
Klage, Bitte, Lob
Formen religiöser Rede in der Gegenwartsliteratur
Gemeinsames Symposium des Instituts für Systematische Theologie
der Universität Wien und des Zentrums für Jüdische Studien
der Universität Basel, Landsitz Castelen, Augst (bei Basel), vom 18. Juni 2012 bis 20. Juni 2012
Klagen, bitten und loben sind Grundvollzüge religiöser Rede, spielen aber auch in der zwischenmenschlichen Kommunikation eine wichtige Rolle. Sie zeigen an, dass der Mensch auf vielfältige Weise auf andere (und ganz Anderes) verwiesen ist. Die Redeform der Bitte zeigt die Bedürftigkeit einer Person an. Die Klage bringt das Leiden an Unrechtssituationen oder das Vermissen einer Sinnperspektive zum Ausdruck. Danken oder Loben hingegen bringen die Einsicht in die Nichtselbstverständlichkeit oder die Freude über das Gelingen ins Wort. In der Gegenwartsliteratur werden die genannten Redeformen auf unterschiedliche Weise durchgespielt. Sie bringen anthropologische Grundsituationen zum Ausdruck, sind Äußerung allgemein menschlicher, aber auch spezifischer, auf Schicksale von Gruppen oder Personen bezogener Emotionen. Das Symposium widmet sich Texten der Gegenwartsliteratur mit der Fragestellung, wie und in welcher narrativen, performativen oder expressiven Funktion Klage, Bitte oder Lob eingesetzt werden. Das Symposium untersucht auch, ob und inwiefern Zugehörigkeit und Bekenntnis oder soziokulturelle Prägung von Autorinnen und Autoren oder von literarischen Figuren in Texten der neuesten Literatur ausschlaggebend sind für religiöse Redeformen. Diese – durchaus offene – Frage soll literatur- und kulturwissenschaftlich ebenso wie theologisch diskutiert werden.
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Der Dynamik des Lebens abgelauscht
Schriftsteller Arnold Stadler liest aus seiner Übertragung der Psalmen – Öffentliche Lesung im Jüdischen Gemeindezentrum Shalom Europa am 16. Mai 2012
Der vielfach ausgezeichnete Schriftsteller, Theologe und promovierte Germanist Arnold Stadler liest am 16. Mai 2012 um 20 Uhr im David-Schuster-Saal des Jüdischen Gemeindezentrums "Shalom Europa" aus seiner Psalmenübertragung "Die Menschen lügen. Alle".
Auf der ganzen Welt werden die Psalmen gelesen, gebetet und gesungen. In einer Sprache voller Leben, dem biblischen Hebräisch, verfasst, sind sie selbst voller Leben. Über die Jahrtausende hinweg sprechen auch heute noch viele der Texte die Menschen unmittelbar an. Sie sind frühe Zeugnisse der Weltliteratur und haben diese immer wieder beeinflusst und bereichert. Selten sind Leben und Literatur eine solche Einheit eingegangen wie in den Psalmen.
Vor Kurzem hat Arnold Stadler – der bereits vor mehr als zwei Jahrzehnten seine Doktorarbeit über die Psalmen im Werk Bert Brechts und Paul Celans geschrieben hat –, die Hymnen und Lieder des Psalters in die Sprache der Gegenwart übertragen. Um den Texten möglichst treu zu bleiben, gibt Stadler sie als Gedichte wieder. Dabei belässt er bewusst die ungewöhnlichen Wendungen und selbst auf den ersten Blick verstörende Widersprüche so, wie es vom Psalmisten aufgeschrieben wurde. Die Psalmen seien "Ausdruck der Empfindungen eines aufgewühlten oder begeisterten, enthusiastischen oder deprimierten, hilflosen oder dankbaren Menschen", so Stadler. "Die Psalmen sind 'moderne' Gedichte, ihre Poetik ist der Dynamik des Lebens abgelauscht", so der 58-Jährige in seinem Buch.
