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    Lehrstuhl für Altes Testament und biblisch-orientalische Sprachen

    Gastvortrag von Prof. Dr. em. Justus Cobet zum sog. Aristeas-Brief

    08.07.2019

    Am 25. Juni 2019 fand der von Prof. Dr. Rene Pfeilschifter (Lehrstuhl für Alte Geschichte) und Prof. Dr. Barbara Schmitz (Lehrstuhl für Altes Testament und biblisch-orientalische Sprachen) gemeinsam veranstaltete Gastvortrag mit Prof. Dr. em. Justus Cobet (Universität Duisburg-Essen) zum sogenannten Aristeas-Brief statt.

    Über den gelungenen und gut besuchten Gastvortrag freuten sich Prof. Dr. Rene Pfeilschifter, Prof. Dr. em. Justus Cobet, Prof. Dr. Dr. h. c. em. Dieter Timpe und Prof. Dr. Barbara Schmitz.

    Prof. Dr. Justus Cobet stellt in seinem Vortrag mit dem sog. Aristeasbrief einen Text aus dem gebildeten hellenistisch-alexandrinischen Judentum ins Zentrum. Der wohl aus der Mitte des 2. Jahrhunderts v. Chr. stammende Text schildert, wie 72 jüdische Gelehrte auf Bitten des Königs Ptolemaios II. Philadelphos den Pentateuch für die Bibliothek von Alexandrien ins Griechische übersetzten. Der 322 Paragraphen umfassende Textes schildert dabei nicht nur die näheren Umstände des Übersetzungsprojekts, vielmehr macht einen großen Teil der Erzählung die Schilderung eines siebentätigen Symposions aus, das der ägyptische König für die 72 Übersetzer veranstaltet. Das Gespräch ist nach der Art eines Fürstenspiegels (peri basileias) gestaltet, die Gelehrten übernehmen die Rolle von Philosophen.

    Für die dem Vortrag zugrundeliegende Frage, ob und inwiefern sich der sog. Aristeasbrief als Teil einer reziproken Akkulturation von Judentum und Hellenismus zu verstehen ist, zeigt Prof. Cobet auf, wie Jüdisches und Griechisches im sog. Aristeasbrief miteinander in Beziehung gesetzt werden. Er beleuchtet vor diesem Hintergrund die historischen und kulturgeschichtlichen Kontexte der jüdisch-hellenistischen Schrift. Der Autor der Schrift, oftmals als Pseudo-Aristeas bezeichnet, sei, entgegen seiner Selbstbezeichnung als Grieche, wohl ein gebildeter Jude aus der alexandrinischen Oberschicht und mit griechischer Literatur vertraut. Wie kann man nun das Verhältnis von Judentum und Hellenismus treffend beschreiben? Prof. Dr. em. Justus Cobet plädierte für die Vorstellung einer einseitigen Akkulturation, in der das alexandrinische Judentum hellenistische Vorstellungen aufnimmt, ohne sich von diesen überlagern zu lassen. Es handele sich um eine Hellenisierung ohne Verlust von Tora-Treue.

    Im Anschluss entstand eine lebhafte Diskussion, in der die Implikationen der Analysen von Prof. Cobet sowohl für die althistorische als auch für die biblisch-exegetische Forschung diskutiert wurden.

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