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    Lehrstuhl für Kirchenrecht

    Wissenschaftliche Fachtagung 2013

    Lebendige Kirche in neuen Strukturen Herausforderungen und Chancen

    30.09.13 bis 02.10.2013 im Bistumshaus Schloss Hirschberg

     

    Tagungsbericht

     

    Rund fünfzig Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Deutschland, Österreich, Belgien, der Schweiz und dem Vatikanstaat hatten sich vom 30.09.-2.10.2013 im Bistumshaus der Diözese Eichstätt Schloss Hirschberg zu einer wissenschaftlichen Fachtagung eingefunden, zu der die Lehrstühle für Kirchenrecht an den Universitäten Würzburg und Mainz eingeladen hatten: Kirchenrechtlerinnen und Kirchenrechtler aus Wissenschaft und Verwaltungspraxis, ein Generalvikar, Mitarbeiter der Bistümer, Ordensleute sowie Studierende der Theologie setzten sich in Statements, Vorträgen und Diskussionen mit der Frage auseinander, welchen Herausforderungen und Chancen die Kirche durch die laufenden Strukturierungsprozessen begegnet und wie sie in der heutigen Zeit lebendig sein kann.

    In einer ersten Runde kamen zuerst Betroffene zu Wort: Br. Paulus Terwitte OFMCap plädierte dafür, Orden in die neu entstehenden Seelsorgestrukturen einzubinden und sie nicht nur für Dienste der Seelsorge in Anspruch zu nehmen. Die Begrenzung der Ämter und Amtszeiten in den Orden sieht er als Vorbild, das auch für die neuen kirchlichen Strukturen herangezogen werden könnte. Die verschiedenen Orden sollten sich wieder mehr auf ihr spezifisches Charisma besinnen, damit sie so ihren Platz in den neuen Strukturen finden und vertreten.

    Pfr. Simon Rapp, Bundespräses des BDKJ, sieht in den Verbänden eine Möglichkeit, Kirche außerhalb der Gemeindestrukturen kennenzulernen und sich dort zu engagieren. Er plädierte dafür, neue Gemeindeformen zu erproben, die der Lebenswelt der Menschen entsprechen, beispielsweise in Form von Verbänden.

    Als Vertreterin der Räte stellte Sabine Schößler vom Zentralkomitee der Katholiken fest, dass bezüglich der Räte eine große Unübersichtlichkeit herrsche, da jedes Bistum eigene Wege gehe. Wegen ständig neuer Strukturveränderungen bleibt den Räten oft keine Zeit mehr für die Aufgaben, die sie eigentlich erfüllen sollten.

    Prof Dr. Heribert Hallermann zeigte in seinem Vortrag die Ziele auf, die seitens der Diözesen mit der Umstrukturierung der kirchlichen Strukturen erreicht werden sollen: Die Erneuerung der missionarischen Dimension sowie die Kooperation in der Seelsorge. Neue Strukturen seien in sich aber weder missionarisch noch kooperativ. Es gehe vielmehr um eine Neukonzeption des Leitungsdienstes: Dabei geht es nicht um die Frage, wer das Sagen hat in der Kirche, sondern darum, dass alle Getauften am Aufbau einer lebendigen Kirche mitwirken.

    Dr. Thomas Meckel, Akademischer Rat am Lehrstuhl für Kirchenrecht in Würzburg, zeigte den Wandel im Verständnis des Laienapostolats ausgehend vom CIC/1917, über die Dokumente des Zweiten Vatikanischen Konzils bis hin zur geltenden Rechtsordnung auf. Mit der Lehre vom gemeinsamen und besonderen Priestertum bietet das Konzil und die heutige Rechtsordnung ein Konzept, das die Verbundenheit von Laien und Klerikern im gemeinsamen Priestertum betont und zeigt, dass Kirche nur lebendig wird, wenn alle Gläubigen ihr in der Taufe verliehenes Apostolat verwirklichen und aus eigener Initiative im eigenen Namen handeln, damit Kirche lebendig werden kann.