Die öffentliche Lesung von Arnold Stadler findet im Rahmen des Seminars "Die Sprache ins Gebet nehmen. Die Psalmen in der biblischen und zeitgenössischen Literatur" der Würzburger Lehrstühle für Altes Testament und Pastoraltheologie statt. Sie ist eine Kooperation zwischen der der Katholisch-Theologischen Fakultät und der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit in Würzburg und Unterfranken e.V. Beginn ist um 20 Uhr, der Eintritt ist frei.
Arnold Stadler wurde 1954 in Meßkirch geboren und studierte katholische Theologie in München, Rom und Freiburg, danach Germanistik in Bonn und Köln. 1986 wurde er mit einer Arbeit über die Psalmen in der deutschsprachigen Lyrik des 20. Jahrhunderts promoviert. Stadler ist u.a. Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung sowie Mitglied im Stiftungsrat des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels. Zudem ist er Träger zahlreicher Preise, u.a. des Georg-Büchner-Preises (1999), des Kleist-Preises (2009) und des Johann-Peter-Hebel-Preises (2010).
"Die Menschen lügen. Alle" – Öffentliche Lesung von Arnold Stadler - Mittwoch, 16. Mai 2012, 20 Uhr - Jüdisches Gemeindezentrum "Shalom Europa", David-Schuster-Saal (Valentin-Becker-Str. 11) - Der Eintritt ist frei.
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„Herr, zeige mir die Dinge, wie sie wirklich sind“
Der iranische Dichter SAID zu Gast in Würzburg - Öffentliche Lesung aus seinen Psalmen in der Stadtbücherei Würzburg am 2. Mai
Im Rahmen eines Psalmenseminars der Lehrstühle für Altes Testament und Pastoraltheologie der Katholisch-Theologischen Fakultät unter der Leitung der Professoren Barbara Schmitz und Erich Garhammer liest der iranische Dichter SAID am Mittwoch, den 2. Mai 2012 um 20 Uhr in der Stadtbücherei Würzburg aus seinen Psalmen.
Psalmen mit ganz neuem Klang
Seit langem schreibt SAID, der eine unkonventionelle und nicht-konfessionelle Spiritualität sucht und um sie ringt, Psalmen. Die biblischen Psalmen, die die gesamte geistliche Dichtung bis heute prägen, haben Vorbilder in der altorientalischen Literatur. Wer könnte sich mehr berufen fühlen als SAID, dessen lyrische Sprache von der persischen Tradition zehrt, diese uralte Form des religiösen Gesangs und Gebets auf eine zeitgemäße Art aufzugreifen und mit neuem Sinn zu füllen? Nichts in seinen Psalmen ist selbstverständlich, auch nicht das Verhältnis zum angerufenen Gott, alles ist radikal offen und neu. SAIDs Psalmen lassen niemanden kalt, und sie lassen nichts aus, nicht die Katastrophen und Konflikte der Geschichte, nicht die Sprache der Gegenwart, nicht die Nöte des Alltags, nicht die Lust, die Sehnsucht, die Angst vor dem Tod. Nach dem Ende der großen Utopien und einem weltweiten Sieg des Marktes sehnen sich nicht wenige Menschen nach einem Sinn jenseits des Konsums. SAID bewegt sich mit seinen Psalmen in einem Raum des Religiösen, der offen bleibt für Fragen. Seine Poesie ist eine Stimme der Sehnsucht.
SAID - Iranischer Dichter im deutschen Exil
SAID - 1947 in Teheran geboren - kommt 1965 als Student nach München. Hier verbinden sich seine literarischen Interessen mit einem politisch-demokratischen Engagement. Damit ist seine Rückkehr in den Iran ausgeschlossen. Nach dem Sturz des Schahs 1979 betritt er zum ersten Mal wieder iranischen Boden, sieht aber unter dem Regime der Mullahs keine Möglichkeit zu einem Neuanfang in seiner Heimat; seither lebt er im deutschen Exil. SAID schreibt Lyrik und Prosa in deutscher Sprache und war von 1995 bis 1996 Vizepräsident, von 2000 bis 2002 Präsident des deutschen P.E.N.-Zentrums. Seine Bücher sind in mehreren Sprachen erschienen. Er wurde mit namhaften Preisen ausgezeichnet, zuletzt dem Adalbert-von Chamisso-Preis und der Goethe-Medaille.

