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    Catholic theology

    „Aufklärung 2.0. Ein Plakat“

    11/14/2017

    Antrittsvorlesung vom Prof. Dr. Wolfgang M. Schröder

    Der akademischen Tradition folgend hatte Prof. Dr. Wolfgang M. Schröder, Inhaber der Professur für Philosophie an der Kath.-Theol. Fakultät, am Donnerstag, den 09.11.2017, in die Neue Universität zu seiner Antrittsvorlesung eingeladen. Den Hörsaal 318 füllten zahlreiche MitarbeiterInnen und Studierende der Kath.-Theol. Fakultät, FachkollegInnen aus verschiedenen Universitäten, ehemalige WeggefährtInnen, Freunde und Familienangehörige. Als Ehrengäste konnten u.a. die Landtagsabgeordnete Kathi Peters (Schweinfurt) und der Regens des Würzburger Priesterseminars, Stefan Michelberger, begrüßt werden.

    Dekan Prof. Dr. Martin Stuflesser erinnerte in seinem Grußwort an die nicht unproblematische Neuerrichtung der Professur und dankte seinen beiden Amtsvorgängern, Prof. Dr. Franz Dünzl und Prof. em. Dr. Heribert Hallermann für ihr diesbezügliches Engagement. Den Inhaber der Professur hieß Stuflesser im Namen aller MitarbeiterInnen der Kath.-Theol. Fakultät herzlich willkommen. „Wir freuen uns“, so Stuflesser zu Schröder, „dass Du hier bei uns als Professor tätig bist.“

    In seiner Vorlesung mit dem Titel „Aufklärung 2.0. ein Plakat“ fragte Schröder nach der Zukunft vernünftiger Urteilskraft und Mündigkeit im Zeitalter der Globalisierung. Der aufklärerische Imperativ „Sapere aude!“ und die Luhmannsche Forderung, komplexe Informationsbestände wissenschaftlich besser transparent und verarbeitbar zu machen, seien einerseits brandaktuell, andererseits aber auch problematisch wie nie zuvor. Anstelle nach Wahrheit und allgemeiner Theorie strebe die Wissenschaft oft „nur“ noch nach (zumindest falsifizierbaren) Fakten. Die Neurowissenschaften zeigten indes, dass die Macht von Fakten wider Vorurteile im Denken eher gering sei. Der Diskurs in pluralistischen Gesellschaften erfolge aufgrund des Fehlens eines gemeinsamen Forums vielfach „postfaktisch“. Nicht zuletzt habe die kritische Frankfurter Schule (Horkheimer / Adorno) auf die Ambivalenz der Vernunft (als Mittel zur Dekonstruktion aber auch Entwicklung von Ideologien) und damit die „Dialektik der Aufklärung“ hingewiesen.

    Die gewichtigste Anfrage an das Programm der Aufklärung, so Schröder, gehe allerdings von der Entwicklung der Digitalisierung, dem Web 2.0, der Interaktion zwischen Mensch und Maschine, aus: Wenn nicht mehr der Mensch selbst entscheide, sondern Maschinen bzw. Algorithmen für sich entscheiden lasse – entstehe dann nicht eine neue selbstverschuldete Unmündigkeit des Menschen? Nachdrücklich warnte Schröder davor, angesichts der Bedeutung und Unaufhaltsamkeit dieser Entwicklung („too big to fail“) zu resignieren. Auch die Flucht in die Geschichte der Philosophie verspreche keine Lösungen für die Herausforderungen der Gegenwart. Vielmehr, so Schröders abschließende Forderung, mit der er zugleich die Frage nach der Aktualität des Programms der Aufklärung beantwortete, müsse die Philosophie wieder neu lernen, kreativ zu sein, voraussetzungslos zu denken und radikal zu fragen.

    Im Anschluss an seine Vorlesung lud Schröder die Anwesenden zu einem Empfang in den Lichthof der Neuen Universität ein. Bei einem Glas Wein und einem Büffet bestand die Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen und den Abend in entspannter Atmosphäre ausklingen zu lassen.

     

    Zur Person

    Prof. Dr. Wolfgang M. Schröder begann seine akademische Laufbahn mit dem Studium der katholischen Theologie und Philosophie in Tübingen und Rom. Im Jahr 1993 wurde er in Rom durch Kardinal Friedrich Wetter zum Priester geweiht. Seine philosophische Promotion erfolgte 2002 aufgrund seiner – mit dem Promotionspreis der Universität Tübingen ausgezeichneten – Dissertationsschrift „Grundrechtdemokratie als Raison offener Staaten. Verfassungspolitik im europäischen und im globalen Mehrebenensystem des Regierens“.

    Danach war er als Diözesanbeauftragter für den EU-Verfassungskonvent in Brüssel und war im Generalsekretariat der Kommission der EU-Bischofskonferenzen und als Dozent für Philosophie an der Universität Tübingen tätig.

    Seine Habilitation in Tübingen erfolgte 2007 aufgrund der Studie „Systematisches Recht. Zur Analyse von Kants Metaphysischen Anfangsgründen der Rechtslehre“. Nach Vertretungsprofessuren in Tübingen und Bochum und SIAS-Fellowships an der Yale Law School und am Wissenschaftskolleg zu Berlin war er 2010-2015 Dilthey-Fellow der Fritz-Thyssen-Stiftung an der Universität Tübingen mit dem Forschungsprojekt „Politische Ökonomie des sozialen Europas“. Seit 2015 ist Schröder Inhaber der neu errichteten Professur für Philosophie an der Kath.-Theol. Fakultät der Julius-Maximilians-Universität Würzburg.

     

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