Intern
    Lehrstuhl für Pastoraltheologie

    Öffnungszeiten im Wintersemester 2017/18

    Wegen Schulung sind Sekretariat und Teilbibliothek

    am Di, 24.10.2017 bis 14.00 Uhr  und

    am Mo, 13.11.2017 bis 13.30 Uhr geschlossen!

    Sonst: Sekretariat und Bibliothek s.o.

    Teilbibliothek:

    Mittwoch14.00 - 16.00 Uhr
    Donnerstag10.00 - 12.00, 14.00 - 16.00 Uhr
    Freitag08.00 - 10.00 Uhr

     

     


    Rückblick Abschiedsvorlesung Prof. Dr. Garhammer "Wer nichts erzählen kann, der hat auch nichts zu sagen"

    Pastoraltheologie als Palliativtheologie

    Zur Abschiedsvorlesung des Pastoraltheologen Erich Garhammer waren viele Gäste in die Neubaukirche gekommen – darunter prominente Schriftsteller und ein ehemaliger Kultusminister.

    Gut gefüllt war die Neubaukirche bei der Abschiedsvorlesung von Professor Erich Garhammer am 24. Mai. Garhammer hatte seit 2000 den Lehrstuhl für Pastoraltheologie an der Universität Würzburg inne gehabt. Zu seinem Abschied waren Kolleginnen und Kollegen aus nah und fern sowie Gäste aus verschiedenen Bereichen der Kultur gekommen, etwa der ehemalige bayerische Kultusminister und Romano-Guardini-Lehrstuhlinhaber Hans Maier sowie die Literaten Reiner Kunze, Sibylle Lewitscharoff und Arno Geiger. Drei Generationen der Gegenwartsliteratur waren damit vertreten. Natürlich fehlten nicht die eigene Fakultät und ihre Studierenden.

    Würdigung des Dekans

    Dekan Martin Stuflesser sah darin eine Symbolhandlung für die Innen- und Außenwirkung von Universität und Fakultät, die Erich Garhammer stets wichtig gewesen seien. Stuflesser würdigte Garhammers Verdienste für die Fakultät in einigen markanten Punkten: Gründung der Reihe „Würzburger Theologie“, deren 16. Band demnächst erscheint, Berufung der ersten Frau an die Fakultät, Errichtung der missionswissenschaftlichen Stiftungsprofessur sowie die einvernehmliche Lösung der Berufungsverfahren mit dem Institut für Katholische Theologie in Bamberg.

    Konflikt mit Rom

    In seiner Abschiedsvorlesung „Wer nichts erzählen kann, hat auch nichts zu sagen“ legte Garhammer die biografischen Spuren seiner Theologie dar. Offen sprach er den Konflikt mit Rom und die Verweigerung des „Nihil obstat“ an, als er den Ruf auf den Lehrstuhl für Pastoraltheologie in Paderborn bekam. Dieser Konflikt habe ihn dazu bewogen, sich ein neues Feld für seine Theologie zu erschließen, das Gespräch mit der Gegenwartsliteratur. Damit konnte er seine beiden Fächer Theologie und Germanistik miteinander verknüpfen. Daraus erwuchsen viele Projekte nach seiner Berufung nach Würzburg, etwa der Forschungskongress „Theologie und Literatur“ im Jahre 2004 – zwanzig Jahre nach dem ersten Kongress dieser Art veranstaltet von Walter Jens, Hans Küng und Karl-Josef Kuschel – oder die Kuratierung des LIT.festes der Deutschen Bischofskonferenz im Jahre 2015 in München.

    Literatur als Banalisierungsprophylaxe

    Den Zugewinn der Beschäftigung mit Literatur sieht Garhammer ganz in der Traditionslinie von Romano Guardini: Verhinderung der Selbstmarginalisierung von Theologie und Kirche, Zuwachs von Sprachsensibilität und kommunikativer Kompetenz sowie Banalisierungsprophylaxe. Dass das mit Literatur möglich ist, zeigte Garhammer an den drei Beispielen von Reiner Kunze, Sibylle Lewitscharoff und Arno Geiger, die er in der Tradition des „sermo humilis“ auslegte. Theologie könne hier in die Sprachschule gehen und so der Sprachschlamperei und der Produktion von Klischees und Trivialitäten wehren.

    Im dritten Teil entwarf Garhammer zum Erstaunen aller einen Neuansatz für die Pastoraltheologie: Diese müsse sich verstehen als „palliative Heimat“ für die Sehnsüchte der Menschen. Pastoraltheologie als Palliativtheologie sei die „metanoetische Chance von Theologie“ insgesamt: Man könne hier epistemische Demut lernen, so der Theologe.