Würzburger Privatdozent Jörg Seip zum Professor für Pastoraltheologie in Bonn ernannt
Berufung an die Katholisch-Theologische Fakultät der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität
PD Dr. Jörg Seip ist am 3. April 2012 zum Professor für Pastoraltheologie an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität ernannt worden. Habilitiert wurde er 2008 an der Julius-Maximilians Universität Würzburg zum Thema eines diskurskritischen Ansatzes der Pastoraltheologie (Jörg Seip, Der weiße Raum. Prolegomena einer ästhetischen Pastoraltheologie (PThK 21), Freiburg 2009).
Seit 2009 war Seip u.a. am Würzburger Lehrstuhl für Pastoraltheologie als Privatdozent tätig sowie Lehrbeauftragter für Homiletik an der Theologischen Fakultät Paderborn. Seine Paderborner Dissertation im Jahr 2001 widmete sich der Konzeption einer Predigt als Literatur (Jörg Seip, Einander die Wahrheit hinüberreichen. Kriteriologische Verhältnisbestimmung von Literatur und Verkündigung (SThPS 48), Würzburg 2002). Sie wurde ebenfalls von Professor Erich Garhammer betreut, der vor seiner Berufung nach Würzburg von 1991 bis 2000 Lehrstuhlinhaber für Pastoraltheologie und Homiletik an der Theologischen Fakultät in Paderborn war.

Von Onkel J., dem Matthäus-Evangelium - und der Eintracht Frankfurt
Andreas Maier zu Gast beim Sonntagdialog 2011
(asc) Am Sonntag, den 8. Mai, luden das Exerzitienhaus Himmelspforten und der Würzburger Lehrstuhl für Pastoraltheologie wieder zum Sonntagsdialog ein. Bei strahlendem Wetter und freier Zufahrt (der Termin wurde extra eine Woche vor den Stadtmarathon gelegt) fanden sich knapp 50 Literaturinteressierte im Burkardussaal des Bildungshauses der Diözese ein.
Der Lesung ging in guter Tradition ein Gottesdienst in der Kapelle des Exerzitienhauses voraus. In seiner Predigt bezog sich Erich Garhammer, Professor für Pastoraltheologie an der Universität Würzburg, auf die Tageslesung aus dem ersten Petrusbrief und auf die Emmaus-Geschichte des Lukas-Evangeliums. Beide Texte verbinde die Auseinandersetzung mit dem Fremden und die Freude am Erzählenkönnen: der Petrusbrief ist ein Trostbrief für christliche Gemeinden in der Minorität, mit der bekannten Aufforderung, jedem jederzeit über die christliche Hoffnung Auskunft zu geben; die Emmaus-Geschichte, gemäß der Osterpredigt Gregors des Großen, ist die Begegnung der Jünger mit dem „fremden“ Jesus, der sich durch fingiertes Weitergehen entzieht und gerade durch sein Sichentziehen den Jüngern nahe ist. Mit dieser Entfachung einer „heiligen Sehnsucht“ würden die Jünger in ihrer Gestalt aufgerichtet, groß gemacht und zum Erzählen berufen – zur Orthodoxie und Orthopraxie trete also die „Orthopädie des Glaubens“.
In der anschließenden Lesung trug Andreas Maier, der 1967 im hessischen Bad Nauheim geboren wurde, nicht, wie angekündigt, Passagen aus seinem jüngsten Roman „Das Zimmer“ vor, sondern verschiedene Kolumnen aus dem Band „Onkel J. Heimatkunde“. Dieses Buch stellt eine Sammlung von Kolumnen dar, die Maier von 2005 bis 2010 regelmäßig für die Wiener Zeitschrift „VOLLTEXT“ verfaßt hat, und die alle mit „Neulich“, so der Titel der Kolumne, beginnen. „Eine Lesung ist keine Verkaufsveranstaltung und sollte in den jeweiligen Augenblick passen“, so Maiers Begründung für den kurzfristigen Wechsel.
