Neues Buch vorgestellt

Unterschiedlicher und spannender Blick auf Kirche und Welt

Offen ausgetragenen Streit entdeckt man in der Theologie eher selten. Die Zeitschrift "Lebendige Seelsorge" führt in jedem Heft ein Streitgespräch zu höchst unterschiedlichen Themen. Dazu findet sich jeweils auch ein Interview.

Nun hat der Schriftleiter Erich Garhammer seine Interviews zusammengetragen, überarbeitet und aktualisiert. Die meisten Gespräche wurden ganz neu geführt. Herausgekommen ist ein höchst unterschiedlicher und spannender Blick auf Kirche und Welt. Unter den Blickwinkeln von Spiritualität - Kunst - Sprache - Seelsorge - Einfachheit entsteht eine Fülle an überraschenden Beobachtungen und vielfältigen Anregungen - jeweils ergänzt um ganz persönliche Zugänge zum Thema. Das Buch kulminiert in einem Plädoyer für Einfachheit und ist damit auch eine Hommage an Papst Franziskus und dessen pastoralen Stil. Vorgestellt wurde das Buch Heiße Fragen - coole Antworten am 28. Juni 2016 im Falkenhaus in Würzburg. Hier die Rede von Professor Garhammer:

Viele waren vom Titel des Buches überrascht: verfällt der Meister der Sprache nun in Slang, in Jugend- und Werbesprache, so ihre Anfrage. Ist das eine erste Reaktion auf das Buch von Erik Flügge, das gerade Furore macht: „Der Jargon der Betroffenheit. Wie die Kirche an ihrer Sprache verreckt.“ Genau darum geht es mir nicht, sondern um einen bestimmten Ton: eine Theologie, die große Themen behandelt, muss nicht immer den erhabenen Ton wählen, aber auch nicht den reißerischen. 
Ich übersetze cool mit angstfrei: Eine Gestalt der Kirche geht zu Ende; die Kirche, die mit Angst etwas erreichen und Menschen abhängig halten konnte. Die Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller sagt von sich, für sie sei Religion nie Trost gewesen, es wurde immer nur gedroht und Schuld verteilt. Darin war Religion mit dem sozialistischen System deckungsgleich. Der einzige produktive Wirtschaftszweig im Sozialismus sei die Produktion von Angst gewesen. Der Geheimdienst sei die einzige Behörde gewesen, die sich um das Individuum kümmerte: um es zu zerstören. Von diesem Klima war auch der Alltag geprägt. „Ich wäre erschrocken, wenn meine Mutter mich plötzlich gestreichelt hätte... Ich glaube, dass man vor unerwarteter Zärtlichkeit genauso, wenn nicht sogar mehr, erschrecken kann als vor erwarteter Gewalt“ (Herta Müller, Mein Vaterland war ein Apfelkern, München 2014, 25). 
Herta Müller fand einen Asylort in der Zärtlichkeit der Sprache. „Das Poetische haben doch nicht die Schriftsteller erfunden. Man muss das Wort ‚poetisch‘ nicht kennen, um poetische Dringlichkeit zu spüren“ (ebd., 90). Solche poetische Dringlichkeit wohnt auch der Glaubenssprache inne. Allerdings muss man sie entdecken und manchmal braucht man dafür ein ganzes Leben. 
So ist dieses Buch eine Entdeckungsreise: es sucht und findet Sympathisanten der Glaubenssprache, wo man sie vielleicht nicht erwarten würde. Im alltäglichen Kirchenbetrieb genauso wie in vielen akademischen und kulturellen Kontexten, die mit Kirche nichts zu tun haben. Man findet nicht nur „Ungläubiges Staunen“ (Navid Kermani), sondern auch gläubiges Staunen und eine Zärtlichkeit im Glaubensausdruck, wenn man Augen und Ohren aufmacht. 
Ein Beispiel ist der Philosoph Paul Ricoeur. 
„Gott soll nach meinem Tod mit mir machen, was er will. Ich verlange nichts, ich verlange kein ‚Danach‘!“, so Paul Ricoeur. Hier trennt sich ein Intellektueller unserer Tage von jeglicher dinglichen Gottesvorstellung, ohne dabei Gott zu verlieren; genauso wie Meister Eckhart vor 700 Jahren. Ricoeur schreibt kurz vor seinem Tod an eine befreundete Frau: 
„Liebe Marie, 
in der Stunde des Niedergangs erhebt sich das Wort Auferstehung. Jenseits der Episoden der Wunder. Vom Grund des Lebens erwächst eine Kraft, die bezeugt, dass das Sein Sein gegen den Tod ist.
Glauben Sie dies mit mir.
Ihr Freund
Paul R.“
(Paul Ricoeur, Lebendig bis in den Tod. Fragmente aus dem Nachlass, Hamburg 2011, 133)
Solche „coolen Antworten“ spürt dieses Buch auf. „Cool“ ist hier der Ausdruck von „Lässigkeit“ im Sinn von Meister Eckhart – des Loslassens von allen Verdinglichungen und geronnenen Ideologien. Eine Kirche, die mit Angst operierte, ist zu Ende, die angstfreie längst Wirklichkeit. Das Handeln von Papst Franziskus beweist es. Diese Kirche zu entdecken braucht allerdings Unterscheidungsvermögen und Scheidung von allen innerkirchlichen Angstszenarien und spätabsolutistischen Drohkulissen.
Wen habe ich bei meiner Suche aufgespürt? Ein Blick in das Inhaltsverzeichnis zeigt die breite Palette der Autoren:

