Deutsch Intern
    Ostkirchliches Institut

    Kirche zwischen allen Stühlen

    Die Rolle der griechisch-katholischen Kirche
    (Ukraine) in der Gemeinschaft der Kirchen

    Studientag des Ostkirchlichen Instituts
    zusammen mit der Theologischen Fakultät der Universität Würzburg
    und dem Institut für Kirchengeschichte der Ukrainischen Katholischen Universität in Lviv

    8. und 9. Februar 2008

    Steinbachtal 2a, 97074 Würzburg

    Programm:

    Freitag, 8. Februar 2008

    (Steinbachtal 2a, Pfarrsaal St. Bruno)

    14.30 Uhr: Geleitwort Bischof Prof. Dr. GERHARD FEIGE, Bischof Dr. BOHDAN DZYURAKH

    15.00 Uhr: Prof. Dr. ERNST CHR. SUTTNER (Wien) "Katholiken und Orthodoxe sind Schwesterkirchen - und doch gibt es zwischen ihnen die Unierten"

    16.45 Uhr: Dr. GEORGIJ AVVAKUMOV (Lviv/München) "'Unio Ecclesiarum' und die geistigen Grundlagen der Neuzeit. Ein Versuch über die historische Bedeutung der Unionstheologie"

    Samstag, 9. Februar 2008

    9.00 Uhr: Dr. MYRON BENDYK (Drohobych) "Unio als communio: zur Frage des Charakters der interkatholischen Beziehungen und des Modells der Kircheneinheit"

    10.45 Uhr: Dr. JOHANNES OELDEMANN (Paderborn) "Katholisch, aber nicht römisch: Die Rolle der Kirchen östlicher Riten innerhalb der katholischen Kirche und ihre Bedeutung für die Ökumene"

     


    Bericht

    Kirche zwischen allen Stühlen?
    Nicht selten haben sie die römischen Katholiken in ökumenische Verlegenheit gebracht – Jetzt entdeckt man die katholischen Ostkirchen als Brücke
    DT vom 19.02.2008
    Von Guntram Matthias Förster

    http://die-tagespost.de/Archiv/titel_anzeige.asp?ID=38082

    Würzburg (DT) „Die Rolle der griechisch-katholischen Kirche (der Ukraine) in der Gemeinschaft der Kirchen“ war Thema des diesjährigen Internationalen Ökumenisch-Ekklesiologischen Studientages in Würzburg. Eingeladen hatte das Ostkirchliche Institut (OKI) der Bayerisch-Deutschen Augustinerprovinz in Verbindung mit dem Institut für Historische Theologie der Universität Würzburg sowie dem Institut für Kirchengeschichte der Ukrainischen Katholischen Universität Lviv (Lemberg). Im Sinne der veranstaltenden Professoren Jakob Speigl, Franz Dünzl und Oleh Turij wurde die Frage der mit Rom unierten Ostkirchen nicht nur als eine Angelegenheit der katholisch-orthodoxen Ökumene, sondern ausdrücklich auch als eine innerkatholische Herausforderung behandelt. Seitens des OKI konnte als Gastgeber Pater Gregor Hohmann OSA auch zwei kirchliche Würdenträger begrüßen: den ukrainischen Bischof Bohdan Dzyurakh aus Kiew und den Magdeburger Bischof Gerhard Feige, der die Arbeitsgruppe Kirchen des Ostens der Ökumenekommission der Deutschen Bischofskonferenz leitet. In ihren Grußworten unterstrichen beide Bischöfe die Brisanz der behandelten Frage.

    Belastungsprobe im Verhältnis zur Orthodoxie

    Die Griechisch-Katholische Kirche der Ukraine ist die Mitgliederstärkste unter den einundzwanzig katholischen Ostkirchen, die mit der Orthodoxie denselben Ritus teilen, zugleich aber den Primat des Papstes anerkennen. Nachdem sie zu Sowjetzeiten für ihre Romtreue brutal verfolgt und in den Untergrund gedrängt worden war, erwies sich ihre Wiederzulassung und Reorganisation in den neunziger Jahren als schwere Belastungsprobe für den orthodox-katholischen Dialog. Papst Benedikt XVI. ermutigte die griechisch-katholischen Bischöfe der Ukraine vor kurzem anlässlich ihres Ad-Limina-Besuchs – der ersten Begegnung dieser Art seit siebzig Jahren –, den „Ökumenismus der Liebe“ nach Kräften weiter zu fördern.

    Hierfür hat der Metropolit der Griechisch-Katholischen Kirche, Großerzbischof Lubomyr Kardinal Husar, bereits vor vier Jahren eine bemerkenswerte Grundlage gelegt – mit einer ökumenischen Initiative, die auch auf dem Würzburger Studientag durchweg präsent war. Ostern 2004 hatte der Metropolit, anlässlich der Verlegung seines Amtssitzes von Lviv nach Kiew, den drei orthodoxen Kirchen der Ukraine erstmals seine „Vision einer vereinten Kirche“ vorgetragen. Die Kiewer Kirche habe traditionell Beziehungen zu den drei großen christlichen Zentren Rom, Konstantinopel und Moskau unterhalten. Indem diese Bindungen in Abhängigkeitsverhältnisse umschlugen, sei es zur Zersplitterung der Kiewer Kirche gekommen. Husar rief die „Zweige der einen Kiewer Kirche“ dazu auf, diese Beziehungen heute nach dem Modell des „In-Kommuniongemeinschaft-Stehens“ (Koinonia-Prinzip) zu erneuern: Rom, Moskau und Konstantinopel sollten die jeweilige ukrainische Kirche als Schwesterkirche anerkennen. Dies würde in einem nächsten Schritt den Kiewer Kirchen die Aufnahme der Kommuniongemeinschaft untereinander erlauben, bis hin zur Wiederherstellung der einen Kiewer Kirche in einem einigen Patriarchat.

