Tagungsbericht




Einander begegnen – Chancen und Grenzen
im Dialog der Religionen heute

 

Unter diesem Motto beschäftigten sich die rund 20 Vorträge einer interdisziplinären Tagung, die vom 20. bis 22. Oktober an der Universität Würzburg stattfand, mit den Fragen des heutigen Verständnisses von Mission und interreligiöser Begegnung.

Organisiert vom Lehrstuhl für Missionswissenschaft und Dialog der Religionen unter Federführung des Lehrstuhlinhabers Prof. Dr. Chibueze Udeani versammelten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, um die Vorträge zu hören und anschließend mit den Referentinnen und Referenten zu diskutieren.

Grußworte zur Eröffnung der Tagung sprachen der Präsident der Universität Würzburg, Prof. Dr. Dr. h.c. Alfred Forchel, der Dekan der Katholisch-Theologischen Fakultät, Prof. Dr. Heribert Hallermann, der Präsident der  International Society for Intercultural Theology and Study of Religions (ISRIT), Prof. Dr. Klaus Zapotoczky (Linz) sowie als Ehrengast und Förderer der Tagung Bischof Dr. Friedhelm Hofmann.

Der Apostolische Nuntius in Deutschland, Erzbischof Dr. Nikola Eterović plädierte in seinem einstündigen Eröffnungsvortrag für eine neue missionarische Dynamik in unserer Zeit und meinte damit sowohl mit Blick auf die Geschichte der Mission seit der Urkirche die Evangelisierung der Völker als auch den praktizierten Dialog mit Andersgläubigen, der seit dem II. Vatikanum in der Kirche eine neue Dynamik etabliert hat. Eterović betonte: „Das persönliche und das gemeinschaftliche Zeugnis des christlichen Glaubens, wie auch die missionarische Dynamik, welche die Christen und die Kirche drängt, aus sich herauszugehen und sich den vielen Peripherien unserer Welt zuzuwenden, erfordert auch einen Dialog mit allen Menschen guten Willens“.

Prof. em. Dr. Dr. Hans Waldenfels aus Essen sprach zum Thema „Mission im Kontext des heutigen Dialogs“. Er stellte zu Beginn seines Vortrags heraus, dass für ein Verständnis von Mission heute der Kernsatz des Dokuments Ad Gentes essentiell sei: „Die pilgernde Kirche ist ihrer Natur nach missionarisch, da sie selbst aus der Sendung des Sohnes und der Sendung des Heiligen Geistes ihren Ursprung herleitet gemäß dem Ratschluss Gottes, des Vaters.“ (AG 2)

In seinen Überlegungen hielt Waldenfels zunächst fest, dass man sich vom europäisch-neuzeitlichen Missionsverständnis, also vom Verständnis der Mission als Verbreitung der christlichen Botschaft in Ländern verstanden, die das Christentum noch nicht kennen gelernt hatten, verabschieden müsse.

Das alte Bild habe sich radikal verkehrt: Nicht mehr Europa ist Ausgangspunkt für zahlreiche Priester und Ordensleute, die nach Afrika, Indien und Ozeanien ziehen, um dort christliche Gemeinde aufzubauen, sondern diese Länder senden uns nun in Zeiten von Priestermangel ihre unverzichtbare und wertvolle Hilfe.

Das Schlagwort der heutigen Zeit, das an Stelle des Begriffs „Mission“ getreten sei, sei „Evangelisierung“, also Verkündigung der Botschaft Jesu. Hier erinnerte Waldenfels mit Nachdruck an das jüngst erschienene apostolische Schreiben Evangelii Gaudium des Hl. Vaters Papst Franziskus.

Die Wissenschaft von der Mission müsse sich gemäß Paul Stadler an fünf Thesen orientieren, von denen drei besonders herauszuheben sind:

1.„Missionswissenschaft heute und in Zukunft orientiert sich im Geiste Jesu (des Evangeliums) und der prophetischen jüdisch-christlichen Tradition an einem Missionsverständnis, das sich in der nachkolonialen Zeit grundlegend verändert und erneuert hat. Sie versteht Mission grundsätzlich als dialogisches Geschehen.“

2. „Missionswissenschaft ist im weiten Sinn ‚Oikumene‘-orientiert, engagiert sich daher im inter-konfessionellen und inter-religiösen Dialog und bietet Hand zu multiplen Formen der Kooperation. Sie beteiligt sich inter-disziplinär gleicherweise an Grundlagenforschung wie an praxisorientierten Konzepten und Projekten in Lehre und Veröffentlichungen.“

3.  „Missionswissenschaft ist – analog zur Mission der Kirche – weltbezogen, d.h. auf konkrete Kontexte gerichtet, die verstanden und verstehbar gemacht werden müssen, damit Christen in ihrem jeweiligen gesellschaftlichen Kontext ihren Glauben adäquat leben und am Wohl des Gemein-wesens mitwirken können.“

Im Laufe der Tagung sprachen renommierte Referenten aus dem In- und Ausland zu verschiedensten Aspekten des Dialogs der Religionen heute.