SPIRITUALITÄT

Thomas Kammerer arbeitet als Seelsorger auf der Intensivstation „Traum-Land“ am Klinikum in Großhadern und sucht eine Sprache für spirituelle Erfahrungen. Ganz bewusst ist nicht von „Trauma-Land“, sondern von Traum-Land. In Träumen ergehen wichtige Botschaften. 
Pater Werenfried begleitet Sterbende und bedauert, dass Menschen oft in der Kirche nicht das Brot finden, das sie brauchen. Sein Ideal von Seelsorge ist der heilige Franziskus: Vorrang hat für ihn der Mensch. 
Marina Kojer, Erwachsenenbildnerin und medizinische Leiterin in der palliativmedizinischen Geriatrie geht bei den Hochbetagten in die Lebensschule. Für die Seele von anderen sorgen kann man ihrer Meinung nach nur, wenn man auch die eigenen Bedürfnisse kennt und ernst nimmt. 
Fritz Roth († 2011) verstand sich als Bestatter als Archäologe einer in Vergessenheit geratenen Trauerkultur. Trauerhaus und Trauerakademie in Bergisch-Gladbach: Er wollte Trauer zurückholen ins Leben: denn Trauer ist die Rückseite der Liebe. 
Mechthild Ritter, die auf der Kinderkrebsstation der Universitätsklinik Würzburg arbeitet, ist überzeugt: von Kindern geht viel Trost aus. Sie sind oft realistischer als die Erwachsenen. 

Erich Garhammer entdeckt bei Literaten viele Funde über die Spiritualität im Altern. So etwa wünscht sich Kurt Marti kein ego-zentrisches Weiterleben nach dem Tod. Denn: „Was immer zu Gott kommt, entfällt sich selbst“ (Meister Eckhart) Gott ist unser Jenseits: das zu glauben genügt. Alles weitere bleibt ihm überlassen. 

KUNST

Reiner Kunze -„im Herzen barfuß“ - steht für eine Poesie der Wahrhaftigkeit: das Wort muss den Menschen mitbringen, aus dessen Mund es kommt. Ein Gedicht ist nichts Elitäres: es öffnet sich, wenn es sich erkannt fühlt. Das Gedicht ist zur Ruhe gekommene Unruhe, nichts Harmloses, kein Sedativum. 
Sibylle Lewitscharoff begreift ihr Schreiben als detektivische Arbeit ohne kriminellen Hintergrund. Ihre Stoffe findet sie im ungezügelten Gedankenflug genauso wie in halbwachen Träumereien. Von der Predigt erwartet sie sich: keine Weichspülrede, kein scheinfröhliches Guts-Muts-Geplapper.
Für Arno Geiger ist Schreiben ein Arbeiten an dem, was mich an der Gurgel packt. Deshalb konnte er über die Demenzkrankheit seines Vaters schreiben und ihm den Würdetitel zusprechen: „Der alte König in seinem Exil“. 
Für den Videokünstler Christoph Brech ist die Wahrnehmung entscheidend: welcher Geruch liegt in der Luft - was höre ich – fühle ich mich wohl – welche Gespräche reichern einen Raum an? Rom war für ihn eine Offenbarung, die äußere Entsprechung eines inneren Zustandes. Er hat auch die Bilder im Buch beigesteuert. Unbedingt sehen sollten Sie seine Ausstellung im Bayerischen Nationalmuseum in München „Überleben“, die noch bis 4. September läuft. 
Franziska Loretan-Saladin, Homiletikausbilderin in Luzern, sucht nach einer neuen Gangart der Sprache. Sie wagt schreibend und predigend „Ich“ zu sagen.

