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    Lehrstuhl für Altes Testament und biblisch-orientalische Sprachen

    Judit: Mehr als nur femme fatale

    03.10.2014

    Gemeinschaftsprojekt der Alttestamentler Barbara Schmitz und Helmut Engel SJ bietet neue Perspektiven auf das Buch Judit.

    Der beim renommierten Herder Verlag erschienene Kommentar zum deuterokanonischen Buch Judit ist als Gemeinschaftsprojekt von Barbara Schmitz, die an der Universität Würzburg den Lehrstuhl für Altes Testament und biblisch-orientalische Sprachen inne hat, und Helmut Engel SJ, dem emeritierten Professor für Einleitung in die Heilige Schrift und Exegese des Alten Testaments an der Phil.-Theol. Hoch­schule Sankt Georgen in Frankfurt am Main, entstanden. Neu sind vor allem, die besondere Berücksichtigung der theologischen Kerntexte der Erzählung, der Reden und Gebete, die durchgängige Beachtung der fiktionalen Konzeption der Erzählung und vor allem die begründete Grundlage der Septuaginta griechisch als Bezugstext des Kommentars. 

    Im Mittelpunkt des breiten Interesses an der Juditerzählung in Kunst, Musik, Film und Literatur steht bis in die jüngste Zeit vor allem die Tötung des Generals Holofernes in seinem eigenen Zelt durch die schöne Witwe Judit.

    Es ist aber gerade nicht die sex and crime-Geschichte, die im Mittelpunkt der Erzählung steht und nicht die femme fatale, die mit Judit inszeniert wird: Der Kommentar zeichnet die Konzeption Judits als denkende, umsichtige, wortgewandte und tatkräftige Frau nach, die, angesichts des Verwüstungsfeldzuges des Holofernes, erst der Kapitulation der Ältesten, eine überzeugende Rede entgegenstellt und dann ihren Plan zur Rettung ihres Volkes im Gebet vor Gott trägt, bis es ihr schließlich gelingt, als Einzelne ihre Stadt, Israel und die ganze Welt zu retten.

    Schmitz und Engel zeigen anschaulich, wie das Buch Judit das problematische Verhältnis zwischen eigenverantwortlichem Handeln von Menschen und der Macht und dem Rettungswillen Gottes thematisiert. Gott rettet nicht länger als ein deus ex machina, sondern vielmehr durch Menschen wie Judit, die die Situation erkennen und rettend handeln.

    Dieses Erkennen von Situationen wird gerade in den Reden und Gebeten theologisch entfaltet, die daher im Kommentar umfassend untersucht und in Bezug zueinander gesetzt werden. Auch wird die Fiktionalität der Erzählung bereits vom ersten Satz an unübersehbar und unmissverständlich hervorgekehrt, weshalb diese unter den biblischen Büchern einmalige Konstruktion in diesem Kommentar besondere Berücksichtigung findet und weshalb sich die Historizitätsfrage gar nicht erst stellt.

    Schmitz und Engel beweisen zudem am auffallenden Sprachstil, dass die Juditerzählung in einem die Septuaginta der älteren biblischen Bücher nachahmenden Griechisch verfasst ist, einem der Hauptgründe, aus dem bis heute noch immer teilweise angenommen wird, das Buch sei ursprünglich auf Hebräisch verfasst. Nach nochmaliger Überprüfung aller Argumente wird von neuem der Beweis erbracht, dass die Originalsprache der Juditerzählung Griechisch ist, weshalb der Bezugstext der Erzählung und auch des Kommentars die Septuaginta griechisch und damit die Has­monäerzeit, Ende 1. Jh. v. Chr. ist. Diese gegenüber bisherigen Kommentaren neue Herangehensweise beachtet der Kommentar konsequent und durchgehend. Angesichts dessen bereitet der Kommentar den Lesenden völlig neue und weiterführende Erkenntnisse.

     

    Barbara Schmitz

    Geboren 1975. Studium der Katholischen Theologie in Passau, Jerusalem und Münster, 2003 Promotion, 2007 Habilitation; 2000-2005: Assistentin an den Universitäten Bamberg und Fribourg (CH); 2005-2009: Oberstudienrätin an der Universität Duisburg-Essen; 2009-2011: Professorin für Exegese und Theologie des Alten Testaments an der Technischen Universität Dortmund; seit 2011: Professorin für Altes Testament und biblisch-orientalische Sprachen an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Würzburg; Veröffentlichungen zu frühjüdischer und deuterokanonischer Literatur; „Geschichte Israels“ (2011).

     

    Helmut Engel SJ 

    Geb. 1940. Studium der Philosophie in München, der Theologie in Frankfurt Sankt Georgen, Pro­mo­tion am Päpstlichen Bibelinstitut Rom „Die Vorfahren Israels in Ägypten“ (1979). Habilitation in Frankfurt Sankt Georgen „Die Susanna-Erzählung“ (1985). Bis 2008 Professor für Einleitung in die Heilige Schrift und Exegese des AT an der Phil.-Theol. Hoch­schule Sankt Georgen Frankfurt am Main. Gastprofessuren in München und Rom. Ver­öffent­li­chun­gen zu Judit, Tobit und den Makkabäerbüchern. Kommentar zum Buch der Weisheit (1998). Mit­herausgeber „Septuaginta Deutsch“.

     

    Bibliographische Angaben:

    Schmitz, Barbara / Engel, Helmut, Judit (HThK AT), Freiburg / Basel / Wien 2014, 432 S., €[D] 75,- / sFr 99.- / €[A] 77,20, ISBN 978-3-451-26820-5.

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