    P. Prof. Dr. Markus Graulich, Richter an der Römischen Rota, beleuchtete die Sendung der geistlichen Bewegungen. Er warb mit einem kritisch-wohlwollenden Blick dafür, die geistlichen Bewegungen gemäß dem kirchlichen Vereinsrecht anzuerkennen und dabei das Kriterium der Kirchlichkeit als Maßstab für die Anerkennung der geistlichen Bewegungen in den Vordergrund zu stellen.

    Der Münchner Kirchenrechtler P. Prof. Dr. Stephan Haering OSB ging auf die Präsenz der Orden in der Kirche von heute und morgen ein. Er plädierte für eine inhaltliche Konzentration der Aufgaben und für eine zeitgemäße Pflege des eigenen Charismas, für das diakonische Engagement der Ordensverbände und für die besonderen Dienste der christlichen Gastfreundschaft, des Gebets und der Liturgie. Eine besondere Aufgabe sieht er im Dialog der Orden mit der modernen Gesellschaft und mit anderen Religionen.

    Aus der Perspektive der Pastoraltheologie warf Ass.-Prof. Dr. Regina Polak, Wien, einen Blick auf die Strukturreformen der Kirche. Sie stellte drei Lernfelder vor, die durch die Strukturreformen eröffnet werden: Zum einen ermöglichen Strukturreformen der Kirche, Gott neu wahrzunehmen und neu denken zu lernen. Zum anderen bieten sie der Kirche die Chance mit den Anderen der Kirche und dem Fremden leben zu lernen und Gemeinschaft strukturieren zu lernen.

    Der Generalvikar des Militärbischofs Apostolischer Protonotar Walter Wakenhut gab einen Einblick in die Arbeit der Militärseelsorge. Durch die Reform der Bundeswehr ist auch diese einem andauernden Wandel unterzogen und muss sich den ständig wechselnden Anforderungen z.B. durch Auslandseinsätze anpassen.

    Prof. Dr. Matthias Pulte, Inhaber des Lehrstuhls für Kirchenrecht an der Universität Mainz gab einen Einblick in die Strukturierungsprozesse der deutschen Diözesen. Er stellte Grundmodelle für pastorale Strukturen vor und wies beispielhaft auf das Konzept der Fusionen in Köln, der Pfarreiengemeinschaften in Aachen, der Pfarrverbünde in München-Freising und Würzburg sowie auf die radikalen Einschnitte in der Diözese Berlin hin.

    Im abschließenden Vortrag beleuchtete Dr. Monica Herghelegiu, Katholische Universität Leuven, die Strukturreformen in anderen Ländern. Sie stellte zunächst zwei gescheiterte Modelle vor, nämlich die Reformen im Bistum Poitiers und die comunitá pastorale im Erzbistum Mailand. Beiden Modellen mangelte es an Klarheit in der Zielsetzung und an kirchenrechtlicher Fundierung. Dann stellte die Referentin zwei interessante Ansätze vor, die auch für die Strukturreformen in Deutschland anregend sein können: Das Konzept des Cluster pastoral planning sowie das Projekt der kleinen christlichen Gemeinschaften.

    Die Tagung in Schloss Hirschberg bot neben den Vorträgen vielfältigen Raum für den interdisziplinären Austausch und engagierte Diskussion.

    Die wissenschaftliche Fachtagung wurde in Kooperation der beiden Lehrstühle für Kirchenrecht in Würzburg und in Mainz veranstaltet. Die Tagungsleitung lag bei Prof. Dr. Heribert Hallermann, Würzburg, und Prof. Dr. Matthias Pulte, Mainz. Bei der Konzeption, Vorbereitung und Durchführung der Tagung wurden sie wesentlich unterstützt durch ihre wissenschaftlichen Mitarbeiter Sabrina Pfannkuche und Dr. Thomas Meckel. Die Moderation der Tagung übernahmen Andreas Graßmann, Sarah Maria Röck, Anna Elisabeth Meiers und Sabrina Pfannkuche.

     

     
     

     

     

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