Erich Garhammer entfaltet den Über – fluss der Kunst: sie fließt über, prägt das Verhalten von Menschen und kann auch Seelsorgerinnen und Seelsorger inspirieren. 

SPRACHE

Für Christiane Florin, Journalistin aus Leidenschaft und neuerdings Radiomacherin, gilt: Hinsehen, hinhören, eher die Buckelpisten befahren als das leicht zugängliche Gelände. Kirchliche Amtsträger bauen oft Brücken, wo gar kein Fluss ist. Die Stimmung auf der Synode in Rom, bei der sie mit dabei war, beschreibt sie so. „Die Synodenväter waren regelrecht berauscht von sich selbst. Sie wirkten wie Kleriker auf Klassenfahrt, die dem Lehrer Franz eine Freude machen wollten.“ 
Andreas Knapp plädiert für eine Mystik der Aufmerksamkeit, Regelmäßigkeit und Geduld und empfiehlt den Seelsorgerinnen und Seelsorgern innere Quellen, um lange Wege gehen zu können. 
Bruno Jonas wurde vom Transrapid-Beter der Ministrantenzeit zum Transrapid-Sprecher des Kabaretts. Auf seinem Spickzettel für Prediger würde stehen: „Du sollst nicht langweilen! Nimm das Pathos aus Deiner Stimme raus! Spiel nicht den Jenseitsberater!“ 
Hans Maier erzählt von seinen Erfahrungen als Politiker: man schießt wie eine Kugel durch’s Land. Nicht immer zum Vorteil für die Betroffenen. Seine Sprache beschreibt er als Suche nach Helle, Durchsichtigkeit und Anmut, Verständlichkeit. 
Christine Schrappe wünscht sich als Predigthörerin von den Predigern, dass sie die Fremdheit der Texte nicht in der Aktualität des Heute auflösen; sie fühlt sich beschenkt, auch und gerade wenn eine Predigt beunruhigt, nicht alle Fragen löst. Vor allem aber wünscht sie sich auch die frauliche Stimme und die Erfahrungen von Frauen bei der Predigt. 

Für Erich Garhammer ist Predigt nicht die feierliche Beerdigung des Wortes Gottes, sondern ihre Inszenierung im Jetzt. Dafür braucht es eine sensible Sprache. Bei Literaten kann man sie entdecken. 

SEELSORGE

Für Rainer Bucher impliziert Pastoral eine Verabschiedung des nach-tridentinischen Herrschaftskonzepts der Überschaubarkeit und der Kontrolle. Angemessene Grundhaltungen für heute sind Erreichbarkeit, Zugänglichkeit und Antreffbarkeit. Kirche muss sich wählbar machen in einer Zeit der Multioptionalität. 
Thomas Schüller ist der Überzeugung, dass die Kirche in Deutschland vom positiven Image von Papst Franziskus noch nicht profitieren kann. Zu sehr ist sie noch verstrickt in der Aufarbeitung des Missbrauchsskandals und der Limburger Erfahrungen. Der Weg der Transparenz in beiden Fragen ist für ihn unverzichtbar. 
Für Paul Michael Zulehner ist die Echtheit von Papst Franziskus beeindruckend. Er lebt das Evangelium und geht in der Spur des Zweiten Vatikanischen Konzils. Er ist so etwas wie der Weltpfarrer der Kirche und macht ihr deutlich, sie braucht starke Spiritualität und diakonale Qualität. 
Kardinal Karl Lehmann plädiert für eine spirituelle Ökumene. Diese kann allerdings nur glücken, wenn sie aus einem Vorschuss an Vertrauen handelt und fähig ist zu einem kalkuliertem Sprung- so wie Papst Franziskus beim Besuch der evangelischen Gemeinde in Rom. 
Hadwig Müller wirft im Abstand von zehn Jahren zwei Blicke auf die Kirche in Frankreich: 2004 und 2015. Für die Kirche in Frankreich ist der Akt des Vertrauens charakteristisch. Dazu gehören die Nähe zu den Menschen, von der sich häufig die Kirche selbst entfernt hat sowie ein neues Vertrauen in die Verheißungen der Bibel. 

