Ondrej Salvet bekommt Preis für beste theologische Promotion des Studienjahres 2011
Bamberg / Würzburg. Am Dies academicus der Otto-Friedrich-Universität Bamberg am Montag, 14. November 2011, erhält Dr. Ondrej Salvet den Friedrich-Brenner-Preis für seine Dissertation. Ondrej Salvets Arbeit beschäftigt sich mit der Kirchenlehre des tschechischen Dominikaners Silvestr Maria Braito. Betreut hat die Arbeit Prof. Dr. Wolfgang Klausnitzer, Inhaber des Lehrstuhls für Fundamentaltheologie und vergleichende Religionswissenschaften an der Universität Würzburg, früher Fachvertreter für Fundamentaltheologie in Bamberg.
Silvestr Maria Braito (1898-1962) hat Generationen von Priestern in Tschechien geprägt. Der Ordensmann schrieb 1946 ein Lehrbuch zur Ekklesiologie, das zum Standardwerk von Generationen von katholischen Theologen werden sollte. Das Buch ist eine traditionelle katholische Apologetik, also eine Verteidigung der Kirche gegen nicht-katholische Weltdeutungen. Braito ist außerhalb Tschechiens kaum bekannt. Der Wissenschaftler ist aber vor allem von deutschen Theologen, beispielsweise Johann Adam Möhler, Matthias Joseph Scheeben, Romano Guardini, Carl Feckes, geprägt. Die einzige Veröffentlichung des Dominikaners in deutscher Sprache ist eine christlich begründete Zurückweisung des Antisemitismus von 1936. So lag es nahe, dass ein tschechischer Theologe sich dieses Themas annahm.
Ondrej Salvet lernte Bamberg durch einen Deutsch-Sprachkurs der Ackermann-Gemeinde kennen und knüpfte so Kontakt zu Prof. Dr. Klausnitzer an der damaligen Fakultät Katholische Theologie. Während seiner Promotionszeit war er in der Pfarrei St. Gangolf zu Gast, wo er als Priester auch seelsorgerisch wirkte. Schnell fand er sich in der deutschen Sprache und Mentalität zurecht und wechselte scheinbar mühelos zwischen Archiven mit Dokumenten in tschechischer und deutscher Sprache. In mühevoller Kleinarbeit wies er die Bezüge Braitos zu namhaften deutschen und französischen Theologen seiner Epoche nach. Er belegte in seiner Dissertation auch, dass Braito durchaus innovativ arbeitete, indem er mit dem biblisch hergeleiteten Begriff „Gotteskindschaft“ aller Menschen eine Kategorie in die Ekklesiologie einführt. Dieses Denkschema machte es der katholischen Kirche seiner Zeit möglich, auch mit Nicht- und Andersgläubigen in einen konstruktiven Dialog über die Begründung und Anerkennung der Menschenrechte einzutreten – dies noch vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-65), mit dem die katholische Kirche offiziell einen Dialog mit der modernen Welt eröffnete. Silvestr Braito war – das haben die Recherchen Salvets ergeben – gewissermaßen ein Vorreiter der später auf dem Vatikanum II verabschiedeten Kirchenkonstitution „Lumen gentium“ (1965), die in Artikel 16 vergleichbare Aussagen macht.
Die Otto-Friedrich-Universität feiert ihren Gründungstag (14. November 1647) jedes Jahr im November als Dies academicus. Dabei werden aktuelle Entwicklungen im universitären Betrieb präsentiert und Preise für besondere wissenschaftliche Leistungen verliehen. Der Friedrich-Brenner-Preis des Erzbischofs von Bamberg wird für die beste theologische Promotion eines Studienjahres verliehen.
Gertrud Pechmann (gep)
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09.11.2011, 14:08 Uhr