Prof. Dr. Claude Ozankom (Bonn) forderte den Mut zur Weite und die Gegenseitige Wertschätzung als Voraussetzung für gelingenden Dialog. Das Zweite Vatikanische Konzil setze mit seinem Dokument Nostra Aetate  gleichsam die Voraussetzung für einen Heilsdialog mit anderen Religionen, da die Kirche  „nichts von alledem (…), was in diesen Religionen wahr und heilig ist“ (NA 2), ablehne. Dies führe zur Forderung, den Anderen in seinem Anderssein zu akzeptieren und in den offenen Dialog zu treten.

Prof. Dr. Franz Gmainer-Pranzl (Salzburg) stellte die Herausforderungen der pluralen Welt heute in den Mittelpunkt seiner Ausführungen. Mit Habermas betonte er die unlösbare Konkurrenz zwischen Weltbildern und religiösen Lehre in unserer Zeit, die sich auf kognitiver Ebene nicht schlichten lasse. Immer mehr trete auch der Dialog mit säkularen Menschen in den Mittelpunkt, dem bisher seitens der Theologie kaum Beachtung geschenkt wurde. Somit solle die Kirche in einen „Polylog“ mit den verschiedensten religiösen und areligiösen Richtungen unserer Zeit treten und die Botschaft des Evangeliums im Gespräch zur Bewährung stellen.

Die biblische Perspektive auf den interreligiösen Dialog gaben Prof. Dr. Christoph Heil (Graz) aus Sicht neutestamentlicher Schriften und Prof. Dr. Barbara Schmitz (Würzburg) aus der Sicht des Alten Testaments mit einem Vortrag über den frühjüdischen Aristeasbrief wieder. Es wurde deutlich, dass der christliche Glaube in seiner jüdischen Tradition von Anfang an mit der religiösen Alterität seiner Umwelt konfrontiert war.

Prof. Dr. Maha El-Kaisy Friemuth (Erlangen) stellte die Perspektive des Islam auf den Dialog der Religionen vor. Ausgehend vom Koran und seiner ambivalenten Auseinandersetzung mit Andersgläubigen strich sie die theologischen Differenzen beispielsweise in der Trinitätslehre heraus, die es erschwerten, einen Konsens zu bilden.  Erwähnung fand das Dokument „A common word between us and you“, worin 138 islamische Theologen als Reaktion auf die Rede  von Papst em. Benedikt XVI. am 12. September 2006 in Regensburg reagierten. Der offene Brief habe dem christlich-islamischen Gespräch neue Impulse verliehen, so El-Kaisy Friemuth.

Das christlich-jüdische Verhältnis beleuchtete Prof. Dr. Hans-Günther Schöttler (Regensburg).
Von christlicher Seite sei hierfür verstärkt die „Bereitschaft zur Veränderung“ mitzubringen. Zwar gehe die katholische Theologie seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil von „der bleibenden Erwählung Israels“ aus, dennoch vermisse er mancherorts die Einsicht, dass der jüdische Weg neben dem der Kirche verlaufe und ein voll gültiger Heilsweg sei.

PD Dr. Claudia von Collani (Würzburg) warf einen Blick auf die interreligiösen Dialoge im Rahmen der jesuitischen Ostasienmission und betonte das vornehmlich intellektuelle Interesse der Gelehrten Ostasiens am Christentum. Wirkliche Bekehrungen von einflussreichen Personen habe es dagegen  kaum gegeben.

PD Dr. Dr. Thomas Nemeth (Würzburg) referierte in einem tagespolitisch aktuellen Vortrag über die Rolle der Religionsgemeinschaften für den Konflikt in der Ukraine und plädierte für eine gemeinsame Front der verschiedenen Kirchen und Glaubensgemeinschaften gegen Gewalt und Aggression.

Zum Abschluss sprach Dr. Laloa Soa Adonis Tsiarify (Lyon) über das Verhältnis des Christentums zu traditionell-afrikanischer Religion.  Diese sei für die Afrikaner mehr als bloß überkommene Rituale, sie sei vielmehr ein Lebensgefühl, welches den ganzen Alltag durchziehe. Somit sei es der falsche Weg, die traditionelle Religion vollends abzulehnen und christlicherseits verdrängen zu wollen. Vielmehr bedürfe es, so stellte Prof. Dr. Chibueze Udeani in einem anschließenden Beitrag heraus, einer „Afrikanisierung des Christentums“.


Daniel Greb, wissenschaftlicher Mitarbeiter









Zur
Internationalen Tagung

des Lehrstuhls für Missionswissenschaft
und Dialog der Religionen
der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Würzburg
in Zusammenarbeit mit
ISRIT
(International Society for Study of Religion
and Intercultural Theology)

Einander begegnen: Chancen und Grenzen
im Dialog der Religionen heute

20. bis 22. Oktober 2014
Katholisch-Theologische Fakultät Würzburg
Sanderring 2, 97070 Würzburg, HS 318

ergeht herzliche Einladung!

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