Mit seinen kurzweiligen Kolumnen zog der promovierte Germanist die Zuhörer sofort in seinen Bann und entführte sie in seine Wetterauer Welt – ein komisches und verrücktes Panoptikum aus Familie, Fußball, Matthäus-Evangelium, Kamelhaarstrickjacke, Apfelwein, Ostern und dem titelgebenden Onkel J., der auch den Protagonisten in „Das Zimmer“ gibt.
Im Gespräch, das der Lesung folgte, gewährte Andreas Maier Einblick in sein literarisches Schaffen, in seine Vorstellung des Begriffes „Heimat“ und in recht persönliche Einstellungen zu Glauben und Religion. Dazu gehörte u.a. der Satz, der bereits in den unter dem Titel „Ich“ veröffentlichten Frankfurter Poetikvorlesungen nachzulesen ist: „Das Matthäus-Evangelium ist das größte philosophische Werk des Abendlandes.“ Auch wolle er Gott einfach im Gespräch, im alltäglichen Tun und Denken halten, ohne ihn gleich in einen Diskurs bringen zu müssen, so der mit zahlreichen Preisen ausgezeichnete Maier.
Beim anschließenden kulinarischen Abschluss bestand für die TeilnehmerInnen Gelegenheit zu weiteren Gesprächen mit dem Autor. Hier outete sich Andreas Maier als eingefleischter Eintracht-Frankfurt-Fan und kommentierte dies, trotz des für ihn schmerzhaften wohl endgültigen Abstiegs seiner Mannschaft in die Zweite Bundesliga am Abend zuvor, folgendermaßen: „Beim Aussuchen des Fußballvereins gibt es einfach keine Wahl.“
Predigt von Prof. Dr. Erich Garhammer
Einführung von Prof. Dr. Erich Garhammer

Sonntagsdialog "Religion und Literatur" am 25. Januar 2009 war ein großer Erfolg
Einmal im halben Jahr lädt das Haus Himmelspforten zusammen mit dem Lehrstuhl für Pastoraltheologie zu einem besonderen Sonntag ein. Nach dem Gottesdienst wird ein Autor aus seinem neuesten Werk lesen. Den Auftakt machte Petra Morsbach, die mit ihrem Roman "Gottesdiener" bekannt geworden ist. Sie las am 25. Januar aus ihrem Roman "Der Cembalospieler".
Petra Morsbach, geboren 1956 in Zürich, lebt seit 1993 als freie Schriftstellerin in der Nähe von München.