Erich Garhammer begibt sich in die Sehschule von Literaten und Literatinnen und entdeckt mit ihnen zusammen neue Wege von Seelsorge. 

EINFACHHEIT

Entscheidend ist für Francis D’Sa die Wertschätzung der einzelnen Kulturen. Im nachsynodalen Schreiben von Papst Johannes Paul II. „Ecclesia in Asia“ finden sich keine Metaphern oder Redensarten asiatischer Herkunft oder Stimmen von einheimischen Schriftstellern. Ganz anders dagegen die Sprache von Papst Franziskus. 
Elmar Klinger sieht den Schwachpunkt der Kurie aktuell in der Glaubenskongregation. Sie vertritt immer nur den eigenen Standpunkt, nie eine Außenperspektive. Das Konzil ist in ihr zwar formal anerkannt, aber es wird inhaltlich nicht zur Geltung gebracht. Papst Franziskus dagegen steht auf dem Boden des 2. Vatikanischen Konzils- inhaltlich und formal. 
Marlies Eckholt betrachtet die Wahl von Papst Franziskus als „Ereignis des Geistes“. Er verkörpert in seiner Person den Katakombenpakt, die Verpflichtung zur Armut. Er geht an die Wurzeln des Evangeliums, so dass Einfachheit und Schlichtheit keine Strategie sind, sondern der Ausdruck seines Glaubens. Er geht in der Spur des armen Jesus. 
Michael von Brück ist überzeugt, dass wahre Religion zur Angstfreiheit führt. Angstfrei kann ich nur dann sein, wenn ich gewiss bin, dass alles von der guten Kraft Gottes durchwirkt ist. Bei aller Verschiedenheit von Religion geht es letztlich um Identitätspartnerschaft in der Angstfreiheit. 
Bärbel Ackerschott ist Leiterin des Notel in Köln, einer Notschlafstelle für Obdachlose und Drogenabhängige. Es ist ein Fünfsternehaus. Drei Sterne davon lauten: absichtslose Gastfreundschaft, Erfahrung des göttlichen Gratis und Gebetsgemeinschaft. Die Grunderfahrung lautet: das Leben ist stärker als der Tod.

Ich beschreibe die Haltung der Einfachheit bei Papst Johannes XXIII. Diese Einfachheit war nicht nur zu Zeiten des Zweiten Vatikanischen Konzils ansteckend und inspirierend, sie inspiriert bis heute Künstler genauso wie der Kirche Fernstehende. 
Anliegen des Buches ist Resonanzfähigkeit: Es gibt nichts wahrhaft Menschliches, was nicht Widerhall finden könnte im Leben der Christen, so formuliert es die Pastoralkonstitution „Gaudium et spes“.

Am Schluss möchte ich Danke sagen: an den Echterverlag, dass dieses Buch möglich war, aber auch an meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Lehrstuhl für Pastoraltheologie.

Veröffentlicht am 29.06.2016 um 10:33

Echter Verlag -Lebendige Seelsorge-

 

 

 

 

„Literatur findet Stadt“ Sibylle Lewitscharoff liest am Freitag, 28. Oktober 2016 um 19 Uhr in der Regensburger Dreieinigkeitskirche aus ihrem neuen Buch „Das Pfingstwunder“

Einführung und Begleitung der Lesung: Prof. Dr. Erich Garhammer (Würzburg).

Sibylle Lewitscharoff


© Susanne Schleyer

Sibylle Lewitscharoff, 1954 in Stuttgart als Tochter eines bulgarischen Vaters und einer deutschen Mutter geboren, studierte Religionswissenschaften in Berlin, wo sie, nach längeren Aufenthalten in Buenos Aires und Paris, heute lebt. Nach dem Studium arbeitete sie zunächst als Buchhalterin in einer Werbeagentur. Sie veröffentlichte Radiofeatures, Hörspiele und Essays. Für Pong erhielt sie 1998 den Ingeborg-Bachmann-Preis. Es folgten die Romane Der Höfliche Harald (1999), Montgomery (2003) und Consummatus (2006). Der Roman Apostoloff wurde 2009 mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet. 2013 wurde sie mit dem Georg-Büchner-Preis ausgezeichnet.

