Intern
    Ostkirchengeschichte und Ökumenische Theologie

    Exkursion zu den ostkirchlichen Gemeinden in Wien

    Vom 4. bis zum 7. Jänner 2007 erkundeten 25 Theologiestudierende aus Würzburg unter der Leitung von Fachvertreter Dr. Thomas Mark Németh zahlreiche ostkirchliche Gemeinden in Wien. Diese mit einem Hauptseminar verbundene Exkursion brachte den Studierenden Einblicke in die Glaubenswelt, das religiöse Leben und die Liturgie von Kirchen östlicher Tradition.

    Der erste Besuch galt dem Wiener Mechitaristenkloster, eines der beiden Hauptniederlassungen der Mechitaristen weltweit. Abt P. Paul Kodjanian bot einen Überblick über die  armenische Geschichte und die Entstehung des Ordens durch Mechitar von Sebaste 1701. Gestärkt mit dem Klosterlikör Mechitharine besichtigten die Studierenden die Klosterkirche, das Museum und die Bibliothek. Anschließend wurden sie von Dr. Németh durch die griechisch-katholische Zentralpfarrkirche St. Barbara geführt, die 1775 durch Kaiserin Maria Theresia den Katholiken des byzantinischen Ritus übergeben wurde. Die Studierenden konnten hier auch einen Blick hinter die Ikonostase werfen, die als Bilderwand den Altarraum vom Kirchenschiff trennt und zugleich symbolisch verbindet. Der in ukrainischer und deutscher Sprache gefeierten Eucharistiefeier stand Pfarradministrator Viktor Kurmanowytsch vor. Am Abend desselben Tages referierte Frau Mag. Antonia Himmel-Agisburg von der russisch-orthodoxen Gemeinde über Spiritualität und die Rolle der Frau in der orthodoxen Kirche.

    Am Vormittag des 5. Jänner fand zunächst der Besuch der koptisch-orthodoxen Kathedrale zur Hl. Jungfrau von Zeitoun statt. Die Seminarteilnehmer wohnten hier, streng nach Geschlecht getrennt, einer eindrucksvollen koptisch-orthodoxen Eucharistischen Liturgie bei, die in drei Sprachen (koptisch, arabisch, deutsch) gefeiert wurde. Dieser Gottesdienst war für die meisten Studierenden die erste Begegnung mit der gottesdienstlichen Tradition einer orientalisch-orthodoxen Kirche und damit eine besonders einprägsame Erfahrung. Bischof Gabriel bot bei der darauffolgenden freundlichen Begegnung interessante Einblicke in die Tradition und gegenwärtige Situation der koptischen Kirche und beantwortete zahlreiche Fragen der Studierenden.

    Anschließend wurde die serbisch-orthodoxe Auferstehungskirche im 2. Bezirk besichtigt, die in den Kubus einer ehemaligen Straßenbahnremise integriert wurde. Priester Drago Vujić informierte über das  Kirchengebäude und das Gemeindeleben. Der prächtig ausgemalte Kirchenraum bot auch die Gelegenheit, auf die orthodoxe Sicht der Welt, der Heilsgeschichte und das Kirchenjahr einzugehen.

    In der syrisch-orthodoxen Kirche St. Ephraim in Lainz fand ein Treffen mit Chorepiskopos Pfarrer Dr. Emanuel Aydin statt, der bereitwillig den Studierenden Rede und Antwort zu seiner Kirche stand. In der Vesper sang Diakonin Yoland Rumi Aho das Vater unser auf aramäisch. Als Andenken erhielten die Teilnehmer den kunstvoll verzierten Text des Gebetes auch ausgehändigt. Zum Abschluss dieses Exkursionstages nahmen einige Studenten auch an einer  abendlichen Weihnachtsliturgie der armenisch-apostolischen Gemeinde in der Kirche St. Hripsime teil.

    Am 6. Jänner konnte die Gruppe die bischöfliche Liturgie zum Theophaniefest in der griechisch-orthodoxen Dreifaltigkeitskathedrale miterleben. Metropolit Michail Staikos stand auch der Wasserweihe vor, die – unter Teilnahme mehrerer orthodoxer Gemeinden – zum ersten Mal auch am Donaukanal gefeiert wurde. Danach referierte Dr. Mihailo Popović, Byzantinist und Mitglied der serbisch-orthodoxen Gemeinde. Das Interesse der Studenten galt hier der Tradition der serbischen Kirche, aber auch dem orthodoxen Religionsunterricht an österreichischen Schulen. Am Abend fand sich die Gruppe in der russisch-orthodoxen Kathedrale zum Hl. Nikolaus ein. Hier fand eine aus Komplet und Morgenlob bestehende Nachtwache zum bevorstehenden Weihnachtsfest (nach julianischem Kalender) statt, in der die Anwesenden von Bischof Hilarion Alfeyev mit gesegnetem Öl gesalbt wurden.

    Am Morgen des letzten Exkursionstages nahmen die Studierenden zunächst an einer Eucharistischen Liturgie in der äthiopisch-orthodoxen Kirche in Schwechat teil. Die Müdigkeit der frühen Morgenstunden verfloss angesichts der mitreißenden Trommelrhythmen und des einprägsamen Gesangs schnell. Einen „Ehrenplatz“ bekam die Gruppe während der Eucharistischen Liturgie in der neuerbauten rumänisch-orthodoxen Andreaskirche in Simmering zugewiesen. Von der Empore aus bot sich ein eindrucksvoller Blick auf die herrlichen Wandmalereien. Die TeilnehmerInnen der Exkursion waren über die herzliche Begegnung mit  Bischofsvikar und Pfarrer Dr. Nicolae Dura nach dem Gottesdienst sehr erfreut.

    Unser Dank gilt allen Wiener Gemeinden, die wir besuchen konnten. Die Herzlichkeit, Offenheit und der ökumenische Geist ihrer Vertreter wird uns in guter Erinnerung bleiben. Wir haben diese Exkursion als einen Beitrag zur Annäherung der christlichen Konfessionen und eine Erweiterung unseres religiösen Horizontes erlebt. Wir können solche Veranstaltungen allen engagierten ChristInnen und Theologie-Interessierten nur weiterempfehlen. 

     

    Anne Burgis, Würzburg

     

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    Ostkirchliches Institut an der Universität Würzburg
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