"Petra Morsbachs Der Cembalospieler ist ein faszinierender Musikerroman, der vor der Überschätzung künstlerischer Genialität warnt, aber zugleich den Respekt vor der 'Brillanz, Dramatik und Phantasie' großer Musik einfordert." M. Braun
Näheres dazu:
Begrüßung -
Predigt

Neue Artikel erschienen
In der Zeitschrift"
Orientierung", herausgegeben von Schweizer Jesuiten, finden sind aktuell folgende Artikel von Prof. Dr. Erich Garhammer:
"Krisen kann man nicht operieren" (Theologie/Medizin), Nr. 22(30.11.07)
"Das aufgespannte Ohr Gottes" (Theologie/Literatur), Nr. 1(15.01.08)
"Meine deutsche Dichtung platzt aus allen Nöten: Elazar Benyoëtz und die deutsche Sprache" (Theologie/Literatur), Nr. 6 (31.03.08)

Preis für lebendige Seelsorge
Würzburg (KNA) In der katholischen Kirche in Deutschland ist erstmals ein Preis für innovative Seelsorgeprojekte verliehen worden. Der Erfurter Bischof Joachim Wanke zeichnete am Samstag in Würzburg sechs Initiativen aus Deutschland und Österreich aus. Bisher habe es in der Seelsorge keinerlei Anreize für innovative Projekte gegeben, erläuterte der Würzburger Pastoraltheologe Erich Garhammer der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Überrascht seien die Initiatoren von der Fülle der Beiträge gewesen. Fast 50 Projekte seien eingereicht worden. «Wir gehen zu wenig achtsam mit unseren Schätzen um», bemängelte Garhammer. Dabei müsse nicht an jedem Ort alles neu erfunden werden. Häufig gebe es irgendwo schon eine brauchbare Lösung, die aber nicht bekannt sei. Die Jury habe bewusst nicht große «Leuchtturm-Projekte» herausstellen wollen, sondern kleine Beispiele, die mit wenig Aufwand nachzuahmen seien. In Klagenfurt haben katholische Jugendliche einen Besuchsdienst für gleichaltrige Patienten des Landeskrankenhauses gegründet. In Liedberg am Niederrhein stellten junge Leute nach vielen Anlaufschwierigkeiten ein «Totentanz»-Musical auf die Beine und führten es in der Kirche auf. In Erfurt führen Ministranten und Pfadfinder Einzelbesucher durch den Dom. In Linz werden Ehrenamtliche in priesterlosen Pfarreien an der Gemeindeleitung beteiligt. In München haben Kirchenmusiker und ein bildender Künstler eine «Missa Colorata» in Szene gesetzt. Im unterfränkischen Elsenfeld führten Moscheebaupläne zu einem Dialogprojekt zwischen Christen und Muslimen. Die ausgezeichneten Projekte und vier weitere Wettbewerbsbeiträge werden ausführlich in der aktuellen Ausgabe der in Würzburg erscheinenden Fachzeitschrift
«Lebendige Seelsorge» vorgestellt. Wanke, der auch Vorsitzender der Pastoralkommission der Deutschen Bischofskonferenz ist, zeigte sich überzeugt, dass die Kirche hier zu Lande langfristig neue Anziehungskraft auch für Außenstehende gewinnen werde. Dies sei heute schon dort der Fall, wo sie weniger als bürokratische Institution denn als lebendige Gemeinschaft von Glaubenden erfahren werde. Nach den Worten des Bischofs gibt es viele praktische Möglichkeiten, Menschen mit Gott in Berührung zu bringen, etwa eine tags oder auch abends geöffnete Kirche, «in der jemand für Besucher zu freundlicher Auskunft bereit ist». Gemeindegruppen wie der Chor oder ein Kreis Alleinerziehender könnten auch Nichtglaubenden offen stehen. Nichtgetauften könne die Kirche Riten anbieten, etwa für Kranke oder bei Todesfällen. Bei allen Schwierigkeiten der Kirche gebe es heute auch «Rückenwind» für das christliche Zeugnis. Die Menschen sehnten sich nach dem, «was man eben nicht kaufen, sondern nur sich schenken lassen kann».
Weitere Eindrücke zur Preisverleihung:

BilderStreit - Theologie auf Augenhöhe
Band zur Ringvorlesung erschienen.
Der Streit um die Bilder ist bis heute von der jahrhundertelangen Auseinandersetzung der Theologie um die Bilder geprägt.
Der Band beschäftigt sich nicht nur mit dem Bilderverbot im Alten Testament und dem Bilderstreit im Laufe der Kirchengeschichte sowie dem Bildergebrauch in der Gegenwart, sondern hat auch die Interdisziplinarität des Themas im Blick.
