Neuordnung für Katholisch-Theologische Fakultäten in Bayern


Zusatzprotokoll zum Bayerischen Konkordat in München unterzeichnet. Nuntius Ender: "Angemessene Präsenz Katholisch-Theologischer Fakultäten"

München, 19. Januar 2007 (ok) Nach mehrmonatigen und komplexen Verhandlungen zwischen Kirche und Staat ist jetzt die Neuordnung der Katholisch-Theologischen Fakultäten an den staatlichen Hochschulen in Bayern geregelt. Für die Verhandlungspartner, den Freistaat Bayern und den Heiligen Stuhl, unterzeichneten der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber und der Apostolische Nuntius in Deutschland, Erzbischof Erwin Josef Ender, am Freitag, 19. Januar, im Prinz-Carl-Palais in München ein entsprechendes Zusatzprotokoll zum Bayerischen Konkordat.

Das Zusatzprotokoll, das noch vom Bayerischen Landtag ratifiziert werden muss, hat nach den Worten von Nuntius Ender „eine den veränderten Umständen und kirchlichen Erfordernissen angemessene Präsenz der Katholisch-Theologischen Fakultäten an staatlichen Hochschulen in Bayern zum Inhalt“. „Leitideen“ bei den Verhandlungen seien die große Bedeutung der Theologie als Deutungs- und Orientierungswissenschaft für die europäische Kultur und den gesamten menschlichen Lebensbezug sowie die heute europaweit veränderte Universitätslandschaft gewesen.

Von Anfang an sei es beiden Partnern darum gegangen, eine in Lehre und Forschung leistungsfähige Theologie zu erhalten. Dies gelte für angemessen ausgestattete Fakultäten für die Priesteramtskandidaten und Diplomtheologen wie auch für theologische Institute zur Ausbildung von Lehrern und Lehrerinnen in katholischer Religionslehre für alle Kategorien von Schulen, einschließlich der Gymnasien. Die Theologie solle weiterhin die wichtige Aufgabe wahrnehmen können, in der weltanschaulich wertorientierten Auseinandersetzung der Gegenwart ihren unersetzlichen Beitrag zu leisten. So habe dies Papst Benedikt XVI. Ministerpräsident Stoiber bereits in einer Audienz im November 2005 gesagt.

Ohne die Zahl der Studierenden und Lehrenden zur alleinigen Richtschnur zu machen, habe eine realistische Beurteilung der Entwicklungen und Bedingungen der Theologie an den staatlichen Hochschulen vorgenommen werden müssen. So habe die Zahl der Theologiestudierenden an der jeweiligen Fakultät, vor allem im Diplomstudiengang, bedacht und bei der Entscheidung berücksichtigt werden müssen, ebenso der tatsächliche kirchliche Bedarf, die Anstellungsmöglichkeiten von Absolventen, die kirchliche und öffentliche Finanzlage wie auch die wissenschaftliche Wettbewerbslage. Dies sei notwendig gewesen, um nicht in eine völlige Ausnahmesituation zu den anderen Fakultäten zu geraten, sagte der Nuntius.

Die sich daraus ergebenden Perspektiven hätten den Anstoß dazu gegeben, einen Weg zu beschreiten, der einerseits der gegenwärtigen und absehbaren Lage gerecht werde, andererseits auch für mögliche Entwicklungen Gestaltungsräume offen lasse. Mit dem Zusatzprotokoll werde die Präsenz der katholischen Theologie an staatlichen Hochschulen in Bayern auch unter veränderten Bedingungen in einer Weise gewährleistet, die den kirchlichen Bedarfslagen entspreche, den Dialog mit Wissenschaft und Gesellschaft weiter effektiv ermögliche und von der Öffentlichkeit als wünschenswerter Beitrag der Kirche zur Mitverantwortung in Staat und Gesellschaft gewertet werde.

Das Bayerische Kabinett hatte bereits im vergangenen Jahr beschlossen, die Katholisch-Theologischen Fakultäten an den staatlichen Hochschulen in Augsburg, München, Regensburg und Würzburg zu erhalten. Die Fakultäten in Bamberg und Passau ruhen für zunächst 15 Jahre. Sie werden für diesen Zeitraum in theologische Institute zur Lehrerbildung für das Fach Religionslehre in allen Schulgattungen umgewandelt. Der Vorsitzende der Freisinger Bischofskonferenz, Kardinal Friedrich Wetter, hatte dies als schmerzlichen Einschnitt für die Diözesen Bamberg und Passau bezeichnet. Allerdings solle jetzt der Blick in die Zukunft gewendet werden, um die neuen Gegebenheiten positiv mitgestalten zu können. Der Kardinal nahm an der Unterzeichnung des Zusatzprotokolls teil, ebenso der Leiter des Katholischen Büros Bayern, Professor Peter Beer. (wr)

entnommen aus: www.erzbistum-muenchen.de/EMF009/EMF000828.asp

 

siehe auch: Fakultäten-Poker: Diskussion spitzt sich zu – Würzburger Theologie hat gute Karten www.bistum-wuerzburg.de/bwo/dcms/sites/bistum/glauben/nachrichten.html

22.01.2007, 13:37 Uhr