Blumenberg (2011) stand auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis. Der Band Vom Guten, Wahren und Schönen versammelt die 2011 in Frankfurt und in Zürich gehaltenen Poetikvorlesungen.

 

Sibylle Lewitscharoff ist Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung sowie der Berliner Akademie der Künste. 2013/14 verbrachte sie ein Jahr als Stipendiatin in der Villa Massimo in Rom, danach war sie Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin.

 


 Ihr neuer Roman, der im Herbst erscheint, inszeniert das Pfingstwunder aufregend anders:

 

Im Mittelpunkt steht die Göttliche Komödie Dantes. Gottlieb Elsheimer, Frankfurter Romanist und nach eigener Einschätzung eher ein Kandidat fürs Fegefeuer als fürs Paradies, wundert sich immer mehr über das zunehmend ausgelassene Verhalten seiner Kollegen, die zu einem Dante-Kongress in Rom versammelt sind.

Als die Kirchenglocken das Pfingstfest einläuten, bahnt sich ein Ereignis unbegreiflicher Art an.

 

Leichtfüßig und wortgewaltig spaziert die Büchner-Preisträgerin Sibylle Lewitscharoff mit uns durch Hölle und Himmel. Die Hauptrollen in ihrem neuen Roman spielen die größte Komödie der Weltliteratur, das Seelenheil von 34 Dante-Gelehrten und ein anrührender Erzähler, so sehr um Bodenhaftung bemüht, dass ihm ein Wort wie »Wunder« nicht leicht über die Lippen kommt.

 

 

 

Künstler und Theologe im Zwiegespräch. Pastoraltheologe Erich Garhammer und Christoph Brech Sa. 25.6.2016, 15 Uhr zum Kunstwochenende in München

Im Rahmen der Ausstellung ‚Überleben – Christoph Brech. Installationen im Dialog mit dem Mittelalter‘ (bis 9. Juli 2016 im Bayerischen Nationalmuseum und in der Galerie der DG) lädt die Galerie der DG den Pastoraltheologen Prof. Dr. Erich Garhammer (Uni Würzburg) ein, um mit Christoph Brech zu sprechen:

 

Es wird um die Kooperation mit dem Bayerischen Nationalmuseum gehen, Brechs künstleri-schen Werdegang, seine Zeit in Rom, die Gleichwertigkeit von Ton und Bild und das unterschiedliche Reagieren auf sakrale und profane Räume.

 

Wir freuen uns auf ein spannendes Gespräch und über zahlreiche Zuhörer!


Veranstalter: DG | Deutsche Gesellschaft für christliche Kunst e.V.
Veranstaltungsort: Galerie der DG, Türkenstraße 16, 80333 München

 

http://www.dg-galerie.de/

 

 

 

Prof. Garhammer stellt am 28. Juni sein neues Buch „Heiße Fragen-coole Antworten. Überraschende Blicke auf Kirche und Welt“ vor.

Prof. Garhammer hält pastoralen Kurs mit dem Schriftsteller Arno Geiger in Freising

Näheres dazu unter

www.theologischefortbildung.de/veranstaltung.php

 

 

Prof. Garhammer stellt in der Reihe "Literatur findet Stadt" den Autor Arno Geiger mit seinem Buch "Der alte König in seinem Exil" vor.

Weitere Informationen finden Sie Initiates file downloadhier.

 

 

„Ungläubiges Staunen“: Bestsellerautor Navid Kermani sprach in Regensburg über die Schönheit christlicher Kunst

 

 

 

 

Professor Erich Garhammer (Lehrstuhlinhaber für Pastoraltheologie an der Universität Würzburg) und Navid Kermani sprechen über El Grecos „Christi Abschied von seiner Mutter“ (ca. 1578-1580).

