zugänglich gewordene vatikanische Quellen lassen die Umstände der Indizierung in neuem Licht erscheinen und geben Antwort auf bislang ungelöste Fragen zum Verhältnis von Vatikan und Nationalsozialismus.
Wenn sich die Kirche zur Zeit des Dritten Reiches tatsächlich in „Schweigen“ hüllte, wie ist diese frühe Indizierung zu erklären? Der Vatikan scheute sich 1934 nicht, durch den symbolischen Akt der Indizierung Stellung gegenüber den nationalsozialistischen Ideen zu beziehen. Weitere Verbote waren geplant: Rassismus, Nationalismus und Staatstotalität sollten als „Häresien des 20. Jahrhunderts“ verurteilt werden. Doch weshalb kam es nicht dazu? Die Frage nach dem „Schweigen“ des Heiligen Stuhls zum Nationalsozialismus, die Frage auch nach der Rolle Pacellis (Pius XII.) im Ringen der verschiedenen Kräfte an der Römischen Kurie, wird in diesem Buch neu gestellt.
Inhaltsverzeichnis und Register
Ansicht (und mehr) in der TB Theologie unter der Signatur 205/KG 12/206-5.
Wohl in vielen Bücherschränken stand und steht es bis heute, das berühmteste Werk des protestantischen Historikers Leopold von Ranke: „Die römischen Päpste, ihre Kirche und ihr Staat im sechzehnten und siebzehnten Jahrhundert“. Zwischen 1834 und 1836 erstmals veröffentlicht, war es ein großer Erfolg, erschien in zahllosen Auflagen und wurde in verschiedene Sprachen übersetzt. Doch nicht von allen erhielt es ungeteilte Zustimmung. Gregor XVI. ließ die „Päpste“ 1841 auf den „Index der verbotenen Bücher“ setzen; fortan durfte dieses „Standardwerk“ zur Papstgeschichte von Katholiken nicht mehr gelesen werden.
Mit kriminalistischem Spürsinn rekonstruieren Hubert Wolf und Dominik Burkard den Hergang und die Hintergründe der Indizierung Rankes. Sie können zeigen, wie das Werk 1839 trotz eines vernichtenden Gutachtens zunächst dem ausdrücklichen päpstlichen Verbot entging, weil sich „liberale“ Kräfte innerhalb der römischen Indexkongregation für Ranke einsetzten. Und warum die „Päpste“ drei Jahre später schließlich doch noch auf dem Index landeten. Die streng historische Betrachtung des Papsttums schien mit dem durch das Papsttum selbst propagierten „entzeitlichten“ Bild von Kirche nicht vereinbar zu sein. In einem eigenen Beitrag geht Ulrich Muhlack der wissenschaftsgeschichtlichen Bedeutung des Falles nach. Zwar stand die Indizierung der „Päpste“ zunächst für die katholische Abkehr von der „deutschen geschichtlichen Wissenschaft“, doch wird zugleich deutlich, daß die Gegner Rankes an der Symbolfigur moderner Geschichtswissenschaft und den Idealen, für die sie stand, nicht achtlos vorüber gehen konnten: Geschichte und Wissenschaftlichkeit. Die Edition der bisher unveröffentlichten römischen Geheimgutachten über Rankes „Päpste“ schließt den Band ab.