    Die Ukraine könnte als „Haus der Begegnung“ zwischen den Schwesterkirchen von Rom, Konstantinopel und Moskau diesen schließlich zur Aufnahme kirchlicher Gemeinschaft untereinander verhelfen. Der vom Fachvertreter für Ostkirchengeschichte der Würzburger Universität, Thomas Németh, moderierte Studientag wandte sich zunächst dem Begriff der „Schwesterkirchen“ und den Konsequenzen für die Stellung der unierten Kirchen zwischen Katholiken und Orthodoxen zu. Professor Ernst Christoph Suttner, der seit langem im theologischen Dialog zwischen römisch-katholischer und orthodoxer Kirche aktiv ist, erinnerte in seinem Eröffnungsvortrag an das Wort Papst Johannes Pauls II., dass der Begriff Schwesterkirche „keine bloße Höflichkeitsformel, sondern eine wirkliche ökumenische Kategorie der Ekklesiologie“ darstellt. Laut Suttner verdienten auch die Unierten sowohl von römisch-katholischer als auch von orthodoxer Seite die volle Anerkennung als Schwesterkirchen – mit dem nötigen Eigenstand und der erforderlichen Autorität: „Wenn der Heilige Geist sie Kirchen sein lässt, spricht dies deutlicher für ihr Existenzrecht, als alle Einwände, die gegen sie vorgebracht werden könnten, dieses Recht anzufechten vermögen.“

    Der verbreiteten Entgegensetzung von negativ verstandenem „Uniatismus“ und wahrem „Ökumenismus“ widersprach Georgiy Avvakumov von der Ukrainischen Katholischen Universität. Avvakumov begründete vielmehr die These, dass das Modell der „Unio ecclesiarum“ mit dem Prinzip „Einheit im Glauben – Vielfalt im Ritus“ (una fide – diverso ritu) maßgeblich zur Formierung des neuzeitlichen Europa beigetragen habe.

    Die Unionstheologie halte für die Gegenwart eine zweifache ökumenische Botschaft bereit: Erstens die Forderung, den Anderen in seinem Anderssein anzuerkennen; und zweitens die Mahnung, die kirchliche Einheit hier und heute zu wagen, anstatt sie auf später zu verschieben.

    Myron Bendyk, Rektor des griechisch-katholischen Priesterseminars in Drohobyc, hob in seinem Vortrag „Unio als Communio“ hervor, dass die Kiewer Kirche bereits im 16. und 17. Jahrhundert das Modell einer vertieften Communio mit der römischen Kirche wie auch der Koinonia mit der Kirche von Konstantinopel verfolgt habe. Leider habe dieses bis heute kein Verständnis gefunden. Die Ukrainische Griechisch-Katholische Kirche erachte die „Communio cum Petro“ als „eines der leuchtendsten Zeichen unserer Identität“. Ebenso strebe sie weiterhin die Wiederaufnahme der Gemeinschaft mit den orthodoxen Kirchen an.

    Einheit mit Petrus ist Wesenselement der Kirche

    Über die Rolle der östlichen Riten innerhalb der katholischen Kirche und ihre Bedeutung für die Ökumene referierte zum Abschluss der Tagung Johannes Oeldemann, Direktor am Paderborner Johann-Adam-Möhler-Institut für Ökumenik. Er erinnerte an das Dekret „Orientalium Ecclesiarum“ des Zweiten Vatikanischen Konzils. Dieses hatte die Wiederherstellung der traditionellen Rechte und Privilegien der katholischen Ostkirchen bestimmt und deren Stellung innerhalb der Gesamtkirche erheblich aufgewertet. Laut Oeldemann sind diese Kirchen ein beständiger „Stachel im Fleisch“ der katholischen Kirche, insofern sie daran erinnerten, dass die Katholizität der Kirche nicht in der Verfasstheit der römisch-katholischen Kirche des lateinischen Ritus aufgeht.

    Andererseits verdeutlichten sie, dass die Einheit mit dem Petrusnachfolger zu den inneren Wesenselementen der Kirche gehört. So erweise sich der Dialog über die Stellung der unierten Kirchen innerhalb der katholischen Weltkirche zugleich für die Ökumene als „Prüfstein“, ob eine gelebte Communio zwischen den Kirchen der östlichen und der westlichen Tradition möglich ist, bei der nicht die eine Seite von der anderen aufgesogen wird. Als lebendiges Beispiel für die Komplementarität der östlichen und westlichen Traditionen innerhalb der Kirche hätten die Katholiken des östlichen Ritus die Chance, die Einheit der Christen zu fördern und zum „Haus der Begegnung“ zwischen Ost und West zu werden.

    Die siebzig Teilnehmer des Studientags erlebten eine spannende und perspektivenreiche ökumenische Tagung. Einer breiteren Öffentlichkeit werden die Beiträge in Heft 2/2008 der Zeitschrift „Ostkirchliche Studien“ zugänglich gemacht.

    Copyright "Die Tagespost" vom 19.02.2008

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