Es war mit Sicherheit einer der ersten großen kulturellen Höhepunkte des noch jungen Jahres 2016: Die Lesung des Bestsellerautors und Friedenspreisträgers des Deutschen Buchhandels Navid Kermani in der Regensburger Dreieinigkeitskirche. Dementsprechend groß war auch der Andrang: Über 1.000 Interessierte machten sich am Mittwochabend auf den Weg zur Veranstaltung in der Kirche am Ölberg, die durch eine große Allianz von Kooperationspartnern wie zum Beispiel der Buchhandlung Pustet, dem Kulturamt der Stadt Regensburg, dem Mentorat des Bistums Regensburg sowie der Staatlichen Bibliothek Regensburg ermöglicht wurde.

Navid Kermani: „Christliche Kunst ist sinnliche Kunst!“

Im Gepäck hatte Navid Kermani seinen gegenwärtigen Bestseller „Ungläubiges Staunen“ – ein Buch, in welchem sich der habilitierte Orientalist und gläubige Muslim in die christliche Kunst- und Bilderwelt versenkt. Kermani betrachtet darin Werke alter Meister wie Botticelli oder Rembrandt, aber auch – wie bei der Lesung in der Dreieinigkeitskirche - El Greco, Caravaggio, Giotto oder das vieldiskutierte Fenster von Gerhard Richter im Dom zu Köln, Kermanis Wohnort. Die von ihm besprochenen Kunstwerke wurden hierfür mit einem Beamer auf eine Leinwand im Altarraum der Dreieinigkeitskirche gebannt.

Für die Regensburger Zuhörer wurde schnell klar, dass Navid Kermani hinter dem Christentum und seiner Kunst keine langweilige oder angestaubte Religion vermutet, sondern vielmehr in diesem eine Religion voller Opfer und Klage, Liebe und Erotik, Menschlichkeit und Göttlichkeit erkennt: Ein Christentum, von dem Christen in dieser Ernsthaftigkeit, Kühnheit und auch Begeisterung seiner Ansicht nach selbst viel zu selten sprechen. Und das laut Kermani oftmals darin Gefahr läuft, sich selbst auf ein „theoretisches Gedankengebäude“ oder eine „ethisch-moralische Lehre“ (Kermani) zu reduzieren. Gerade den Katholizismus lobte der Autor, vermutlich zur Überraschung vieler Zuhörer, als „zutiefst erotische und sinnenfrohe Religion“.

Ein Aufenthalt in Rom und die Folgen

Der Wunsch, sich in einem Buch mit christlicher Kunst auseinanderzusetzen, kam ihm, wie er im Gespräch mit Professor Erich Garhammer, dem Lehrstuhlinhaber für Pastoraltheologie an der Universität Würzburg, darlegte, 2008 bei einem längeren Besuch in der Villa Massimo in Rom. Er nutzte seinen dortigen Aufenthalt, um sich intensiv mit der reichhaltig vorhandenen christlichen Kunst in der Ewigen Stadt auseinanderzusetzen  Für ihn, der, wie er humorvoll anmerkte, als Muslim und Einwohner der pietistisch geprägten Stadt Siegen in Nordrhein-Westfalen gewissermaßen „doppelt bilderlos“ aufgewachsen sei, war die Zeit in Rom eine prägende Erfahrung.

Von Beginn an sei ihm außerdem bei diesem Vorhaben klargewesen, dass er weder als Theologe oder aus konfessioneller Sicht noch als „Museumsbesucher“ oder „Kunstexperte“ sich den von ihm besprochenen Künstlern und Bildern nähern könne - sondern ausschließlich durch die Brille des naiv-neugierigen Schriftstellers. „Meditationen von Meditationen“ nennt er seinen Zugang zur christlichen Kunst bescheiden, wohlwissend dass auch die von ihm betrachteten Bilder selbst bereits Interpretationen christlicher Motive seien. Und so betrachtet er in El Grecos „Christi Abschied von seiner Mutter“ (ca. 1578-1580) das Portrait zweier Liebender, in Caravaggios „Opferung des Isaak“ (ca. 1603)  im abgebildeten Abraham einen kleinkrämerisch-<wbr />unreflektierten und zur Grausamkeit tendierenden „Hausmeister des Glaubens“ (Kermani), den nur Gott selbst davon abhalten könne den eigenen Sohn umzubringen oder in Giottos „Begegnung Joachims und Annas an der Goldenen Pforte“ (ca. 1305) eine Meditation über das nicht immer einfache Ehe- und Familiendasein.