Weitere Informationen und Bestellmöglichkeit
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Festakt für den Schriftsteller Elazar Benyoëtz am 21. April 2007 in der Würzburger Residenz
Am 21. April ist der international renommierte Dichter und Aphoristiker Elazar Benyoëtz in der Würzburger Residenz anlässlich seines 70. Geburtstages geehrt worden. Benyoëtz wurde 1937 als Sohn österreichischer Juden in Wiener Neustadt geboren und kam als Zweijähriger nach Jerusalem, wo er mit der hebräischen Sprache aufwuchs. Sein erster Gedichtband erschien 1957. Im Rahmen des Programms „Artists in Residence“ kam Benyoëtz 1964 nach Berlin, wo er die Bibliographia Judaica gründete. Seit 1969 lebt er wieder in Israel.Er wohnt in Tel Aviv und schreibt in Jerusalem. Seine ersten Gedichte verfasste Benyoëtz auf Hebräisch; seine weiteren Reflexionen verfasst er dann aber ausschließlich in deutscher Sprache. Seine große Liebe, sagte Benyoëtz einmal, sei die hebräische Sprache, seine Geliebte allerdings sei die deutsche Sprache geworden. Für sein Werk hat Benyoëtz mehrfach bedeutende Auszeichnungen erhalten (u. a. Adelbert-von-Chamisso-Preis, Bundesverdienstkreuz, Joseph-Breitbach-Preis). Er steht in der Tradition von Kohelet, Georg Christoph Lichtenberg, Karl Kraus und Elias Canetti.
Prof. Dr. Hans-Martin Gauger bei der Laudatio
Der Festakt war Höhepunkt einer Tagung mit dem Titel „Humor – Leichtsinn der Schwermut“, die auf Burg Rothenfels vom 20. bis 22. April stattfand. Nach der Begrüßung durch Prof. Erich Garhammer hielt Prof. Hans-Martin Gauger (Freiburg i.Br.) die Laudatio. Er bezeichnet Elazar Benyoëtz als Sprachdenker und Sprachdichter, der sich der deutschen Sprache mit heiter-existenziellem Ernst zu bedienen weiß. Seine Motive und Themen findet der israelische Aphoristiker und Lyriker in der Bibel, wie es beispielsweise sein jüngstes Buch „Die Eselin Bileams und Kohelets Hund“ zeigt (Hanser-Verlag 2007). Oft ist die Sprache selbst Gegenstand seiner Schriften. Benyoëtz beweist große Sensibilität für die deutsche Sprache, was an seinen einfallsreichen Wortbildungen deutlich wird. „Elazar Benyoëtz folgt dem Deutschen so, wie es ein ‚normal’ Deutschsprachiger nicht machen würde oder sogar könnte. Er ist dem Deutschen zugleich nahe und fern“ (Hans-Martin Gauger). Nach der Laudatio gab der Dichter eine bewegende Kostprobe von seinem Werk, für die sich das Publikum bei ihm mit Standing Ovations bedankte. Der Sohn von Benyoetz war zum ersten Mal in Deutschland und hörte ebenso erstmalig eine Lesung seines Vaters auf deutsch, der zu ihm wörtlich sagte: „Auch dir blüht nun die Vergangenheit.“
Ulrich Kumher
Beim anschließenden Sektempfang stand Benyoëtz den zahlreichen Anwesenden für Gespräch und Begegnung zur Verfügung (im Bild links: Prof. Dr. Erich Garhammer, Prof. Dr. Hans-Martin Gauger und Elazar Benyoetz; Bild rechts: Prof. Dr. Michael Bongardt und E. Benyoetz).
Veröffentlichungen von Benyoëtz (Auswahl): „Vielleicht – vielschwer. Aphorismen“, München: Hanser 1981; „Treffpunkt Scheideweg. Essays“, München: Hanser 1990; „Filigranit. Ein Buch aus Büchern“, Göttingen: Steidl 1992; „Allerwegsdahin. Mein Weg als Jude und Israeli ins Deutsche“, Zürich/Hamburg: Arche 2001; „Der Mensch besteht von Fall zu Fall. Aphorismen“, Leipzig: Reclam 2002; „Das Mehr gespalten. Einsprüche. Einsätze“, Jena/Dresden: Edition Azur im Glaux Verlag 2007.
Bericht von Ulrich Kumher