    Keine frommen Wünsche zum Abschied

    Die Resonanzen auf die Vorlesung spiegelten die Intentionen des theologischen Ansatzes von Garhammer: Fachschaftssprecherin Johanna Jäger schilderte den akademischen Lehrer Erich Garhammer in unterschiedlichen Facetten und mit rhetorischer Brillanz, der akademische Schüler Juniorprofessor Bernhard Spielberg (Universität Freiburg) würdigte die Lebens- und Lehrkunst von Garhammer und schloss: „Du brauchst keine frommen Wünsche oder guten Ratschläge für die Zeit, die kommt. Du verstehst Dich auf die Kunst der Reise mit leichtem Gepäck. Das genügt.“ Reiner Kunze trug den Text „Orgelkonzert (Toccata und Fuge)“ aus dem Band „Die wunderbaren Jahre“ vor. Dieser Text beschreibt den Denkfreiraum der Orgelkonzerte in der ehemaligen DDR und endet damit, dass alle Orgeln des Landes plötzlich zu spielen beginnen und alle Lügen hinwegfegen müssten – „unter wessen Dach auch immer, hinwegdröhnen all den Terror im Geiste“. Damit bekräftigte er ein Anliegen seines theologischen Freundes Erich Garhammer. Stefan Baier, Rektor der kirchlichen Muisikhochschule in Regensburg, respondierte virtuos auf der Schucke-Orgel der Neubaukirche.

    Wunsch nach einer Poetikdozentur

    Am Abend schloss sich ein „Abend der Poesie“ im Bildungshaus Himmelspforten an, bei dem die drei Literaten Reiner Kunze, Sibylle Lewitscharoff und Arno Geiger aus ihrem Werk lasen. Garhammer begrüßte seine Gäste mit den Worten: „Was waren das für Zeiten, als die Universität Würzburg sich noch eine Poetikdozentur leistete. Ein Inhaber dieser Dozentur war im Jahre 1989 der Schriftsteller Reiner Kunze. Daraus ist sein Band ´Das weiße Gedicht´ entstanden, ein Klassiker unter den Poetikvorlesungen der jüngeren Literaturgeschichte.“ Und an den anwesenden Bischof gewendet: „Lieber Bischof Hofmann, vielleicht kann hier künftig die Diözese Würzburg einspringen mit ihren schönsten Häusern in Himmelspforten und dem Burkardushaus: Das wären doch schöne Orte für eine Poetikdozentur“.

     

    Dank am Schluss meiner Abschiedsvorlesung

    Am Schluss dieser Feier möchte ich mich bedanken. Bei meiner Universität, nicht nur für die Bereitstellung dieses schönes Raumes, sondern für die Jahre guter Zusammenarbeit.

    Ich möchte mich bedanken bei meiner Fakultät für die gemeinsamen Jahre, für das Willkomm beim damaligen Dekan Gerhard Droesser und den heutigen Abschied bei Dekan Martin Stuflesser. Friedrich Dürrenmatt hat seinem Freund Max Frisch zum 70. Geburtstag geschrieben: „Wir haben uns wacker auseinander befreundet. Ich habe dich in vielem bewundert, du hast mich in vielem verwundert und verwundet haben wir uns auch. Jedem seine Narben.“ Solche Sätze gelten immer auch für eine Fakultät. Wir hatten in der Fakultät unsere Konflikte, haben sie auch ausgetragen, aber doch eine Sprache füreinander behalten. Diese Form des produktiven Streitens wünsche ich der Fakultät auch weiterhin.

    Ich danke dem Bistum Würzburg für die unkomplizierte Form des Miteinanders und der Beheimatung.

    Ich bedanke mich bei den Studierenden für Jahre intensiver, spannender und spannungs-reicher Wegsuche. Vielen Dank, Frau Jäger für Ihre Resonanz. Liebe Studierende, ich habe in den letzten Jahren gemerkt, dass Sie immer jünger werden und ich immer älter. Ich hoffe, es war kein zu garstiger Graben. Ich wünsche Ihnen für Ihr Studium, für Ihren Abschluss und für Ihren Lebensweg die Erfahrung: Theologie lohnt.

    Ich bedanke mich bei meinen Doktorandinnen und Doktoranden sowie Habilitanden für das miteinander Lernen und Wachsen an pastoraltheologischen und homiletischen Fragen.