Inhaltsverzeichnis und Register
Ansicht (und mehr) in der TB Theologie unter der Signatur 209/F.KG. F V 139
Nach der gescheiterten Kirchenfrage auf dem Wiener Kongress begannen seit 1818 am Sitz des Bundestags in Frankfurt am Main geheime Verhandlungen der minder mächtigen protestantischen Staaten des Deutschen Bundes unter Führung Württembergs, um für eine künftige Neuorganisation der seit der Säkularisation strukturell aus den Fugen geratenen katholischen Kirche in Deutschland Vorsorge zu treffen. Erarbeitet wurden in 30 Plenarsitzungen und weiteren Kommissionssitzungen bis 1822 ein umfängliches „Kirchensystem“ in 100 Paragraphen, eine „Deklaration“ für den Heiligen Stuhl sowie zwei Staatsverträge, in denen sich die Beteiligten auf gleichförmige Organisation der katholischen Kirche in ihren Staaten verpflichteten. Aus den Verhandlungen ging schließlich die „Oberrheinische Kirchenprovinz“ mit den neuen Bistümern Freiburg, Rottenburg, Limburg und den neu umschriebenen Bistümern Mainz und Fulda hervor. Der Band rekonstruiert auf der Basis breitesten Quellenmaterials Verlauf und Inhalt der Verhandlungen, analysiert die treibenden und hemmenden Kräfte sowie die Diplomatien, Ideologien und Ekklesiologien der beteiligten Parteien und Personen. Organigramme (Behördengänge der Staaten, Organisation der künftigen Generalvikariate bzw. Domkapitel, Modelle zur „Bischofswahl“) runden den stattlichen Band, dem für die Geschichte der Kirche im Deutschland des 19. Jahrhunderts Grundlagencharakter zukommt, ab.
Heinrich Heine (1797-1856) stand seit 1836 mit einigen Texten – wie den „Reisebildern“ oder „Französische Zustände“ – auf dem Index verbotener Schriften der katholischen Kirche. Bei der Rekonstruktion des Falles durch Hubert Wolf und Dominik Burkard in Rom und Wien stellt sich eine enge Verbindung zwischen dem politischen Verbot Heines durch den österreichischen Staatskanzler Metternich und seiner Aufnahme auf den vatikanischen Index heraus. Im Hintergrund standen die traumatischen Erfahrungen der Vertreter eines „Ordnungsdenkens“ mit revolutionären Umtrieben; Aus Angst vor einer Wiederholung der französischen Revolution von 1789 und „Pariser Verhältnissen“ sollte ein führender Träger des revolutionären Ungeistes mundtot gemacht werden. Eine Analyse der Gutachten von Gisbert Lepper und eine Reflexion über „Religionskritik, Zensur und Selbstzensur“ schließen den Band ab.
Eine Besonderheit in der Universitätslandschaft des 18. Jahrhunderts bot die Universität Heidelberg: Neben evangelischer Theologie wurde an ihr seit 1706 zugleich auch katholische Theologie gelehrt. Infolge des Übergangs der Kurpfalz an die Pfalz-Neuburger waren – im Sinne einer verspäteten „Gegenreformation“ – drei Lehrstühle für katholische Theologie gestiftet und in die bestehende (evangelische) Theologische Fakultät eingefügt worden. Nach Aufhebung des Jesuitenordens 1773 wurden die Studien unter Kurfürst Karl Theodor neu organisiert, die Fakultät weiter ausgebaut. In zum Teil heftigen inneren Kämpfen setzten sich schließlich gegen Ende des Jahrhunderts reformorientierte, „aufgeklärte“ Ideen durch. Als nach dem Anfall der rechtsrheinischen Kurpfalz an das Großherzogtum Baden die katholisch-theologische Fakultät Heidelberg überflüssig zu werden schien und die Professoren 1807 nach Freiburg im Breisgau versetzt wurden, fand diese interessante Institution – nach gerade erst 100-jährigem Bestehen – ihr unerwartetes Ende. Die Geschichte dieser weitgehend vergessenen „Katholisch-Theologischen Fakultät“ wird in der vorliegenden Studie erstmals anhand der Quellen aufgearbeitet und dargestellt. So eröffnen sich nicht nur neue Aspekte zur Heidelberger Universitätsgeschichte. Die Studie ist zugleich auch ein Beitrag zur Kirchengeschichte im frühen“ Diözesandreieck“ Worms, Mainz und Speyer.
Bibliographische Notiz:
Dominik Burkard: „Oase in einer aufklärungssüchtigen Zeit“? Die Katholisch-Theologische Fakultät der Universität Heidelberg zwischen verspäteter Gegenreformation, Aufklärung und Kirchenreform (Contubernium. Tübinger Beiträge zur Universitäts- und Wissenschaftsgeschichte 42), Sigmaringen 1995.
