Intern
    Ostkirchengeschichte und Ökumenische Theologie

    Neuerscheinung zur Orthodoxen Kirche in der Donaumonarchie

    28.01.2013, 14:32 Uhr

    Das Buch von Dr. Dr. Thomas Mark Németh, Fachvertreter für Ostkirchengeschichte und Ökumenische Theologie an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Würzburg und Direktor des Ostkirchlichen Instituts an der Universität Würzburg würdigt erstmals umfassend die bislang kaum bekannte Bedeutung des Wiener Ostkirchenrechtlers Josef Ritter von Zhishman (1820–1894) für die Orthodoxie in der Habsburgermonarchie.

    Josef von Zhishman fand in der historischen Literatur bisher fast ausschließlich als Lehrer von Kronprinz Rudolf Erwähnung. Weithin unbekannt war hingegen, dass der gebürtige Laibacher seit den 1860er Jahren vom Wiener Ministerium für Kultus und Unterricht als faktisch einziger Experte für Rechtsfragen der Orthodoxen Kirche in der Donaumonarchie herangezogen wurde. Eine rumänische Zeitung bezeichnete ihn deshalb einmal spöttisch als „Orakel“ des Ministeriums. Zhishman etablierte außerdem Erforschung und Lehre des Ostkirchenrechts an der Wiener Juristenfakultät, seine Monographien zählen noch heute zu den einschlägigen Standardwerken.

    Die vorliegende Arbeit, die sich auf Zhishmans umfangreichen Nachlass und viele Archivalien, insbesondere aus dem Österreichischen Staatsarchiv, stützt, ordnet die zahlreichen Gutachten in den Komplex der Organisationsfragen der Orthodoxie in der Habsburgermonarchie ein. Zu den von Zhishman behandelten Fragen gehörten zum Beispiel die Errichtung der Eparchie Cattaro (heute Kotor/Montenegro) und die Gründung der Metropolie der Bukowina und von Dalmatien.

    Besonders eng war sein Wirken mit Czernowitz und der Orthodoxen Theologischen Fakultät der 1875 dort errichteten Universität verbunden: Zum einen bereitete Zhishman Vertreter der ersten Professorengeneration auf ihre wissenschaftliche Tätigkeit vor, zum anderen spielte er bei der Einrichtung der Fakultät eine maßgebliche Rolle und war mit der Lösung zahlreicher Rechtsfragen beauftragt. Der Status der „autonomen“ orthodoxen Kirchengemeinden in Cisleithanien blieb hingegen ein bis zum Ende der Monarchie weitgehend ungelöstes Problem. Darüber hinaus beschäftigte sich Zhishman mehrfach mit der Orthodoxie in Bosnien und in Herzegowina.

    Zhishmans Arbeiten berühren auch fast 120 Jahre nach seinem Tod in Schönbrunn viele aktuelle Probleme und Fragestellungen des orthodoxen Kirchenrechts, wie etwa die Frage nach der Teilnahme der Laien an der Kirchenverwaltung. Eine Edition besonders wichtiger Gutachten Zhishmans ist angedacht.  

     

    Bibliographische Angaben:

    Thomas Mark Németh, Josef von Zhishman (1820­­­­–1894) und die Orthodoxie in der Donaumonarchie (Kirche und Recht 27), Freistadt: Plöchl 2012, 402 Seiten, 9 Abbildungen, € 49, 80. ISBN 978-3-901479-78-6 ISSN 0259-0735 (Kirche und Recht)

     

    Kontakt

    Ostkirchengeschichte und Ökumenische Theologie
    Ostkirchliches Institut an der Universität Würzburg
    Steinbachtal 2a
    97082 Würzburg

    Tel.: +49 931 31-82995

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