Erfrischender Perspektivwechsel

Die Zuhörer lauschten den Worten Kermanis während seiner Lesung und im Gespräch mit Professor Garhammer gebannt. Seine poetische Sicht auf den christlichen Glauben und dessen Kunst faszinierte -  und vielleicht inspirierte er mit seinem speziellen Blick auf das Christentum viele Anwesende dazu, die eigene Religion einmal mit anderen Augen zu sehen.

Der Autor

Navid Kermani, geb. 1967, lebt als freier Schriftsteller in Köln. Er ist habilitierter Orientalist und Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Für seine Romane, Reportagen und wissenschaftlichen Werke wurde er vielfach ausgezeichnet. 2015 erhielt Navid Kermani den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und rief bei seiner Dankesrede in der Frankfurter Paulskirche die Anwesenden zu einem Gebet für die Menschen in Syrien und im Irak auf.

Hinweis

Navid Kermani: „Ungläubiges Staunen. Über das Christentum“, 10. Auflage 2016 (erscheint am 5. Februar 2016), 303 S.: mit 49 farbigen Abbildungen, gebunden. (C.H. Beck)  ISBN 978-3-406-68337-4

 

 

Prof. Garhammer referiert bei den biblischen Tagen in der Karwoche 2016 zum Thema der Erste Korintherbrief an der Kath. Akademie in Bayern.

Weitere Informationen finden Sie Initiates file downloadhier.

 

 

Prof. Garhammer stellt das neue Buch des Friedenspreisträgers des deutschen Buchhandels Navid Kermani in Regensburg vor:

Die Wörter „Opfer, Klage, Wunder, Leid“ gehören seit je zum religiösen Sprachschatz, sind heute aber eher peinlich geworden.

Was geschieht, wenn einer der bedeutendsten deutschen Schriftsteller, der selbst ein Muslim ist, sich in die christliche Bildwelt versenkt?

Navid Kermani sieht staunend eine Religion voller Opfer und Klage, Liebe und Wunder, unvernünftig und abgründig, zutiefst menschlich und göttlich: ein Christentum, von dem Christen in dieser Ernsthaftigkeit, Kühnheit und auch Begeisterung nur noch selten sprechen.
Es ist ein Wagnis: Mit einer geradezu kindlichen Neugier steht Navid Kermani vor den großen und vor unbekannten Werken der christlichen Kunst. Seine Meditationen geben dem Christentum den Schrecken und die Schönheit zurück.

Kermani hadert mit dem Kreuz, verliebt sich in den Blick der Maria, erlebt die orthodoxe Messe und ermisst die Größe des heiligen Franziskus. Er lehrt uns, in den Bildern alter Meister wie Botticelli, Caravaggio oder Rembrandt auch die Fragen unserer heutigen Existenz zu erkennen – mit klarem Blick für die wesentlichen Details und die untergründigen Bezüge auch zu entfernt scheinenden Welten, zur deutschen Literatur, zum mystischen Islam und selbst zur modernen Heilgymnastik.

Seine poetische Schule des Sehens macht süchtig: süchtig nach diesem speziellen Blick auf das Christentum und sehnsüchtig danach, selbst so sehen zu können.

 

Navid Kermani, Friedenspreisträger des deutschen Buchhandels 2015, liest am 03. Februar 2016 um 19 Uhr in der Dreieinigkeitskirche in Regensburg aus seinem neuen Buch.

„Ungläubiges Staunen. Über das Christentum“

 

Einführung und Moderation Prof. Dr. Erich Garhammer (Universität Würzburg)

 

Navid Kermani erhält Friedenspreis 2015

Der Stiftungsrat des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels hat den deutschen Orientalisten, Schriftsteller und Essayisten Navid Kermani zum diesjährigen Träger des Friedenspreises gewählt. Das gab Heinrich Riethmüller, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, zur Eröffnung der Buchtage Berlin 2015 bekannt. Die Verleihung findet während der Frankfurter Buchmesse am Sonntag, 18. Oktober 2015, in der Paulskirche statt und wird live im ZDF übertragen. Der Friedenspreis wird seit 1950 vergeben und ist mit 25.000 Euro dotiert.