    Ich bedanke mich bei meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern am Lehrstuhl für das wunderbare gemeinsame Arbeitsklima. Bei meiner Sekretärin, Frau Lingstädt, die Seele des Lehrstuhls; sie hatte immer Freude am Schreiben meiner Texte und litt geradezu unter Entzug, wenn der nächste Text zu lange auf sich warten ließ. Ich bedanke mich bei meinem wissenschaftlichen Mitarbeiter Dr. Michael Lohausen für die letzten Jahre wohltuender Zusammenarbeit (vorher Dr. Bernhard Spielberg) sowie bei meinen aktuellen studierenden Mitarbeiterinnen, Tatjana Herold und Beatrice Petrik, stellvertretend für alle ehemaligen. Danke auch für die Vorbereitung des heutigen Tages.

    Ich bedanke mich beim Echter-Verlag für die Form der intensiven und vertrauensvollen langjährigen Zusammenarbeit. Herr Häußner, Herr Handwerk, Frau Bieber sind heute unter uns.

    Mein Dank gilt ferner dem Organisten der heutigen Feier, Prof. Stefan Baier, dem Rektor der Kirchenmusikhochschule in Regensburg und den anwesenden Literaten Reiner Kunze, Sybille Lewitscharoff und Arno Geiger. Danke für die Ehre Ihrer Anwesenheit.

    Ich danke meinen Brüdern und Neffen, allen Freunden und Bekannten, Kolleginnen und Kollegen aus nah und fern, Ihnen allen für Ihr Kommen, dass Sie sich die Zeit genommen haben.

    Das Geschenk der Zeitverschwendung im Zeitalter der Verpassensangst ist ein großes Geschenk.

    Ich weiß es sehr zu schätzen.

    Und nun wünsche ich uns angeregte Gespräche bei Brot und Wein.

    Bleiben Sie gesegnet.

     

    Fotos: Privat


    "Abend der Poesie" im Bildungshaus Himmelspforten am 24. Mai 2017

    Einführung Himmelspforten am „Abend der Poesie

    Meine Damen und Herren,

    herzlich willkommen zum Abend der Poesie.

    Was waren das für Zeiten, als die Universität Würzburg sich noch eine Poetikdozentur geleistet hat. 1989 hatte sie Reiner Kunze inne, nachdem ihn zuvor Wolfgang Frühwald nach München eingeladen hatte. Daraus ist die bis heute lesenswerte Poetikvorlesung entstanden: „Das weiße Gedicht. Essays, Frankfurt a. M. 1989. [...]

     

    Erich Garhammer: Einführung Reiner Kunze

    Kunze hat Philosophie und Journalistik studiert. Er war wissenschaftlicher Assistent mit Lehrauftrag an der Fakultät für Journalistik an der Universität Leipzig. Kurz vor Promotionsabschluss gab er die Stelle auf: „Ich hatte begriffen, dass es nur darum geht, das Prinzip durchzusetzen, auch über den Menschen hinweg.“ Er hat in seinem Leben nie die Wahrheit ermäßigt zu einem bequemen sich Durchmogeln.[...]

    Erich Garhammer: Einführung Lewitscharoff

    Sibylle Lewitscharoff, 1954 in Stuttgart als Tochter eines bulgarischen Vaters und einer deutschen Mutter geboren, studierte Religionswissenschaften in Berlin, wo sie, nach längeren Aufenthalten in Buenos Aires und Paris, heute lebt. Nach dem Studium arbeitete sie zunächst als Buchhalterin in einer Werbeagentur. Sie veröffentlichte Radiofeatures, Hörspiele und Essays. 1998 erhielt sie den Ingeborg-Bachmann-Preis.

    Erich Garhammer: Einführung Arno Geiger

    Geboren wurde der Autor 1968 in Bregenz am Bodensee als eines von vier Kindern eines Gemeindesekretärs und einer Volksschullehrerin. Aufgewachsen ist er in Wolfurt im Vorarlberger Land „zwischen mehreren Grenzen – der Schweizer, der Liechtensteiner und der deutschen“. Er studierte Deutsche Philologie, Alte Geschichte und Vergleichende Literaturwissenschaft in Wien und Innsbruck. Von 1986 bis 2002 arbeitete er in den Sommermonaten als Ton- und Videotechniker auf der Seebühne der Bregenzer Festspiele. Heute lebt Arno Geiger in Wien, zusammen mit seiner Frau, einer Kinderärztin.

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